Künstler, Gräber und Geschichten   

Von Jeanne Mammen bis Marlene Dietrich:

ein Buch über den Künstlerfriedhof Friedenau

Von Christoph Stollowsky


Kurt Tucholsky war begeistert. „Ihre Figuren springen mit Haut und Haaren aus dem Papier“, lobte er 1929 in der Zeitschrift „Weltbühne“ die Malerin Jeanne Mammen. Sie war damals 39 Jahre alt, stellte mit Charme das Berliner Großstadtleben dar, beobachtete die Dirnen und kleinen Leute ebenso scharf wie die Großen ihrer Zeit. Nach dem Krieg porträtierte sie 1948 Marlene Dietrich.



Eine viel beachtete Federzeichnung entstand, die Diva seelig entrückt mit geschlossenen Augen. Jeanne Mammen starb 1976 im Alter von 86 Jahren, Marlene schloss 1992 mit 91 Jahren für immer die Augen. Beide Frauen fanden auf dem Künstlerfriedhof Friedenau ihre letzte Ruhe.

Zu Marlenes Ehrengrab auf der traditionsreichen Begräbnisstätte an der Stubenrauchstraße im Schöneberger Ortsteil Friedenau pilgern täglich Verehrer. „Hier steh ich an den Marken meiner Tage“, lautet die Inschrift auf dem schlichten Stein. Meist schauen die Besucher auch bei Helmut Newton vorbei, dem weltbekannten, 2004 in Friedenau beerdigten Modefotografen. Er liegt in Marlenes Nähe. Und es lohnt sich, bei einem solchen, zum November passenden Ausflug in ein neu erschienenes Buch zu schauen:

„Der Künstlerfriedhof in Friedenau“ von Helmuth Pohren-Hartmann und Hermann Ebling.


Mit fundierter Kenntnis erzählen die Autoren in kurzen Texten die Lebensgeschichten prominenter, aber auch weniger bekannter Persönlichkeiten, vor deren Gräbern man auf ihr Leben zurückblicken kann: Vor allem Künstler, aber auch Wissenschaftler und verdiente Friedenauer.

„Von wegen letzte Ruhe!“, könnte das Motto dieses Spazierganges lauten.

Denn in vielen Biografien wird die Erinnerung an die Toten lebendig gehalten.


Die „Edition Friedenauer Brücke“ hat den Band mit vielen Fotos und Liebe zum Detail gestaltet.

Auch die Geschichte des denkmalgeschützten Friedhofes wird erzählt, kunsthistorisch wertvolle Grabmale werden vorgestellt. Etliche entstanden in Künstlerateliers wie der „Genius“. Die Statue

von Georg Kolbe krönt Ferruccio Busonis Grab. Der Komponist und Pianist arbeitete seit 1894 eng mit den Berliner Philharmonikern zusammen.


„Künstlerfriedhof“ heißt die 1881 angelegte Gräberstätte, weil das damalige Friedenau mit seinen Stadtvillen Künstler, Literaten und die Boheme anzog. Auch durch die Nähe zur „Wilmersdorfer Künstlerkolonie“ wurden hier viele Kunstschaffende beigesetzt: Paul Zech, Übersetzer von François Villons Balladen oder die 1989 verstorbene, in der Friedensbewegung engagierte Schriftstellerin Dinah Nelken. Auch Margot Apostol liegt an der Stubenrauchstraße. Sie schrieb Gedichte in Berliner Mundart und liebte ihre Stadt so wie die Malerin Jeanne Mammen.

2001 starb sie. Eines ihrer Bücher heißt:

„Den Berlinern ins Herz geschaut“.


Helmuth Pohren-Hartmann, Hermann Ebling: Der Künstlerfriedhof in Friedenau.

Edition Friedenauer Brücke, Berlin. 136 Seiten, 200 Abbildungen, 25 Euro.


Aus: Der Tagesspiegel, Berlin extra (8. November 2006)


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Der Künstlerfriedhof in Friedenau

Edition Friedenauer Brücke, Berlin 2006, 136 pp.


Der Künstlerfriedhof in Friedenau is the quiet cemetery where Marlene and her mother rest in

peace. Many other artists are buried there and this little, beautifully illustrated book gives their names and a short biography to each and everyone of them. For Marlene you’ll also find

the full text of the lyrics from which the excerpt “Hier steh ich an den Marken meiner Tage” is

written on the tomb as well as the explanation why this is such a modest grave – according to

Marlene’s last will it should look like a soldier’s grave.

We think that in two years time this will be a hard-to-find book.

In 10 years you may have to pay a lot to get it. Better get it now – you won’t regret it.


Newsletter der Marlene Dietrich Collection, November 2006


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Leben und Sterben in Friedenau


Die edition Friedenauer Brücke hat mit dem Buch „Der Künstlerfriedhof“ eine Geschichte Friedenaus und seiner frühen Bewohner herausgebracht. Über die Aufzählung der vielen Künstler, Literaten, Wissenschaftler, Kommunalpolitiker, Geschäftsleute und anderer Persönlichkeiten und ihrer Grabstätten hinaus erzählen die Autoren vom Leben in Friedenau von seiner Gründung im späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Wir erfahren, wer die Gestaltung der ehemaligen Villenkolonie vor den Toren Berlins maßgeblich geplant und beeinflußt hat, wer hier wie gebaut, künstlerisch und wissenschaftlich gearbeitet hat, wer mit seinem Wirken den Ruf Friedenaus als kreative Wohnidylle begründete und hier seine letzte Ruhestätte fand.


In drei Kapiteln wird über die Entstehung und Entwicklung sowohl Friedenaus als auch seines Friedhofs berichtet, über den Friedhof aus architekturhistorischer Sicht, und im umfangreichsten Teil werden die hier ruhenden Persönlichkeiten und ihre Grabstätten in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt. Dabei erfahren die Leser nicht nur Geburts- und Sterbedaten, sondern auch Lebens- und Zeitgeschichten, Schicksale und Familienverflechtungen und ihre Bedeutung für unseren Stadtteil. Die meisten Berichte sind mit Fotos oder Zeichnungen illustriert und vermitteln so ein lebendiges Bild der ersten Friedenauer und der Zeit, in der sie lebten. Selbst Kenner des Friedhofs werden erstaunt sein, wen wir alles auf unserem Friedhof beherbergen und dass er seinen Beinamen „Künstlerfriedhof“ nicht allein Marlene Dietrich und Helmut Newton verdankt.


Die architekturhistorische Betrachtung widmet sich dem Friedhof als Bau- und Gartendenkmal, der Urnenhalle - dem sog. Columbarium - , den großen Wandgräbern, ihren Schöpfern und ihrer städtebaulichen und künstlerischen Bedeutung. So finden sich unter den Schöpfern der zahlreichen Grabdenkmäler namhafte Berliner Bildhauer wie Georg Kolbe, Bertel Thorvaldsen, Valentino Casal und Hans Dammann, und ein Spaziergang über den Friedhof kann zu einem Kunsterlebnis werden.


Es ist ein geschmackvolles, handliches Buch entstanden, sorgfältig recherchiert und mit reichhaltigem Bildmaterial versehen. Stadtpläne des alten und neuen Friedenau laden zum Vergleich ein, und authentische Texte aus der Gründerzeit des Stadtteils berichten aus dem frühen Friedenauer Leben. Ein ausführliches Literatur- und Quellenverzeichnis und ein Verzeichnis der Abbildungen im Anhang bewahren den Text vor störenden Fußnoten. Ein Friedhofsplan und eine praktische Liste mit Verkehrsverbindungen, Öffnungszeiten und Verwaltungsadressen erleichtern Interessierten den Weg nach Friedenau und zu seinem Künstlerfriedhof.

Ein spannendes und eindrucksvolles Leseerlebnis!


Sigrid Wiegand, Stadtteilzeitung, Dezember 2006/Januar 2007


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Das Interview – Mein Kiez


Rembrandt …

war und ist einer der großartigsten Zeichner und Maler, und ich bin froh, in einer Straße mit solch einem großen Namen zu wohnen, wenn sie auch bisweilen einen ziemlich vernachlässigten Eindruck macht – aber das ist ein anderes Thema.


Was verbindet Sie mit dem Dürerkiez?

Ich lebe seit mehr als 30 Jahren in Friedenau, erst in der wunderbaren Handjerystraße, später in der Stubenrauchstraße. Vor 8 Jahren sind wir, inzwischen eine Familie mit drei Kindern, in das Friedenau »jenseits der Wannseebahn« gezogen, und es hat schon ein wenig gedauert, sich hier einzuleben.

Der schöne weite Blick aus unserer Wohnung in der Rembrandtstraße auf die Friedenauer Brücke und über fast ganz Friedenau hat uns von Anfang an bezaubert.

