STADTMENSCHEN 
Bunte Farben im grauen Herbst
Die Sonne hellt den blassblauen Himmel auf, bringt den gelben Putz der Häuser zum Leuchten, zaubert ein bisschen mediterranes Flair ins kalte Berlin. Fußgänger hasten an den Auslagen der Rheinstraße vorbei, andere schlendern, die Hände in den Taschen. Ein Wintermorgen in Friedenau: Der Berliner Künstler André Krigar hat dieses Bild in Öl gemalt für seine Ausstellung „StadtGesichte“. Und für sein neuestes gleichnamiges Buch mit 60 Reproduktionen von Gemälden, die allesamt Berliner Ansichten zeigen, vor allem aus Steglitz, Mitte und vom Kurfürstendamm.
Krigar ist ein geborener Berliner, der 60-Jährige liebt seine Stadt, lässt dieser Leidenschaft künstlerisch freien Lauf.
Seit vielen Jahren zieht er mit seiner Staffelei durch Berlin, packt Farben und Pinsel an vertrauten oder abseits gelegenen Orten aus. Dann legt er unter freiem Himmel los, hält Augenblicke fest in der Physiognomie der Stadt. Auch nachts, am frühen Morgen, im stillen Berlin der Parks, im lauten und grellen Getriebe. An einem Abend hat er das Publikum beobachtet, wie es ins erleuchtete Foyer der Schaubühne am Ku’damm strömt. An Sonnabenden malte er mitten drin im Flohmarkt-Trubel am Rathaus Schöneberg oder vor den Frühstückscafés am Wasserturm in Prenzlauer Berg, in der Charlottenburger Grolmannstraße.
Krigars Bilder erinnern an die Gemälde der früheren Berliner Impressionisten Max Liebermann, Franz Skarbina oder Lesser Ury. Krigar ist alles andere als ein Schönwettermaler. Am grauen Novemberabend in der Steglitzer Schloßstraße verschwimmen die Farben expressionistisch, die Autos ziehen rote Spuren über den Asphalt. 
Ausstellung „StadtGesichte“, bis 10. November in der Steglitzer Galerie Classico, Schützenstraße 52. Tel.: 797 99384, www.galerie-classico.de. 
Das Buch „StadtGesichte“ kostet 20 Euro (edition Friedenauer Brücke).
Christoph Stollowski, Tagesspiegel, 8-11-2012
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Stadtgesichte
Sie haben den Maler bestimmt schon einmal gesehen, in der Schloßstraße, am Breslauer Platz oder in der Rheinstraße. Er malt viel und leidenschaftlich, aber er ist kein Heimatmaler. Er wohnt in Steglitz, und es hat sicher auch praktische Gründe, in der Nachbarschaft zu arbeiten, die Staffelei aufzubauen, Farbe aus Tuben auf die Palette zu drücken, diese mit dem Pinsel zu mischen und auf die Leinwand zu bringen. Andre Krigar arbeitet weltweit, in Kanada, Kenia oder den Niederlanden. Der Amsterdamer Kunsthistoriker Harry J. Kraaij beschreibt ein Erlebnis mit Krigar so: „Auf dem Weg zu meinem Hotel sah ich ... um 23 Uhr Krigar im Dunkeln malen .. . Unter der Laterne stand er und arbeitete an seinem dritten Bild an diesem Tag“. Dem Journalist Lothar Heinke verrät Krigar: „Ich male, weil ich mich sonst nicht wohlfühle. Weil ich muss. Diese Krankeit ist sehr hartnäckig und chronisch, ich muss damit rechnen, dass ich sie nicht mehr ablegen kann und wohl ins Grab mitnehmen werde“. 
Für die bis zum 10. November laufende Ausstellung Stadtgesichte in der Galerie Classico hat er fast alle Bilder in diesem Jahr erarbeitet. Die Bilder der Ausstellung zeigen die verschiedenen Gesichter unserer Stadt: ein Blick in die Rosenthaler Straße mit dem typischen Berliner Schmuddelwetter, eine Baustellensituation am Prenzelberger Wasserturm, Winterlicht auf der Friedenauer Rheinstraße, Spaziergänger unter der Unterführung am Savignypiatz – der Facettenreichtum Berlins wird auf diesen Bildern greifbar.