Unser Engagement bezieht sich auf ganz Friedenau, und dieser Teil hier, von dem viele behaupten, daß er eigentlich nicht mehr Friedenau sei, gehört für uns ganz klar dazu!!!



Schon vor 20 Jahren habe ich zusammen mit meinem Mann Hermann Ebling das Buch »Friedenau – Aus dem Leben einer Landgemeinde 1871-1924« geschrieben und gestaltet, es ist, zwar längst vergriffen, ein Friedenauer Standardwerk geworden. Darin haben wir in einem Kapitel auch das Friedenau »auf der anderen Seite« rund um den Dürerkiez beschrieben.


Welchen Geist der Vergangenheit würden Sie gern wieder zum Leben erwecken?

Ich hoffe, dass wir mit unseren Publikationen, die ja viel vom Geist der Gründerzeit zeigen, auch dazu beitragen, bewusst zu machen, dass die Landgemeinde Friedenau nur durch Pioniergeist und Bürgerengagement überhaupt erst entstanden ist.

Auch ist für mich immer wieder beeindruckend, in welcher Qualität die Alltagskultur damals vorhanden war, man betrachte nur die ‚Aufgeräumtheit‘ der Straßen und Plätze auf den alten Photographien. Aber um keinen falschen Eindruck zu hinterlassen: Ich trauere nicht »der guten alten Zeit« nach!


Unser täglich Brot … eine Momentaufnahme

Vor knapp einem Jahr habe ich den kleinen Verlag »edition Friedenauer Brücke« gegründet, die ersten Veröffentlichungen waren neu aufgelegte historische Ansichtskarten aus Friedenau, zum Jahreswechsel folgte der große Wandkalender »Gruß aus Friedenau« mit frühen Photographien und Kartenmotiven. Im Herbst erscheint unser Buch über den Künstlerfriedhof in der Stubenrauchstraße und in Planung und Vorbereitung sind schon drei Projekte, die natürlich auch alle mit Friedenau zu tun haben. Lassen Sie sich überraschen!!!


Ihre Vision des Dürerkiezes für das Jahr 2010

Dass dieser Stadtteil mit seinen kreativen und engagierten Bewohnern handfeste Erfolge verbuchen wird! Und es wäre schön, wenn immer mehr Menschen bewußt wird, dass sie selbst für ihre direkte Umgebung verantwortlich sind.


Evelyn Weissberg, 1956 in Zürich geboren, in Kaiserslautern aufgewachsen,

ab 1973 Studium Grafik-Design/Visuelle Kommunikation.

1976 Studium Informationsgrafik an der HdK Berlin (heute UdK),

1979 Diplom-Designerin, 1981 Ernennung zur Meisterschülerin.

Ab 1982 “Atelier für Grafik & Gestaltung“. Seit 1995 »FUTURA design«,  freiberufliche Tätigkeit als Grafik-Designerin mit dem Schwerpunkt Geschäftsausstattung und Web-Design.

2005 Gründung des Verlages »edition Friedenauer Brücke«


Interview im Kiez Quadrat 6/2006


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„Kleine Fluchten“


Der Atchafalaya ist ausserhalb von Louisiana vermutlich so bekannt wie der Künstlerfriedhof Friedenau außerhalb von Berlin. Aber das ändert sich ja jetzt mit diesem Berlin-Magazin.

Friedenau ist eigentlich ein ziemlich bürgerlicher und entspannter Stadtteil der Hauptstadt,

nicht groß aufregend, nicht besonders „hip“. Allerdings befindet sich in Friedenau ein Friedhof,

der einige sehr berühmte und einige sehr kunstvolle Gräber und auch Grabmale enthält.

Anita Fünffinger ist auf dem Künstlerfriedhof spazieren gegangen, dort wo einige Zeit ihres

Lebens ziemlich rastlose Berliner schließlich doch noch ihre letzte Ruhe gefunden haben.


Hermann Ebling: Der Künstlerfriedhof ist nicht nur der Künstlerfriedhof, weil hier sehr viele Künstler und Lebenskünstler begraben sind, sondern auch deswegen, weil viele Grabmale und Denkmäler von sehr namhaften Künstlern wie beispielsweise Heinrich Mißfeld, Valentino Casal oder auch Georg Kolbe gefertigt wurden.


Hermann Ebling und seine Frau Evelyn Weissberg kennen sich aus auf „ihrem“ Friedhof.

Jahrelang haben sie den Stadtteil Friedenau südlich von Schöneberg studiert, wollten nicht nur etwas mehr über die Stars dieses Friedhofs wie Marlene Dietrich oder Helmut Newton erfahren, sondern auch über die, die unbekannter blieben oder die man vielleicht schon vergessen hat.

Ihre mühevollen Recherchen mündeten in dem Buch „Der Künstlerfriedhof in Friedenau“.


Evelyn Weissberg: Ja, es sind nicht alle so weltberühmte, aber doch in ihrer Zeit bekannte Menschen gewesen, und das muß man eben „ausgraben“, makaber gesagt....


Die Blätter der Bäume sind gelb geworden, viele sind schon gefallen. Eine warme Septembersonne wärmt die Luft, ideal für einen Spaziergang.

Dass hier eben nicht nur Weltberühmte liegen, passt zum Stadtteil Friedenau. Der Ortsteil, von dem NICHT-Berliner vielleicht noch nie gehört haben, hat mit der Jahrhundertwende zahlreiche Künstler angezogen. Nicht mitten in der City, aber alles leicht zu erreichen, ruhig, aber doch zentral. Schriftsteller, Musiker, Bildende Künstler siedelten sich an, und das Handwerk reagierte darauf. Wie die Bildgießerei Noack, die selbstverständlich auch im Friedhof eine Gruft hat.


H.E.: Die Bildgießerei Noack war schon in den 20er Jahren beinahe eine Zufluchtstätte für bildende Künstler, die ihre Werke dementsprechend präsentiert haben wollten. Dazu gehörten Georg Kolbe oder Käthe Kollwitz, später nach dem Krieg waren es Bernhard Heiliger und Henry Moore, die hier arbeiten ließen, Anselm Kiefer und Joseph Beuys gehörten später auch zu den Kunden der Bildgießerei.


Noack bekam durch die Künstler einen guten Ruf. Wesentliche Symbole der Stadt Berlin werden mittlerweile in die Obhut dieser Bildgießerei gegeben. Die Silbernen und Goldenen Bären der Berlinale, die Vergoldung der Siegessäule, die Quadriga auf dem Brandenburger Tor, restauriert

in den Händen von Noack Mitarbeitern.


Vorbei am Familiengrab der Roennebergs, er war Ortsvorsteher von Friedenau, die Schwestern gründeten eine Mädchenschule, was um 1900 herum nicht unbedingt üblich war, vorbei an Oskar Pastior, dem Schriftsteller aus Hermannstadt in Rumänien, geflüchtet 1968 in den Westen.

Er ist einer der jüngsten Berühmten hier, gestorben 2006.

Und weiter vorbei an einem Grab ohne Namen. Es ist ein großer Stein, vier weiße Säulen sind darin eingearbeitet, es sollen Platzhalter sein. Für vier Menschen, die durchaus noch sehr am Leben sind.


E.W.: …das ist eine Alten-WG, die wohl sehr „Wein, Weib und Gesang“ frönt, und die haben sich hier ihr Grab schon eingerichtet. Mit einer nackten Dame mit Weinglas, und einem Skelett, was

´ne Kippe zwischen den Zähnen hat, also, die sind sich der Gefährlichkeit ihrer Tätigkeiten bewußt, aber sie leben anscheinend alle noch, denn das gibt es ja schon eine Zeit lang, und es ist noch keiner gestorben ....   


Menschen, die noch nicht gestorben sind, wollen unbedingt hier liegen. Die Alten-WG hätte es verdient, im Gegensatz zu dem Herrn ein paar Meter weiter, findet zumindest Evelyn Weissberg:


Es sind auch manche Leute animiert, ihre „Künstler“-Verwandschaft, die schon gestorben ist, umzubetten, und ihnen hier einen „angemessenen“ Grabplatz zu ermöglichen, wobei, wiegesagt, dieser Künstler hier mit Friedenau im weitesten Sinne gar nichts zu tun hat ... Aber er soll hier nun liegen, so kann man es nennen ....


Und sein Platz ist gesichert. Das Grab wird wohl noch Jahrzehnte bestehen, so wie die Ehrengräber auch. Eines gehört zu Helmut Neustädter, der nur wenige Hundert Meter vom Friedhof entfernt 1920 geboren wird. 1938 verlässt der Jude mit zwei Kameras im Gepäck das faschistische Berlin.

Zurück kommt 2004 die Urne mit den Überresten von: Helmut Newton.

Kurz zuvor hatte er noch mit dem Regierenden Bürgermeister Wowereit das Grab von Marlene Dietrich besucht.


H.E.: Also man munkelte damals, daß Helmut Newton zu dem Herrn Wowereit sagte: „hier würde ich doch auch mal gerne liegen“, und man munkelt auch weiter, daß Herr Wowereit irgendwie geäußert hätte: „na ja, das läßt sich doch machen..“ Es hat keiner gedacht, daß es so schnell passieren wird... Und jetzt liegt Helmut Newton alias Helmut Neustädter, geboren in Schöneberg, mit seiner Lieblingskamera, die mit ihm zusammen beerdigt wurde, hier. 


Helmut Newtons Grab ist nach Westen ausgerichtet. Die Abendsonne scheint darauf, genauso wie auf das der berühmtesten Berlinerin hier. Sechs frische Blumensträuße liegen auf dem Grab von Marlene Dietrich, eine Kerze brennt, ein Foto von ihr liegt darauf. Der Stein dagegen, ganz schlicht. Ein rechteckiger fast schwarzer Marmorstein, die Beschriftung bescheiden.

Marlene steht drauf.


E.W.: Das wollte sie so, sie wollte ein Soldatengrab, sie ist Preußin gewesen, zutiefst, und wollte eigentlich nur einen Efeuhügel haben, mit einem schlichten Stein – ich finde das paßt, wenn man sie studiert hat und über ihren Charakter Bescheid weiß, finde ich das sehr sehr passend...

Daß auch nur „Marlene“ da steht, gefällt mir gut... 


Bei weitem nicht ganz Berlin war begeistert, daß ausgerechnet sie hier die letzte Ruhe finden sollte. Die, die bei den amerikanischen Soldaten gesungen hatte...

 

E.W.: Ja, ich habe, als ich hier auf dem Friedhof für das Buch häufig war, viele ältere Damen erlebt, die sich in etwa so äußerten: Das gefällt uns gar nicht, daß die hier liegt, die hat Deutschland Schande gebracht, mit ihrem Verhalten...

H.E.: ...denn als Marlene 1945 nach Friedenau kam, um ihre Mutter in der Fregestraße zu besuchen, trug sie die amerikanische Uniform, und das konnten ihr die Berliner überhaupt nicht verzeihen...


Trotzdem: bei der Beerdigung standen tausende Berliner am Wegesrand, wollten sehen, wenn die Diva heim kommt, nachhause, in die Nähe zu Ihrer Mutter, die nur wenige Meter weiter beerdigt ist. Als Berlinerin kehrte sie zurück, ohne Glamour, ganz bescheiden, reiht sich ein ins deutsche Volk, mit dem auch sie jahrzehntelang nicht klar kam und erst im Tod ihren Frieden fand.


H.E.: Das einzige, was bleibt, ist der Spruch: „Hier steh ich an den Marken meiner Tage“.

Das ist von Theodor Körner, den Marlene sehr bewundert hat, ihm war die Freiheit das wichtigste

Gut im Leben.


Berlin-Magazin „Kleine Fluchten“

Der Beitrag von Anita Fünffinger lief am 3. Oktober 2009 auf BAYERN 2

Bayerischer Rundfunk, ARD-Hauptstadtstudio


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Foto:  Uwe Steinert

Ganz und gar auf Friedenau verlegt


Evelyn Weissberg und Hermann Ebling haben ein Buch über Berühmtheiten

ihres Stadtteils herausgebracht – es ist bereits das dritte

Von Christoph Stollowsky


Ihr Balkon hat keinen romantischen Ausblick auf Parkwiesen oder reich verzierte, gründerzeitliche Nachbarhäuser. Tief unten brausen Autos über die Stadtautobahn, und auf der Friedenauer Brücke, die hier die A 103 überquert,  rollt gleichfalls immerzu Verkehr. Doch wenn Hermann Ebling und Evelyn Weissberg auf diesem Ausguck ihrer Wohnung an der Rembrandtstraße ihre Friedenauer Geschichten erzählen, ist von alledem schon nach ein paar Sätzen keine Rede mehr. Bei ihrer Rückschau vergessen sie sogar den kalten Novemberwind, der an der Brüstung entlangstreicht.

„Wenn ich auf unsere Brücke schaue“, sagt Hermann Ebling, „sehe ich Ernst Ludwig Kirchner, wie er das Viadukt malte. Oder Rosa Luxemburg, wie sie hundertfach darüberhumpelte, um an der Saarstraße die Familie des Sozialisten Karl Kautsky zu besuchen.“

Seit 30 Jahren leben die beiden in Friedenau. Fast ebenso lange sammeln sie Postkarten, Schriftstücke und vieles andere über die Lebensgeschichten der Bewohner und die Vergangenheit ihres Stadtviertels. Eine spannende Leidenschaft, denn Friedenau war mit seinen typischen Vorgärten nicht nur über Jahrzehnte ein bürgerliches „Dorado der Tonzwerge“, wie es Spötter bezeichneten, sondern auch Refugium vieler Künstler, Schriftsteller und Politiker, kurz, der Bohème.

Doch irgendwann wollte das Paar seine historischen Fundstücke nicht nur zusammentragen und davon erzählen, sondern für alle Berliner dokumentieren.

1986 veröffentlichten sie im Eigenverlag „edition Friedenauer Brücke“ ihr erstes Buch. Titel: „Aus dem Leben einer Landgemeinde.“ 2006 erschien ein Band über den Künstlerfriedhof Friedenau – und gestern stellten sie ihr neuestes Werk vor: „Friedenau erzählt – Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871 bis 1914.“



Der Friedenauer Brücke sind sie dabei treu geblieben. Ernst Ludwig Kirchners gleichnamiges Gemälde schmückt den Titel. 1914 hat er es aus einer ähnlichen Perspektive gemalt, wie man die Brücke heute vom Balkon des Verlegerpaares aus sieht. Allerdings führte sie damals nur über die Berlin-Potsdamer Eisenbahnstrecke, über die heute noch die S-Bahn rattert. Gut zehn Jahre vorher gehörte dieser Überweg zum Alltag von Rosa Luxemburg. Sie wohnte von 1902 bis 1911 mit ihrer abgöttisch geliebten Katze Mimi jenseits der Wannseebahn in der Cranachstraße und genoss nach ihrem Gang über die Gleise das bunte Leben in der Familie des sozialdemokratischen Theoretikers Kautsky. „Mit unseren Jungs trieb sie die tollste Allotria“, erinnerte sich Luise Kautsky. „Stundenlang konnte sie mit glühenden Wangen mit ihnen beisammen hocken.“ Rosa - ganz privat. „Zumeist wird sie nur als politische Frau geschildert. Wir wollen die Menschen, von denen wir erzählen, mit allen Facetten zeigen“, sagt Evelyn Weissberg.

Dazu gehören auch die Pioniere, die vor den südwestlichen Toren Berlins aufs flache Land die ersten Friedenauer Villen bauten und ihre neue Heimat so beschrieben: „Jejend, nischt wie Jegend.“ Später musste ihre Kolonie größtenteils höheren Mietshäusern weichen, die Einwohnerzahl wuchs, interessante Persönlichkeiten und Originale waren darunter – und werden in dem reich illustrierten Buch wieder lebendig: Aron Bernstein, der schon im späten 19. Jahrhundert die jüdische Gemeinde modernisieren wollte, die Maler des Künstlerbundes „Brücke“, Schriftsteller Georg Hermann, Landrat Prinz von Handjery, Erich-Kästner-Illustrator Walter Trier, Lokalpoet Eduard Jürgensen, genannt Onkel Ete, Wachtmeister Meier oder Radrennmeister Thaddäus Robl, der im legendären, längst verschwundenen Friedenauer Sportpark am heutigen S-Bahnhof Bundesplatz Weltrekorde fuhr.

„Wir sind die Wege all dieser Menschen abgegangen, so lange, bis die Steine zu uns gesprochen haben“, erzählt Hermann Ebling. Sie haben Archive durchforstet und weltweit recherchiert. Walter Trier beispielsweise wanderte nach seiner Flucht vor den Nazis später nach Kanada aus. In der „Art Gallery of Ontario“ trieb Evelyn Weissberg Zeichnungen von ihm auf. Im Buch sind diese zu sehen.

Wie schafft man das alles in der Freizeit neben Beruf und drei Kindern? Sie arbeitet als Grafikerin, er als Tonmeister bei Spielfilm-Produktionen. Beide sagen: „Mit Begeisterung.“ Und so haben sie alles selbst gestemmt. Recherche, Gestaltung, Text, Werbung, Vertrieb. Viel verdienen lässt sich mit einem derart aufwändigen Berlin-Buch nicht.

„Das ist ein selbst verordneter Ein-Euro-Job“, lacht Hermann Ebling. Aber im Kopf hat er schon das nächste Projekt. Einen Nachfolgeband über die 20er und 30er Jahre.