Die Friedenauer Verlegerin Evelyn Weissberg (edition Friedenauer Brücke) hat einen sehenswerten Katalog mit den farbgewaltigen Bildern dieser Ausstellung herausgegeben.
Stadtteilzeitung, 25-9-2012
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Farbgewaltig, bewegt, atmosphärisch – Berlin-Bilder von André Krigar.
Ein Blick in die Rosenthaler Straße mit dem typischen Berliner Schmuddelwetter, eine Baustellensituation am Prenzelberger Wasserturm, Winterlicht auf der Friedenauer Rheinstraße, Spaziergänger unter der Unterführung am Savignypiatz- der Facettenreichtum unserer Stadt wird auf diesen Bildern greifbar. Doch legt Krigar auch ein besonderes Augenmerk auf die Menschen, deren Treiben und Streben er mit wenigen Pinselstrichen wiedergibt, und auf - die Autos: Sie setzen mit ihren Lichtreflexen auf seinen Bildern besondere Akzente. So entstehen Bilder, die der Komplexität von Bauten und Straßen, Bewegung und Leben vollends gerecht werden. Schon seit seinem Studium an der HdK Berlin setzt sich Krigar (Jg. 1952) mit dem Stadtbild auseinander. Durch den Mauerfall und die daraus erwachsenen ungeahnten Aspekte wird es schließlich zu seinem ureigenen Thema.

André Krigar stellt das neue Katalogbuch "StadtGesichte" vor. Erschienen in der edition Friedenauer Brücke, Format 22 x 22 cm, 96 Seiten, gebunden mit über 60 Abbildungen
ISBN: 978-3-9811242-8-6, 20,00 €

„Wenn du Gelegenheit hast: Untersuch doch 'mal Krigars Technik.
Wie er seine Farben vermengt.
Besser: wie er seine Pinsel ungespült wieder auf die Leinwand bringt.
Den Strich jeder Farbe könntest du im nächsten entdecken.
Damit legt er jeden Moment unbedingt fest, oder nicht?”
Gern wird Ihnen das 96seitige Katalogbuch (Hardcover, gebunden) mit 60 Farbabbildungen und vier Textbeiträgen auf Wunsch zugesandt.
www.berlin-suedwest.de
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DEUTSCHLANDRADIO KULTUR Beitrag vom 28.09.2012
Immer freitags sprechen wir mit Buchhändlern aus ganz Deutschland. Von ihnen wollen wir wissen, wie sie Neuerscheinungen und aktuelle Entwicklungen auf dem Buchmarkt einschätzen. Heute mit Elvira Hanemann von der Buchhandlung Thaer in Berlin.
Elvira Hanemann empfiehlt: 
Ein besonders schönes Buch: 
"StadtGesichte" Berlin Bilder von André Krigar, Friedenauer Brücke, 96 Seiten, 20 Euro.
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rbb inforadio, Quergelesen, So 18.12.11 10:24 Uhr
Die Welt im Blick aus Friedenau

Für alle, die nicht den ganzen Tag Inforadio hören, :)

ein schöner Beitrag von Ute Büsing über uns und den Verlag......





Quergelesen 18.12.2011 10:24 | Inforadio - Nachrichten für Berlin und Brandenburg



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Erinnern mit kleinen Texten

Friedenauer Verlag veröffentlicht Buch über die Nazizeit im Kiez


Friedenau. Wer im Stadtteil Friedenau lebt, weiß meist einiges über die geistigen und kulturellen Größen, die hier lebten und leben. Dass die Geschichte des Stadtteils auch ihre Schattenseiten hat, wird oft vergessen. Die „edition Friedenauer Brücke“ will die Lücke mit einem Buch über die Zeit des Nationalsozialismus schließen.