„Friedenau erzählt – Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871 bis 1914“,

Edition Friedenauer Brücke, 352 Seiten, 39 Euro, ISBN: 978-3-9811242-1-7.


Aus: Der Tagesspiegel, Stadtleben, Seite 11 (19. November 2007)


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Liebe Frau Weissberg!

Heute komme ich endlich dazu, mich nochmals sehr herzlich für das Buch "Friedenau erzählt" zu bedanken. Ich habe in den zurückliegenden Wochen bereits viel und gerne darin gelesen, und freue mich immer wieder über die umfangreiche und ausgesprochen gelungene Zusammenstellung von Texten und  Zeitdokumenten. Besondere Freude ist es uns natürlich, dass unsere eigene Familie an verschiedenen Stellen, vor allem durch Frida Brückers Erinnerungen, zu so ausführlichen Ehren gekommen ist.

Es ist schön zu sehen, dass unsere lange Verbundenheit mit Friedenau auf diese Weise zum Ausdruck gebracht wird.

Ich wünsche Ihnen von Herzen auch für Ihre kommenden Projekte diese Kreativität und Inspiration, die man in den bisherigen Büchern wiederfindet - und natürlich ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest sowie ein glückliches, gesundes und erfolgreiches Neues Jahr.

Herzliche Grüße - auch von meinem Sohn -


Ihre Renate Brücker, 12. Dezember 2007


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Das alte Friedenau erwacht!


Friedenau hat viele Gesichter, und alle spiegeln sich im Adressbuch von 1914 wider unter der Rubrik „Vereinsleben“.

Da finden sich Vereine für Feuerwehrleute, Tierschützer, Beamte, Sanitäter, Gartenfreunde, Gastwirte und Schreibwarenhändler, Schneider- und Bäckermeister, Ärzte, Lehrer und Oberlehrer, Handwerker und Hauswarte. Und das war längst nicht alles:

der Sport, die Künste, das Vergnügen, die Raucher, alles wollte sich vereinen und seine Interessen pflegen, ganz zu schweigen von politischen Richtungen aller Couleur – es gab sogar einen „Reichsverband gegen die Sozialdemokratie, Ortsgruppe Friedenau“! Und wo können wir das alles nachlesen?

Die edition Friedenauer Brücke legt ihr neues Buch „Friedenau erzählt“ vor, Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871-1914, dokumentiert von Hermann Ebling. Den Einband ziert eine Reproduktion des Gemäldes „Eisenbahnüberführung (Friedenauer Brücke)“ von Ernst Ludwig Kirchner, dem Mitglied der Künstlervereinigung „Die Brücke“ (noch ein Verein!), das er 1914 von seinem Atelier in der Körnerstraße 45 aus gemalt hat. Auch die edition Friedenauer Brücke trägt diese Brücke im Namen und in ihrem Logo, allerdings seitenverkehrt, denn von ihrem Sitz aus sieht sie sie von der anderen Seite!

Ein neues Buch über Friedenau also. Ist nicht schon alles gesagt? Wissen wir nicht schon alles über unseren Stadtteil, über Johann Anton Wilhelm von Carstenn und seine ersten Ideen vom Wohnen im Grünen, die Gründung der Baugesellschaft zum Errichten von „Wohnhäusern und dazu passenden Gärten vermittelst einer Summe, welche die jetzt zu zahlende Miete nicht übersteigt“ für all jene, „deren Einkommen nicht so rasch und in gleichem Maße als die Wohnungsmiete steigt“, wie es im Mai 1871 in einem Aufruf in der Vossischen Zeitung heißt?

Da war zuerst „nischt wie Jejend“, die ersten Kolonisten konnten sich den Platz für ihre Häuser nach Lust und Laune aussuchen; und bald war’s doch vorbei mit der Villenherrlichkeit: die Großstadt begann gierig nach dem Idyll zu greifen.

Aber wie hat das ausgesehen, was steckte hinter den Entwicklungen, Veränderungen, was erzählen die Menschen, die es miterlebt haben, wie haben es die zeitgenössischen Chronisten berichtet? Das Buch heißt ja „Friedenau erzählt“, und genau das macht seinen Charme und seine Stärke aus: Zeitungsartikel erzählen in lokalen Plaudereien humorvoll vom Leben und besonderen Vorkommnissen in Friedenau, die ersten Bewohner und die Künstler berichten über ihre Lebensumstände, Schriftsteller siedeln ihre Romane hier an, und aus diesen „O-Tönen“ ist ein Kosmos entstanden, in dem uns das Friedenau der frühen Jahre höchst lebendig entgegentritt. Wir erfahren sowohl etwas über die Probleme der Gründerväter als über die Sorgen einer Hausfrau bei der Suche nach einem Dienstmädchen, über Rosa Luxemburgs Friedenauer Jahre wie über einen Friedenauer Weihnachtsmann. Kleinere Anekdoten wechseln sich mit ausführlicheren Darstellungen etwa über eine (Weihnachts)-wanderung durch Friedenauer Straßen oder eine alteingesessene Familie ab  und vermitteln uns die Atmosphäre des damaligen Lebens. Das alte Friedenau erwacht wieder zum Leben!

Es ist ein schönes Buch entstanden: 350 Seiten auf Kunstdruckpapier, mit vielen lebendigen Fotos und dem von Evelyn Weissberg gestalteten Einband mit Ernst Ludwig Kirchners Bild der Friedenauer Brücke, das uns mitten ins Geschehen führt. Ein Personenregister erlaubt einen schnellen Zugriff auf einzelne Themen, ein Straßenverzeichnis alt/neu frischt das Gedächtnis auf, ein Literatur- und Quellenverzeichnis verweist auf weitergehende Literatur, alles sorgfältig lektoriert von Dr. Anne Meckel.

Nicht nur Friedenauer/innen werden es mögen!


Sigrid Wiegand, Stadtteilzeitung, Dezember 2007/Januar 2008


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Friedenau erzählt …                                       


heißt ein Buch mit Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871 bis 1914.

Das Buch ist erschienen in der edition Friedenauer Brücke, hat 352 Seiten

und 250 Abbildungen. Der Autor Hermann Ebling führt durch einen Berliner

Stadtteil, der einstmals jottwede lag – also janz weit draußen.

Heute ist Friedenau mittendrin – in der Stadt, in der Kultur und im Leben...


rbb-inforadio am 1.12.2007   

Anmoderation von Axel Bars zum Interview mit Hermann Ebling


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Friedenau erzählt. Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871 bis 1914,

Hermann Ebling, edition Friedenauer Brücke, 352 Seiten, 39,00 Euro


Fürst Bismarck in Friedenau, der Kaiser in Friedenau, ein Zeppelin über Friedenau.

Das ist ein schönes Heimatkundebuch!

Seit 1897 gibt es mitten in Friedenau die Kreuzungsbezeichnung Kaisereiche an der Rhein-, Saar, und Schmiljanstraße, aber nie amtlich.

Überraschend viele Fotos, von großbürgerlichen Häusern, Aufmärschen des Männerturnvereins, Colonialwarenläden und eleganten Bahnhöfen.

Das Personenregister führt von Willibald Alexis über Döblin, Friedrich Engels, Kautsky, Alfred Kerr, Rosa Luxemburg bis zu Trotzki. In Friedenau? Der auch? Ja, echt, bei Kautsky auf der Couch. Schwerpunkt des Buchs sind gut ausgewählte und knapp kommentierte Texte von Friedenauern wie Theodor Heuss, Christian Morgenstern, Georg Hermann oder vom Gründer und Entwickler Carstenn.


newsletter Berlin Story + Rundschreiben 26, Januar 2000


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Orts Termin - Was Friedenau erzählt


Friedenau. Es mag purer Zufall oder glückliche Fügung gewesen sein – wie Evelyn Weissberg es eigentlich lieber nennt: Die Wohnung in der Handjerystraße lag unterm Dach, war winzig und ließ sich obendrein nur mit dem Ofen heizen. Und dann noch die Fragen der Freunde, im  Tonfall irgendwo zwischen verständnislos und abfällig: „Was wollt Ihr denn ausgerechnet in Friedenau? Wie obermiefig!“

Das liegt nun 32 Jahre zurück. Die Aussicht auf Studienplätze und die fehlende Wehrpflicht hatte das Studentenpaar Evelyn Weissberg und Hermann Ebling von Kaiserslautern nach West-Berlin gelockt – nur eben nicht nach Kreuzberg oder Neukölln, wo das Gros des Jungvolks sich niederzulassen pflegte. Friedenau war’s und blieb’s. Was sich nun wirklich als Glücksfall bezeichnen lässt: für alle Friedenauer nämlich, denen die Geschichte ihres Stadtteils am Herzen liegt. Genau genommen sogar für jeden historisch interessierten Zeitgenossen.

Denn quasi mit Einzug in die Handjerystraße begannen die beiden Neuberliner alles an alten Fotos, Postkarten und  Texten zu horten, was ihnen in die Finger geriet – mit dem Ziel, das gesammelte Material eines Tages für die Nachwelt zu dokumentieren. „Friedenau erzählt – Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871 bis 1914“ heißt die inzwischen dritte, bislang aufwendigste Veröffentlichung der edition Friedenauer Brücke, dem kleinen, eigens gegründeten Verlag von Evelyn Weissberg und Hermann Ebling.

Jetzt aber mal ehrlich: Warum denn nun ausgerechnet Friedenau?

Hätte es die beiden in die Paradestraße verschlagen – gäb’s heute womöglich die edition Tempelhofer Feld? „Kann schon sein“, stimmt Hermann Ebling zu. „Das Interesse für Geschichte liegt uns ja im Blut und hätte sicher auch ein anderes Ziel gefunden. Aber Friedenau ist schon ein sehr dankbares Objekt!“

Daran besteht spätestens nach der Lektüre von „Friedenau erzählt“ kein Zweifel. Das fängt schon mit der Entstehungsgeschichte des heutigen Ortsteils an. „Im Prinzip ging’s hier zu wie im Wilden Westen“ sagt Hermann Ebling. „Von überall her kamen die Siedler, um eine Kolonie zu errichten.“

Freilich waren diese Siedler nicht dem Lockruf des Goldes gefolgt, vielmehr dem Werben eines gewissen David Born – Grundstücksspekulant, Autor volkswirtschaftlicher Schriften und Mitbegründer des „Landerwerb- und Bauverein auf Aktien“. Per Zeitungsartikel hatte sich Born im Jahr 1871 an „Beamte, Pensionäre, Lehrer, Künstler und Literaten“ gewandt – und an all jene „deren Einkommen nicht so rasch und in gleichem Maße als die Wohnungsmiete steigt“. Sie sollten „gemeinschaftlich Wohnhäuser und die dazu passenden Gärten“ erwerben.

Was einst „nischt wie Jejend“ war, mauserte sich alsbald zur Landgemeinde Friedenau, später zum – noch heute so bürgerlich wirkenden – Villenviertel und nicht zuletzt zum Refugium für Künstler, Politiker, Schriftsteller und andere Prominente. All das erzählt die Chronik der edition Friedenauer Brücke – anhand von alten Zeitungsartikeln aus dem Archiv des Schöneberg Museums, ergänzt durch Dokumente, Fotos, Briefe, Aufzeichnungen.   

Wobei am Band vor allem eines besticht: das Kaleidoskop jener Menschen, aus deren Leben „Friedenau erzählt“. Geht es auf der einen Seite um so bekannte Persönlichkeiten wie Rosa Luxemburg oder Brücke-Maler Ernst Ludwig Kirchner, dessen berühmtes Bild „Eisenbahnüberführung“ auch den Umschlag des Buches ziert, sind es ein paar Blätter weiter die Stars der Vergangenheit – deren Namen heute niemand mehr kennt. Wie Radrennfahrer Thaddäus Robl, der im ebenfalls längst vergangenen Friedenauer Sportpark seine Zeitgenossen zu Begeisterungsstürmen hinriss.

Wunderbar aber auch die Geschichten der so genannten kleinen Leute: die Lebenserinnerungen der Frida Brücker etwa, niedergeschrieben für ihre Söhne und Enkelkinder. Detailliert blickt die Tochter aus gutem Hause zurück auf Kindheit und Krankheiten, Geburten und Todesfälle, auf ihre Tage an der Mädchenschule, Tanzstunden, Verehrer und die eigene – aus heutiger Sicht recht trostlose – Hochzeit. Und schildert anschaulich das Friedenau ihrer Kindheit: „Hinter der  Villa befand sich der Garten ... mit Laube und Fontaine, Tannen, Obstbäumen und Blumenbeeten ... Friedenau war damals noch ein kleiner Ort. Die Rheinstraße hatte rechts und links kleine Villen mit Gärten.

Auf der linken Seite stand ab und zu einmal ein einstöckiges Häuschen ... Eine Pferdebahn oder etwas ähnliches gab es damals noch nicht.“

Wie gelangt man denn an solche Kostbarkeiten? Nun, einiges ergatterten Evelyn Weissberg und Hermann Ebling auf Flohmärkten. Ein andermal gelangten sie durch private oder berufliche Kontakte an alte Unterlagen.

Bisweilen waren aufwendige Recherche oder nachbarschaftliche Aufrufe vonnöten.

So kostete das Zusammentragen der Dokumentation allein eine Menge Zeit – womit die Arbeit am Buch jedoch keinesfalls erledigt war. Gestaltung, Texte, Vertrieb und Werbung liegen einzig in den Händen des Zwei-Personen-Unternehmens edition Friedenauer Brücke.

„Wir sind ja keine Historiker – für uns ist das einfach nur eine große Leidenschaft“, sagt Evelyn Weissberg, die hauptberuflich als Grafikerin arbeitet, während Hermann Ebling als Tonmeister bei Spielfilmproduktionen in aller Welt mitwirkt – weshalb der eine oder andere Text für „Friedenau erzählt“ auch schon mal in England oder am Strand von Thailand geschrieben wurde. Im Computer-Zeitalter zum Glück kein Problem.

Die beste Nachricht wie üblich zum Schluss: Der nächste Teil der Chronik über die 20er und 30er Jahre in Friedenau ist bereits in Arbeit.

Berit Müller


„Friedenau erzählt – Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871 bis 1914“,

edition Friedenauer Brücke

352 Seiten, 39 Euro, ISBN: 978-3-9811242-1-7


Berliner Abendblatt vom 6. 2. 2008


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Liebe Evelyn Weissberg, lieber Hermann Ebling,

ich möchte mich von ganzem Herzen für Ihr liebevoll recherchiertes

"Friedenau erzählt" bedanken !!!

Ich bin gebürtige Friedenauerin und habe mich in meinen 42 Lebensjahren nie aus Friedenau wegbewegt...  warum auch ? Hier ist es einfach am schönsten !

Ich bin in der Hedwigstraße aufgewachsen, meine Eltern hatten in meiner Kindheit ein Seifen- und Parfümeriegeschäft im Souterrain in der Albestraße, sind dann aber mit ihrem Geschäft umgezogen in das Haus Nied- Ecke Handjerystraße.

Dort sind heute "Cremer und Cremer".

Sie hatten damals den Laden von "Plattners" übernommen und sich vergrößert:

Zu den Drogerieartikeln kamen nun Zeitungen, Schreibwaren, Spielzeug und Süßigkeiten.

Es kursierte sogar der Spruch "Dalg an der Ecke handelt mit jedem Drecke".

Mein Vater war eine Art "Friedenauer Original": Er kannte alle und alle kannten ihn. Seine Kindheit hat Willi Dalg in der Wilhelm Hauff-Straße verbracht.

In seinem weißen Kaufmannskittel gehörte er quasi zum Kiezbild....

Nach seinem Tod führte meine Mutter den Laden noch einige Jahre alleine weiter bis sie in Rente ging. Sie wohnt immer noch in der Hedwigstr.

Ich wohne in dem Haus unseres damaligen Ladens,in der ehemaligen Kohlenhandlung meiner Großtante Irmgard Schönherr. Hier habe ich als Kind schon

"zwischen den Kohlen gespielt".

....Sie sehen also, wie verwachsen ich mit Friedenau bin.

Ich habe Ihr Buch mit wahrhaft riesigem Genuß gelesen.

Ich gehe jetzt mit einem anderen Blick durch die Straßen !!!

... und dafür möchte ich mich bei Ihnen auf´s Herzlichste bedanken.


Mit freundlichem Gruß, Dorothee Dalg, März 2008


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Geschichten aus Friedenau


Mit ihren historischen Lesungen hat sich die edition Friedenauer Brücke zu einer literarischen Erbenverwalterin des einstigen Berliner Vorortes gemacht. Heute liest die Schauspiel-Studentin Alessa Kordeck aus „Friedenau erzählt“ – Geschichten über Gründerväter, Hausfrauen, Rosa Luxemburg und einen Weihnachtsmann.


Berliner Morgenpost  20. Juni 2008, Lesung im Literaturhotel Berlin, Fregestraße 68


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Friedenau erzählt.

Geschichten aus einem Berliner Vorort.