Evelyn Weissberg und Hermann Ebling leben gern in ihrem Stadtteil. Von ihrer Altbauwohnung in der Rembrandtstraße aus haben sie einen Blick beinahe über ganz Friedenau. Seit Jahren sammeln die beiden historische Fotografien von Berlin und insbesondere von Friedenau. 
„Aus einer Leidenschaft heraus“, wie sie sagen. „Mit der Sammlung wächst auch das Interesse.“ 
Das Ehepaar, das 2005 den Verlag „edition Friedenauer Brücke“ gründete, hat jetzt sein neues Buch „Berlin Friedenau. 1933-1945“ aufgelegt. Das Lesebuch, in dem 40 Autoren und Zeitzeugen  über ihren Kiez während der Nazizeit berichten, soll aufzeigen, dass, so Ebling, „Friedenau durchaus auch eine Nazihochburg war.“ Viele der gutbürgerlichen Bewohner, die hier vor allem seit Beginn des 20. Jahrhunderts für einen wahren Bauboom sorgten, hätten in den 1920er und 30er-Jahren „auf die starke Hand gewartet.“ Ebling: 
„Der Blockwart genoss hier weit größeres Ansehen als beispielsweise auf der Roten Insel.“
Diesen Zeitgeist haben die Herausgeber in ihrem Lesebuch ohne erhobenen Zeigefinger dargestellt. „Ich habe den Geschichtsunterricht früher gehasst“, sagt Evelyn Weissberg. 
Zahlen und Daten auswendig zu lernen, das sei ihr zuwider gewesen. 
„Mit unseren Büchern wollen wir die fesselnden Geschichten in der Geschichte aufzeigen.“ 
In drei Zeitabschnitte unterteilt kommen im neuen Buch 40 Autoren zu Wort. Darunter sind auch ehemalige Bewohner, deren Texte schon zur Zeit der Naziherrschaft entstanden sind. Abgedruckt sind auch Texte von älteren Menschen, die erst in der letzten Zeit ihre Erinnerungen zu Papier gebracht haben. „Teilweise habe ich aber auch auf der Straße die Leute einfach angesprochen“, sagt Weissberg. Und sie gebeten, ihre Eindrücke und Erlebnisse aufzuschreiben. 
„Wir haben die Erzählungen im Hauptteil bewusst ohne zusätzliche Bemerkungen zusammengestellt“, sagt Hermann Ebling. Dabei kämen Widerständler, Nazis und deren Opfer gleichermaßen zu Wort. „Natürlich handelt es sich jeweils um subjektive, sich teilweise sogar widersprechende Eindrücke“. Aber eben dadurch würde auch die Komplexität der Zeit deutlich.
Im Anhang liefern die Herausgeber Informationen zu Autoren und Texten. 
Bisher komme das Konzept gut an. Weissberg: „Offensichtlich haben viele auf so etwas gewartet. Unsere Lesungen waren bisher rappelvoll.“

Die nächste Lesung gibt es am 9. Dezember um 19 Uhr im Nachbarschaftshaus Schöneberg, Holsteinische Straße 30. Der Eintritt kostet 5 Euro. 
Weitere Informationen unter www.friedenauer-brücke.de und unter 85 60 37 28. 
flip

 
Foto: Ralf Liptau 

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Eine Rezension von Konrad Gutschke     4. Dezember 2011