1871 bis 1914


Die Friedenauer Brücke, so wie sie Ernst Ludwig Kirchner malte, ziert das Cover des Buches und bestimmt die Perspektive des aufwendigen Erinnerungsbandes. Hartnäckig die heutige Autobahnbrücke mißachtend, richtet sich der Blick auf die nach dem Deutsch-Französischen Krieg gegründete selbstständige Landgemeinde. Die mit braungetönten Postkarten und Erinnerungsfotos, Briefmarken, Firmensignets und Reklameschildern geschmückte Lokalgeschichte, etwa um die Bronzegießerei Noack, die Spaziergänge von Rosa Luxemburg oder Gershom Scholems Friedenauer Verwandtschaft, dürfte Liebhaber des auch als Künstlerkiez gerühmten Stadtteils begeistern. 


www.berlin-hidden-places.de


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Einst „nischt wie Jejend“  


Einst Landgemeinde, später Refugium für Künstler, Politiker, Schriftsteller und gut für jede Menge Geschichten der sogenannten kleinen Leute – „Friedenau erzählt – Geschichten aus einem Berliner Vorort von 1871 bis 1914“ heißt der interessante Chronikband (352 S., 39 EUR), den

Evelyn Weissberg und Hermann Ebling in ihrer „edition Friedenauer Brücke“ veröffentlichten.

Seit 32 Jahren leben die beiden in diesem Ortsteil. Sie recherchierten im Archiv des Schöneberg-Museums, stöberten auf Flohmärkten, befragten Nachbarn und sammelten über Jahre historische Fundstücke. Die Chronik ist in den Friedenauer Buchhandlungen und bei Hugendubel Steglitz erhältlich und kann per E-Mail oder Telefon auch direkt bestellt werden

(+4,50 EUR für Verpackung und Porto)

Der nächste Teil der Chronik über die 20er und 30er Jahre ist übrigens bereits in Arbeit.

Und gerade erschienen: Der Friedenauer Kalender mit 12 künstlerischen Ansichten, u.a.

von Ernst-Ludwig Kirchner und Gisela Serafin.


Senioren Journal 2008/09 aperçu Verlag © Oktober 2008


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Ein neues Schmuckstück aus der edition Friedenauer Brücke!

Der FRIEDENAUKALENDER für 2009


Für alle 12 Monate des kommenden Jahres ein Bild, aus dem alten Friedenau,

aus dem neuen Friedenau.

Nein, keine Fotos, nicht die - zugegeben interessanten - historischen Aufnahmen,

die uns unser Kiez aus seinen Anfängen zeigen, wo noch einzelne Häuser allein auf

weiter Flur standen - "nischt wie Jejend!"

Evelyn Weissberg hat Bilder gesammelt, Gemälde, Zeichnungen aus den letzten hundert Jahren, von 1900 bis 2008, einige stellt sie uns in dem neuesten Produkt ihres Verlags vor.

Wir lernen Künstler und Künstlerinnen kennen, die in Friedenau leben oder gelebt haben

und können unser Kiez durch ihre Augen neu sehen und erleben.

Auch hier der historische Blick vom Anfang des vorigen Jahrhunderts - der Dürerplatz,

die Friedenauer Brücke, die Kirche zu Friedenau (am Friedrich-Wilhelm-Platz),

Friedenau in den (goldenen?) Zwanzigern, den Fünfzigern, Achtzigern bis ins neue Jahrhundert hinein: Wie sah es aus, wie wurde es gesehen und abgebildet?

Expressionistisch, idyllisch, naiv, nostalgisch – ganz unterschiedliche Sicht- und

Herangehensweisen, die wir durch unsere Fantasie ergänzen können, wenn wir wollen.

Wie hat sich zum Beispiel die heute so lebendige Front an der "Alt-Friedenauer" Seite

des S-Bahnhofs Friedenau im letzten Vierteljahrhundert verändert!

Oder die Vision des Breslauer Platzes: so könnte er aussehen nach dem geplanten Umbau.

Jede/r wird sein Lieblingsbild finden, kann Friedenau mit neuem Blick sehen.

Auf einem letzten Blatt werden die Künstler und ihre Bilder, der Kontext, in dem sie entstanden sind, vorgestellt. Sie zeigen uns Friedenau in all seinen Facetten.

Ein Jahr lang kann der Kalender uns durch unseren Stadtteil begleiten,

kann Einheimische erfreuen, Ex-Friedenauer trösten und Möchte-gern-Friedenauer locken.

Für 20,- Euro im Buchhandel erhältlich.


Sigrid Wiegand, Stadtteilzeitung, Oktober 2008





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Dear Evelyn,

This was not only a delated birthday present, but the calendar is already the first one for the next year. I let my eyes wander through it.

Thank you so much!

I do not remember so much of Friedenau from my childhood.

But as from now I start to get very much interested in that stadt-teil,

and it turned out to be very interesting!!

By the way, you know how to present it very well!!


Thanks again, Much Love  Shulamith, 25. August 2008

(Tochter von Georg Hermann aus Israel)


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Liebe Frau Weissberg, Lieber Herr Ebling,

ein ganz großes Lob für die gestrige sehr gelungene Buchvorstellung.

Es war spritzig intelligent, flott abwechslungsreich, hatte das richtige Tempo und war dadurch sehr unterhaltsam und kurzweilig.

Nicht nur durch die beiden Spitzen-Vorleserinnen, auch durch die Klasse Sängerin fühlte ich mich jeden Augenblick angesprochen.

Das Urteil in unserer Runde war einhellig: Eine tolle Vorstellung,

ein gelungener und runder Abend.


Beste Wünsche zum Verkaufsstart und herzliche Grüße aus Steglitz,

Ihr Jörg Becker   1. Dezember 2008


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„Friedenau erzählt“ - 1914 bis 1933


Die Zeit ist auch in Friedenau nicht stehen geblieben, und wir können nachlesen, wie es in unserem Kiez weitergegangen ist. Die edition Friedenauer Brücke hat in den Archiven gestöbert und weitererzählen lassen, der erste Band „Friedenau erzählt - 1871 bis 1914“ hat den angekündigten Nachfolger erhalten: „Friedenau erzählt“ von 1914 bis 1933. Den Einband schmückt ein Bild vom Friedenauer Rathaus, 1916 fertiggestellt, 1917 offiziell eingeweiht.





Die Zeit von „nischt wie Jejend“ ist lange vorbei, die erste Generation ist erwachsen geworden, man feiert bereits „50 Jahre Friedenau“ und schaut zurück und fand alles besser früher. Der Himmel ist noch immer blau über Friedenau; aber der Ziegenbock tanzt nicht mehr „mit seiner Frau im Unterrock“, wie es in einer Verballhornung der „Friedenauhymne“ hieß. Aus der Villenkolonie war Stadt geworden (und auch die Schreiberin dieser Zeilen hatte inzwischen das Licht Friedenaus erblickt und spielt seitdem ihre kleine Rolle im Kiezgeschehen. - Das nur nebenbei.)


Der 1. Weltkrieg

Der erste Weltkrieg warf seine Schatten voraus, auch in Friedenau wurde mobil gemacht. Alles, was sich im großen Berlin, im ganzen Land abspielte, nahm ganz genau so im kleinen Friedenau seinen Lauf. Eine kleine Chronik von Friedenau aus dem Jahre 1914, dem Band vorangestellt, zeigt auf, wie seit der Mobilmachung im August die vaterländischen Gefühle sich Bahn brachen, Freiwillige sich meldeten, auch Abiturienten, von denen manche ein vorgezogenes Abitur machten, um noch so schnell wie möglich an die Front zu kommen. Geld für Kriegszwecke wurde gesammelt, Lazarette eingerichtet und in kurzer Zeit ein Netzwerk von Hilfsorganisationen aufgezogen. Als Kontrast werden diese Texte von eingestreuten Zitaten u.a. der Friedenauer Bürger und Pazifisten Georg Hermann und Kurt Tucholsky begleitet.


Wie es weiterging

Überhaupt nehmen der erste Weltkrieg, sein Elend und seine Folgen, Nachkriegszeit, Revolution, Kapp-Putsch und Generalstreik, das Aufkommen des Nationalsozialismus einen breiten Raum ein, wie es nicht anders sein kann, wenn man vom Leben in den Jahren 1914-1933 berichtet. Wie sollen wir die „alten Friedenauer“, ihr Leben sonst verstehen, wie nachvollziehen können, auf welchem Hintergrund, auf welchen Wegen sich die Katastrophe des Nationalsozialismus entwickeln konnte? Wir können verfolgen, wie sich auch bei uns nationalsozialistische und kommunistische Anhänger prügelten, wie die Meinungen in den Gemeindevertretungen hin- und herschwankten, wie sich im Schöneberg-Friedenauer-Lokal-Anzeiger das "braune" Gedankengut einschlich und breitmachte, bis schließlich auch vom Friedenauer Rathaus die Hakenkreuzfahne herabhing und bereits 1931 Dr. Goebbels im völlig überfüllten Rathaussaal frenetisch bejubelt wurde.


„Normales Leben“

Natürlich gibt es auch in schweren Zeiten das sogenannte normale Leben, und auch darüber wird aus diesen Jahren ausführlich berichtet. Lebensgeschichten werden erzählt, kleine und größere Begebenheiten, die weitere Entwicklung Friedenaus skizziert. Die Friedenauer hat ihr Humor nicht verlassen. Und wir erfahren, wie die „neue Zeit“ nach dem Krieg auch in Friedenau ankam: Dada etablierte sich 1917 in unserem Bezirk (Hannah Höch hatte ihr Atelier in der Büsingstraße, Kurt Schwitters, Raoul Hausmann, Hans Arp gehörten zu ihrem Kreis). Wir können nachlesen, wie Friedenau nach wie vor auch ein Künstlerbezirk war.


Alles schon dagewesen

Die Anhänger der Devise "früher war alles besser" müssen sich allerdings belehren lassen, dass es bereits vor nun bald 100 Jahren in Friedenau Mord und Totschlag gab, dass über Kinderlärm und un-verschämte und randalierende Jugend gewettert, über Kindesmißhandlungen geklagt wurde. Es gab Drogendealer, Schwarzfahrer, Verkehrsunfälle; eine Straßenbahnfahrerin wurde angepöbelt, ja, es ist sogar versucht worden, einen Schaffner mit einem Lasso vom offenen Bus herunterzuholen - zum Glück vergeblich…


Wann waren sie denn bloß, die goldenen Zeiten?

Wir wissen es natürlich: es gab sie nie, und so kann eine Geschichte unseres Kiezes auch nur eine Geschichte des - wahren? - Lebens sein: jeder lebt sein Leben, bemüht sich redlich, versucht das Richtige zu tun, gerät auf Abwege oder nicht, und allen spielt es mit. Manche haben mehr Glück als andere, und alle sterben wir am Ende. Das ist in Friedenau so wie anderswo, und auch darüber berichtet der neue Band "Friedenau erzählt" aus den Jahren 1914 bis 1933. Wieder ein schönes, lesenswertes Buch mit vielen Originalaufnahmen, einem Abriß über die Herkunft Friedenauer Straßennamen und natürlich Personenregister, Literatur-, Abbildungs- und Quellenverzeichnis.


Sigrid Wiegand


Friedenau erzählt.

Geschichten aus einem Berliner Vorort 1914 bis 1933.

Eine Dokumentation von Hermann Ebling,

unter Mitarbeit von Evelyn Weissberg.

Lektorat Dr. Anne Meckel, Jonas Weissberg

edition Friedenauer Brücke, Berlin 2008


Stadtteilzeitung Schöneberg, Dezember 2008


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Friedenauer Kinogeschichten


Die Kamera zieht auf: Frisch aus der Druckerei angekommen wird der neue Band

„Friedenau erzählt - Geschichten aus einem Berliner Vorort 1914 bis 1933“ im Souterrain des kleinen Verlages verstaut. – Umschnitt – Der Autor Hermann Ebling flaniert entlang der Rheinstraße und betrachtet die Auslagen der Nicolaischen Buchhandlung, wo einige Vorabexemplare seines Buches bereits das Schaufenster zieren. – Umschnitt –

(Auszug Interview) "In den Hohenzollern-Lichtspielen, oder in den Rheinschloß-Lichtspielen,

tritt heute Abend Claire Waldoff in dem Film sowieso, sowieso auf." war damals im Friedenauer

Lokal-Anzeiger zu lesen. Man konnte richtig annehmen, die Darsteller wären anwesend.

Solch eine Präsenz ging damals von der Leinwand aus." …


Als Tonmeister für Kinoproduktionen ist Hermann Ebling selbst ein Teil der Filmbranche.

Kino ist sein Beruf. Doch seine Leidenschaft heißt Friedenau. Als Buchautor hat er schon manche Anekdote ausgegraben. Kinogeschichte und Kinogeschichten aus dem alten Vorort.

Das legendärste aller Friedenauer Filmtheater war das Roxy in der Hauptstraße. Ein prächtiger Palast für bis zu 1000 Gäste - aber ebenfalls ein Opfer des großen Kinosterbens während

der 70er Jahre. Seitdem ist hier ein Fachgeschäft für Auslegeware. Neonlicht statt Scheinwerferglanz, aber auch eine Fundgrube für Friedenauer Filmveteranen, die zwischen Teppich und Tapeten ihre Kinokindheit wiederfinden. 

Ohne Hoffnung allerdings, daß diese jemals wiederkehrt.


Aus: Friedenauer Kinogeschichten, Beitrag von Joachim Rüetschi

Heimatjournal vom 14. 2. 2009, rbb © 2009 Rundfunk Berlin-Brandenburg 


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Dieses Weihnachten habe ich mich recht asozial verhalten.

Bin völlig abgetaucht in "Friedenau erzählt 1914-1933". Hab meine Familie zur Weißglut gebracht mit meinem ständigen "Hört mal, das muss ich euch vorlesen!" oder "Guckt mal, ist das nicht das Haus gegenüber?" Dabei muss man kein Friedenauer sein, um seine Freude an diesem Buch zu haben.

Durch die exzellente Bild- und Textauswahl wird am Beispiel Friedenaus nicht zuletzt deutsche Geschichte lebendig und das durchaus unterhaltsam, ohne jemals oberflächlich zu sein.

Sabine Ludwig, Kinderbuchautorin und Friedenauerin, 21. Januar 2009


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Ganz nah dran  – Kiezbücher liegen im Trend.


Drei neue Bände erzählen Geschichten aus Lichterfelde-West, Friedenau und Schöneberg.

Von Christoph Stollowsky


Die Buchvorstellung geriet zum Kieztreff. Harald Hensel hatte die 30 Autoren seines neuen Buches über Lichterfelde-West nach 1945 in den Saal der Johannesgemeinde eingeladen. Sie erzählen in dem Band von ihrer Kindheit und Jugend in der um 1900 gegründeten Steglitzer Villenkolonie – wie sie gewohnt, gelitten, gehofft, gespielt, gelernt, gearbeitet und sich amüsiert haben. Alle leben bis heute dort, jeder hat eines der 30 Kapitel geschrieben. Aber nun erst lernten sich die meisten kennen, tauschten Erinnerungen und Adressen aus und verglichen ihre Kinder- und Jugendbilder, die im Buch abgebildet sind, mit den heutigen Gesichtern. Dem Herausgeber und Verleger wurde klar: Dies ist mehr als ein unterhaltsamer Kiez-Rückblick.


„Das Buch trifft den Nerv vieler Zeitzeugen“, sagt Hensel. Viele ältere Menschen wollten ihre Erfahrungen und Erlebnisse weiterreichen, „nun gibt es dafür eine Plattform“. Nachdem Hensels Band Anfang des Jahres erschien, bildete sich ein Zeitzeugen-Gesprächskreis. Und im Briefkasten des 59-jährigen Geografen, der 1950 nach Lichterfelde-West zog, stecken seither so viele Manuskriptangebote und Fotos aus Privatalben wie noch nie. Leser erinnern sich an eigene Geschichten und schreiben diese auf. Sie hoffen auf Nachfolgebände.


Eine solche Erinnerungsreihe könnte durchaus in die Regale kommen, sollte sich das Buch weiterhin so gut verkaufen. Die ersten 600 Stück waren schnell weg, inzwischen wurde die Zweitauflage gedruckt. Das bestätigt den derzeitigen Trend in der lokalen Buchbranche. Kiezbücher, die von Anwohnern aus Liebe zu ihrem Stadtteil herausgebracht werden, sind gefragt. Diese Erfahrung machten auch Evelyn Weissberg und Hermann Ebling in Friedenau. Im Januar haben sie das zweite Buch in ihrer Reihe „Friedenau erzählt“ herausgebracht. Im ersten Band dokumentierten sie „Geschichten von 1871 bis 1914“, die zweite Ausgabe lädt nun zur Zeitreise von 1914 bis 1933 ein. Allerdings haben sie ein anderes Konzept als Hensel. Ihre Bücher ähneln einem Kaleidoskop.