Mit Friedenau 1933–1945 Ein Lesebuch hat die Edition Friedenauer Brücke wieder einmal ein echtes Buch vorgelegt, das weder die Konkurrenz anderer fürchten muss noch gar die eines E-Books. In jeder Hinsicht ist Friedenau 1933–1945 vorbildlich. Dieses Urteil, das eigentlich erst am Ende einer Rezension stehen sollte, drängt sich bereits dann auf, wenn man das Buch zur Hand nimmt. Es hat genau die richtige Größe, um es in die Tasche zu stecken. Es fasst sich auch gut an. Vor allem aber fällt es durch seine Unauffälligkeit auf. Es fehlt das Grelle, Plakative, der Blitz der Sensation. Kein ätzender Werbespruch verbirgt die Sache hinter dem Buchdeckel. Die Grafik scheint puristisch und altertümlich zu sein, aber sie scheint es nur. In Wahrheit ist sie raffiniert und gekonnt schlicht. Das Altertümliche ist nämlich das Vergangene, die Sache selbst, um die es in dem Buch geht, oder der Inhalt des Buches stimmt mit seiner Form völlig überein. In einer Vorausschau lässt sich das Gleiche für den Titel sagen: er und die Sache sind eins.
Blättert man in dem Buch, vertieft sich der erste Eindruck und das Urteil festigt sich. Das Außen entspricht dem Inneren, und das Innere für sich genommen dem Inhalt. Schon das farbige Vorsatzpapier mit seinen wie in Stein gemeißelten Wasserzeichen verweist auf die Menschen und Orte, denen der Leser in dem Lesebuch begegnen wird. Auch die weitere Gliederung des umfangreichen Werkes folgt diesem Gedanken, jede Aufsplitterung in Einzelheiten, alle Teile einem harmonisierenden allgemeinen Gesichtspunkt zu unterstellen. Inhalt, Leseteil und Anmerkungen fallen formal und unübersehbar auseinander und sind doch nur als in Beziehung aufeinander existent. 
Allein die Anmerkungen sind ein Buch für sich, unterschieden von den anderen Teilen durch Schrift, Farbe und Layout. Sie sind das alleinige Werk der Herausgeber und Kommentatoren Evelyn Weissberg und Hermann Ebling. Dieser Teil ist nicht nur eine Fundgrube für Friedenauer, die sich selbst begegnen wollen, sondern auch unbedingt lesenswert für Stadtchronisten, für Historiker und solche, die sich nicht mit den historisch bedeutsamen Fakten über das Dritte Reich begnügen wollen, sondern die Menschen hinter den Fakten, denen sie im ersten Teil des Buches begegnet sind, näher kommen wollen. Dieser zweite Teil ist das Ergebnis einer akribisch genauen und gründlichen Recherche, eine vorzügliche und reiche Quellensammlung, die hier überrascht, aber sicherlich dankbar zur Kenntnis genommen wird, zumal eine derartig sorgfältige Ausarbeitung in dieser Form selbst in der wissenschaftlichen Literatur fast immer fehlt. 
Der mittlere und Hauptteil des Buches ist das eigentliche Lesebuch. Hier öffnet sich ein Mikrokosmos und gestattet facettenreichen Einblick in die traurigste Ära deutscher Geschichte. Mehr als 40 Friedenauer Stimmen melden sich direkt oder durch andere vermittelt  zu Wort. Berühmte und bekannte Namen sind dabei wie: Friedrich Luft, Carl von Ossietzky oder Hildegard Knef.
Prominenz allein mag wohl ein Kauf- bzw. Verkaufsargument sein, vielleicht verleitet es auch zum Lesen, aber für die Sache ist sie unbedeutend. 
Wem Friedrich Luft immer noch in den Ohren klingt und wer nach Worten wie „sintemal“ und „platterdings“ sucht, wird vielleicht die Lektüre des Lesebuchs mit seinem Brief an die Wolff´sche Buchhandlung beginnen. Aber das kann nur der Anfang sein. Friedenau 1933–1945 ist weit mehr als die Geschichte einiger weit über Friedenau hinaus berühmter Menschen. Der Stadtteil erschließt sich vielmehr erst aus der Fülle der Erfahrungen aller Friedenauer. Es zählt wohl die Authentizität und die individuelle Erfahrung, aber nur insoweit sie zu einer in sich verbundenen allgemeinen Erfahrung erkannt wird.