Im neu erschienenen Band fügen sich mehr als 100 Texte aus dem „Friedenauer Lokalanzeiger“, aus privaten Aufzeichnungen oder literarischen Schriften zu einem Gesamtbild der Epoche zwischen Weltkrieg und Hitlers Machtübernahme zusammen – spannend nicht nur für Friedenauer. Wenn die zehnjährige Irmi an ihren „Lieben Vati“ im Krieg schreibt, wird Weltgeschichte im Lokalen greifbar. 1919 marschiert die Einwohnerwehr gegen die „wühlenden Spartakisten“ auf, 1932 wird der Friedenauer Künstler Friedrich Wendel wegen Gotteslästerung verurteilt. Er hatte im „Wahren Jacob“ eine mit Guillotine und Hakenkreuz gezierte Monstranz veröffentlicht, um die Widersprüchlichkeit zwischen dem Glaubensbekenntnis vieler Nazis und ihren Taten zu geißeln. Auch der Alltag kehrt im Buch zurück. Der Steglitzer „Markt der Wunder“, Claire Waldoffs Auftritt in den Hohenzollern-Lichtspielen, die 1925 beklagte „Selbstmord-Epidemie“ oder die Kür von Dorit Nitykowski aus Friedenau zu Deutschlands Schönheitskönigin 1930. Vieles könnte auch heute in der Zeitung stehen. Film-Dreharbeiten auf der Straße, Klagen über Kinderlärm und Kurt Tucholskys Satire „Kaiserallee 150“ über ein anständiges Mietshaus. „Nein, Musik wird nicht gemacht.“ Der Schriftsteller wohnte von 1920 bis 1923 in der Kaiserallee 79, der heutigen Bundesallee.


Seit 30 Jahren leben Evelyn Weissberg und Hermann Ebling in Friedenau, ebenso lange sammeln sie Postkarten und vieles andere aus ihrem Stadtteil. Er ist Tonmeister, sie Grafikerin. Gemeinsam gründeten sie den Eigenverlag „edition Friedenauer Brücke“. Recherche, Gestaltung, Vertrieb – alles stemmen sie selbst. „Das ist ein aufwendiges Hobby, macht aber Spaß“, sagt Ebling. Zumal ihnen Archive und Sammler von Fotografien und Postkarten inzwischen ihre besten Stücke anbieten. Deshalb ist auch der neue Band reich illustriert.



Ein ähnliches Netzwerk zur Bewahrung historischer Kiezschätze knüpft auch Harald Hensel mit seinem Zeitzeugenbuch in Lichterfelde-West. Auf dessen Cover ist ein Junge an einem Trinkbrunnen auf dem örtlichen S-Bahnsteig abgebildet, fotografiert 1955, archiviert im Heimatmuseum. Kaum war das Buch erschienen, meldete sich bei Hensel ein 60-Jähriger. „Ist ja toll, dass ich da drauf bin“, sagte er. „Wir kamen damals gerade vom Strandbad Wannsee zurück.“


Doch wenngleich sich der Blick in solchen Kiezbüchern oft in die Vergangenheit richtet – zwingend ist das nicht, wie die Bände des Fotografen Stefan Maria Rother zeigen. Er zeigt die Gegenwart, die heutigen Bewohner in ihrem Alltag, erst in dem Band „Alte und Neue Schönhauser Straße“, dann in „Bergmannstraße“ und nun in „Winterfeldtplatz“, wobei der längst legendäre Schöneberger Markt im Mittelpunkt steht. Die jüngsten Fotomodelle heißen Aaron und Lili, der Fotograf traf sie schlafend im Kinderwagen. Vielleicht bekommen auch sie den Band in einigen Jahrzehnten in die Hand und freuen sich: „Ist ja toll, dass wir da drauf sind.“


„Lichterfelde-West nach 1945 – Menschen, Erlebnisse, Erinnerungen“, herausgegeben von Harald Hensel. 186 Seiten, 18 Euro. Erhältlich in der Buchhandlung Bodenbender am S-Bahnhof Lichterfelde-West und in der Lichterfelder Buchhandlung, Oberhofer Weg 15.


„Friedenau erzählt – Geschichten aus einem Berliner Vorort 1914 bis 1933“, edition Friedenauer Brücke, Berlin. 350 Seiten, 39 Euro (ISBN: 978-3-9811242 -2-4).


Stefan Maria Rother: „Winterfeldtplatz“, Berlin-Story-Verlag, Berlin. 80 Seiten, 16,80 Euro (ISBN: 978-3-86855-008-5).


Tagesspiegel vom 05.03.2009


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Liebe Frau Weissberg,


wie alljährlich beschert das Weihnachtsfest, neben allen Freuden, auch eine Lawine von Kosten.

Dann kam die Kälte mit Gatteis und so wurde es Mitte Januar, bis ich in den Besitz Ihres neuen Buches kam … Endlich konnte ich in Ruhe lesen.

Natürlich wurde diese Fortsetzung mit der gleichen Akribie erstellt, wie ich sie schon in der ersten Ausgabe bewunderte und dennoch ist es ein ganz anderes Buch. Bedingt durch die geschichtlichen Ereignisse dieser Jahre mußte ich Pausen einlegen und war doch sehr bedrückt von dem, was ich da gelesen hatte. Erzählungen der älteren Generationen hafteten nicht so, wie man heute von ihnen betroffen ist, nachdem sich vieles wiederholte und hautnah erlebt wurde. –

Die Wiedergaben der Zeitungsartikel jener Zeit scheinen mir sehr real den Alltag zu vermitteln. –

Um wieviel schrecklicher wird die weitere Fortsetzung ausfallen, die andererseits der Wahrheitsfindung so dienlich ist! 

Ihrer Arbeit ein großes Dankeschön!

Was tut der Mensch dem Menschen an?  Ethik oder Religion, z. Zt. heiß diskutiert, scheinen sich in bestimmten Situationen in Staub aufzulösen, doch die Hoffnung stirbt zuletzt!


Alles Gute und viele herzliche Grüße, Ihre Ann Kienert,  3.Februar 2009


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Friedenau erzählt. Geschichten aus einem Berliner Vorort. 1914 bis 1933

Eine Dokumentation von Hermann Ebling,

edition Friedenauer Brücke, 344 Seiten, fester Einband, 39 Euro


Heimatkunde vom Besten. Evelyn Weissberg und Hermann Ebling hatten vorher schon ebenso schön, gründlich und liebevoll die Geschichte Friedenaus 1871 bis 1914 herausgebracht.

Vieles stammt aus dem Lokal-Anzeiger sowie aus dem Tageblatt.

„Die Ortsgruppe Friedenau des Stahlhelm veranstaltete am Sonnabend in den Räumen des Bahnschlößchens einen Familienabend.“ 1926. Arbeitslose, ehemalige Soldaten sollten unterstützt werden.

Was macht Tucholsky in Friedenau?

Die Comedian Harmonists?

Wie kommt Opium in Kakaotüten?

Im Tagesspiegel widmete Chr. Stollowsky dem Buch eine halbe Seite!


newsletter Berlin Story + Rundschreiben 34, März 2009


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Bei einer Freundin entdeckte ich den Band

„Friedenau erzählt - 1914 bis 1933“.

Eine Gelegenheit mehr über das Kaleidoskop Berlin zu erfahren, dachte ich mir und fing an darin zu blättern; gefesselt, bis in die tiefe Nacht, habe ich somit die täglichen und historischen Ereignisse dieses Stadtteils verfolgt: hochinteressant durch den Text, durch die unzähligen Dokumente, die Ikonographie vergangener Zeiten, erschütternd und prophetisch sind die Einschübe von Tucholsky.

Die rigorose, klare, im Rhythmus sehr ansprechende graphische Darstellung ist eine zusätzliche Freude.

Dem Buch „Friedenau erzählt“ wünsch ich eine breit gefächerte, zahlreiche Leserschaft, den Autoren, denen all meine Bewunderung für die großartige Archivarbeit gilt, wünsch ich viel Erfolg für alle zukünftigen Vorhaben.


Christine di Gropello, Florenz, 30/04/2009


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Im Nachbarkiez

Hervorragend erzählte Kiezgeschichte in Geschichten, Zeitdokumenten, Zitaten, Erinnerungen.

Das präsentieren diese beiden vorzüglichen Bände der edition Friedenauer Brücke.

Dabei wird der Bogen von 1871 bis 1933 gespannt (Fortsetzung folgt demnächst).

Die Dokumentation von Hermann Ebling über einen Berliner Vorort zeigt die Wandlungen dieses Schöneberger Ortsteils auf sehr individuelle Weise. Dadurch entsteht Authentizität und Spannung

von Kiez-Geschichte, die hier beispielhaft und weithin unerreicht das plastische Bild eines vitalen Stücks Berlin aufzeigt.

Wirklich ein Lese- und Seh- Genuss!


Friedenau erzählt. Geschichten aus einem Berliner Vorort

Band 1 1871 bis 1914, Band 2 1914 bis 1933, edition Friedenauer Brücke Berlin 2007/08, jeweils 39€

KIEZ.Magazin 2010   für Lichterfelde, Lankwitz und Steglitz


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Liebe Frau Weissberg,


.... wir haben abwechselnd in dem Buch „Friedenau erzählt - 1914 bis 1933“ gelesen und konnten gar nicht aufhören!

Spannender als ein Krimi!


Freundliche Grüße,           

Gudrun und Manfred Kreft


22.11.2009


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