Was bisher nur wenigen gegönnt war, ist den Herausgebern des Lesebuchs 
Friedenau 1933–1945 überzeugend gelungen. Sie öffnen vor unseren Augen einen Stadtteil, in dem die Menschen auseinander fallen in alle nur denkbaren Unterschiede. Oben und unten, bedeutend und unbedeutend. Offenheit und Freundlichkeit, Hass und Feindschaft, Rachsucht, Hinterhalt, Eitelkeit, Angst, Furcht und Schrecken, aber auch Barmherzigkeit, Brüderlichkeit und Unbeugsamkeit sind hier zu Hause in dem einen Stadtteil.
Diese Unterschiedenheit findet sich auch bei den Autoren des Lesebuchs. 
Hier schildert der Ungebildete, der seine Worte nur schwer zu setzen vermag, sein Schicksal. Es steht neben dem des Reflektierten, der wortgewaltig und geschliffen daherredet. Oder neben dem des Literaten, dessen schöne Sprache sofort gefangen nimmt. 
Der eine hat Schreckliches erlebt, ein anderer Schönes und das Schicksal eines Dritten hat sich an einer Bagatelle entschieden. – Einer sonnt sich im Triumph nationalsozialistischer Macht und propagiert diese schamlos, während in einer anderen Episode ein Friedenauer Jude seinen deutsch-deutschen Nachbarn in einem Brief geradezu anfleht, seinen Sohn mit dessen Kindern spielen zu lassen. – Ein Schüler erfreut sich seines Pennälerdaseins. – Einem jungen Soldaten ist es eine Ehre, für das Vaterland seinen Kopf hinzuhalten.  – Friedenauer Juden verschwinden auf Nimmerwiedersehen. – Jüdischer Bürger überleben nur im Verborgenen. – Und wieder ein anderer trauert um sein in Schutt liegendes Friedenau und seine darin verschwundenen Toten.
Was das Erleben des einzelnen aber auch immer ausgemacht hat, im Buch erhält alles das gleiche Gewicht. Die Erfahrungen des Einzelnen sind frisch, authentisch, wahrhaft und immer gediegen. Friedenau 1933–1945 erscheint als ein Stadtteil aufs äußerste verfeindeter Brüder. Die Todfeindschaft ist offensichtlich, aber das Aussprechen dieser Feindschaft in aller Ehrlichkeit wie in dem Buch ist hoffentlich ein erster Schritt, sie zu überwinden. Das Buch vermittelt die Wahrheit, dass alle Friedenauer, einer wie der andere, trotz aller Verirrung in den äußersten Wahnsinn eine „Familie“, ein „Dorf“, eine Einheit sind. 
Friedenau fasst eine Fülle von Einzelerfahrungen in sich. Der Leser blickt in ein Kaleidoskop. Die vielen bunten Einzelteile, die chaotisch nebeneinander stehen, beginnen sich beim Lesen zu einem zusammenhängenden Bild zu ordnen, sodass man mit Heraklit sagen könnte, in dem aufs Geratewohl Aufgeschütteten findet sich die schönste Ordnung. 
Was hier gelungen ist, übertrifft wegen seiner Vielschichtigkeit und Authentizität das meiste, was als Darstellung der Nazizeit daherkommt und was durch Urteile über diese Zeit allein die Wahrheit über sie zu vermitteln vorgibt. Die Herausgeber, deren schöpferische Hand über dem ganzen schwebte und die bei der Auswahl der Beiträge vorsichtig, aber sinnvoll leitend eingriffen, haben mit Friedenau 1933–1945 ein bisher einzigartiges Bild eines Berliner Stadtteils zur Kenntnis und Erkenntnis vorgelegt, das weit mehr Menschen als die Friedenauer und Berliner interessieren sollte und dürfte. Es ist Erinnerung an Vergangenes und Spiegel für jeden, der sich selbst in anderen und im Gewesenen zu erkennen vermag. 
Schickt man sich nun an, ein Urteil darüber abzugeben, was man gelesen hat, welche neue Erkenntnis sich ergeben hat, fällt es einem wie Schuppen von den Augen und wohl oder übel wird man zustimmen müssen, dass das Ergebnis bereits am Anfang im Titel vorweggenommen ist. Wer dieses Buch gelesen hat, hat Friedenau in den Jahren 1933–1945 in seinen geistigen Besitz genommen. 

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14.11.2011
BERLIN Bücher                              
Friedenau erzählt: 1871 bis 1945

Jetzt ist eines der spannendsten Berliner Buchprojekte komplett. 
Drei Lesebücher über die Geschichte von Friedenau zwischen der Gründerzeit ab 1871 und dem Ende des Zweiten Weltkrieges hat die Edition „Friedenauer Brücke“ unter dem Motto „Friedenau erzählt“ nach und nach herausgebracht. 
Die Bände Nummer 1 und 2, die bereits in den vergangenen Jahren erschienen, umfassen die Zeitabschnitte von 1871 bis 1914 sowie von 1914 bis 1933. 
Der in diesen Tagen veröffentlichte dritte Band dokumentiert nun die Naziherrschaft von 1933 bis 1945.
Das Trio enthält keine Geschichtsabhandlungen, sondern vielfältige Texte, 
die man wie ein historisches Kaleidoskop auf sich wirken lassen kann.

So findet man auch im letzten Buch der Reihe über die Hitler-Jahre mehr als 80 Texte aus Lokalblättern, persönlichen Erinnerungen und literarischen Schriften. Sie fügen sich zu einem Gesamtbild zusammen – eindrucksvoll nicht nur für Friedenauer.

Hildegard Knef erzählt von den Kaufmanns, einem jüdischen Paar in der Nähe ihres Wohnhauses an der Varziner Straße. Er wurde von der Gestapo abgeholt, sie flüchtete aufs Dach und stürzte herunter. Zuvor hatten die Kaufmanns bei Festen die Hakenkreuzfahne aus dem Fenster gehängt, weil sie dachten, „das würde was nützen.“ Dokumentiert ist auch der Brief des jüdischen Malers Ludwig Meidner aus der Rheinstraße an „arische“ Nachbarn. Er bittet darum, dass die Kinder beider Familien zusammen spielen dürfen. Es sind Geschichten, die nahegehen – von der Normalität des Schreckens, vom Untertauchen in Berlin, der „Stunde Null“ und den Nachkriegswirren.

Die Herausgeber der Reihe, Evelyn Weissberg und Hermann Ebling, sind ganz und gar auf Friedenau verlegt: Sie sind dort seit 30 Jahren zu Hause. Fast ebenso lang sammeln sie Postkarten, Schriftstücke und Lebensgeschichten aus ihrem Stadtteil.
Christoph Stollowsky

Berlin-Friedenau 1933–1945. Ein Lesebuch 
edition Friedenauer Brücke, 
384 Seiten mit ausführlichen Anmerkungen 
29 Euro. 

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2.11.2011 

Liebe Frau Weissberg,

Eben habe ich Ihr Buch „BERLIN Friedenau 1933–1945 Ein Lesebuch“ 
mit der Post bekommen, also ich bin ja vollkommen platt. 
Ich danke Ihnen vielmals, und ich muß Ihnen sagen, durch Sie 
bin ich erst richtig wieder ein Friedenauer geworden.
Denn ich bin ja mittlerweile ein „Westendler“, aber jetzt 
bin ich wieder zu Hause. 
Denn gerade Friedenau, das war meine große Sehnsucht über die 
ganzen Jahren des Exils, es ist unglaublich.

Vielen vielen Dank dafür!

Ihr Hellmut Stern

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18.Oktober 2011

Sehr geehrte Frau Weissberg,

ich wollte mich seit Ewigkeiten bei Ihnen melden und tue dies nun, 
weil ich noch immer überwältigt bin von Ihrem neuesten Buch 
BERLIN Friedenau 1933–1945 Ein Lesebuch. 
Leider war ich zur Präsentation im Zauberberg dienstlich in den USA, 
hatte mir aber den Erscheinungstag vermerkt und spazierte sofort nach 
meiner Rückkehr in den Buchladen, um 2 Exemplare zu erwerben 
(eines geht immer an die „ausgewanderte Friedenauer Verwandtschaft“ nach 
Niedersachsen!)
Ich konnte es nicht aus der Hand legen und hatte es an einem Wochenende durch!
Großes Lob an Sie und Ihren Mann! (…)

Dr. Andrea Mehrländer
Geschäftsführende Direktorin
der Checkpoint Charlie Stiftung

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Keine halbe Portion
Und da denkt man, man hätte schon alles gelesen, was es zu dem Thema gibt …
Im Westen nichts Neues? Von wegen. Wenn ich heute aus dem Fenster sehe, 
dann – aber fangen wir mal von vorne an.

Als Kind schon liebte ich neue Bücher. Ihr Duft verhieß unbekannte Welten und Stunden der Versenkung. Ein Buch zu berühren, anzusehen, die Seiten zu befühlen, die Farbe von Papier und Druck, die Bindung und die Vorsatzblätter zu betrachten, zu registrieren, wie groß es ist, wie schwer – das ist wie ein erstes Freundschaftschließen und bis heute wichtig für mich. Evelyn Weissberg und Hermann Ebling als Herausgeberpaar legen ebensolchen Wert auf die gepflegte Erscheinung ihrer Bücher und erweisen dem Inhalt dadurch ihren Respekt. Und auch uns, die wir unsere Zeit der Lektüre widmen wollen. 

Der neue Band fällt durch sein Format aus dem Rahmen. Klein und kompakt kommt er daher und weist nur auf dem Umschlag eine Illustration auf. Wir sehen in düsterem Schwarz-Weiß eine Ansicht des Rathauses und sind so schon eingestimmt auf den Inhalt: Die Jahre des Nationalsozialismus. Ich wollte gerade schreiben: Die dunklen Jahre – aber so billig kommen wir nicht davon.

In drei Abschnitte teilt sich das Lesebuch: Die Normalität des Schreckens; Krieg und Untergang; Die Stunde Null . Es folgt ein umfangreicher Anmerkungsteil. Wer alles hier gelebt hat, erstaunlich… Zeitzeugen kommen zu Wort, wie meine Kollegin Sigrid Wiegand; da sind Zeitungsartikel zwischen Lebenserinnerungen und Romanpassagen, Briefausschnitte und Feldpostkarten – nichts konnte der Sammelleidenschaft von Ebling und Weissberg entgehen. In den Anmerkungen wird deutlich, wieviel mehr noch in den Schubladen schlummert, manchmal schäumt das verlegerische Wissen über und lässt die Leserschaft kaum noch zurückkehren zum vorderen Teil oder wirft gar noch weitere Fragen auf, die aus Platzgründen nicht mehr erörtert werden können…

Erst wollte ich nur auf Stippvisite gehen, hier ein wenig lesen, und dort. Hat nicht geklappt. Ich musste zurück an den Anfang, es sog mich förmlich auf, dieses Buch, und obwohl ich mich quälte und entsetzte, konnte ich es nicht weglegen, besonders im ersten Teil. Wie unweigerlich alles hinglitt in den Schrecken – Beschreibungen der „Kristallnacht“, und gleich darauf die Ergebnisse des Balkonschmuck-Wettbewerbs in der Zeitung… 
Nichts könnte das Grauen fassbarer machen als dieser Gegensatz. Und nachdem ich vom Leben in den Trümmern gelesen hatte, sah ich auch die Nachrichten aus Kriegsgebieten mit anderen Augen.

Müßig, alle illustren Autorinnen und Autoren zu nennen, die in diesem Buch versammelt sind: Ludwig Meidner, Ingeborg Drewitz, Friedrich Luft, Inge Keller, Kurt Hiller... Nicht ihre Namen haben mich gebannt, sondern die Orte, an die sie mich führen. Ich sehe die Straßen und Häuser und weiß jetzt etwas darüber, was dem noch heute wichtigen „NIE WIEDER“ neues Gewicht verleiht. Ich weiß nun, welche Menschen dort mit dem Tod gerungen haben und wie sie dort überlebten, wo heute hunderte von fröhlichen Kindern zur Schule gehen. Und mein Blick aus dem Fenster erinnert mich daran, dass es so eine nette Kneipenwirtin wie die aus meiner Nachbarschaft war, die gleich da drüben von SA-Leuten überfallen und ermordet wurde, damals, an einem Winterabend 1933.

Es ist alles so nah. Mir fehlen die Worte, es für Sie noch näher zu holen. 
Sie sollten es selbst lesen.

Sanna v. Zedlitz, Stadtteilzeitung, Oktober 2011
http://www.stadtteilzeitung-schoeneberg.de

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Betreff: DAS BUCH!

Liebe Evelyn,

ich habe mehr als 2 geschlagene Stunden bewegungslos auf der Couch gesessen und gelesen, gelesen, gelesen... Es ist toll, wunderschön, interessant, lebendig, wichtig - und, und, und...

Ihr habt wieder genau die richtige Idee gehabt! Danke!

Deine Sigrid Wiegand

September 2011

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28. SEPTEMBER 2011
Dunkles Friedenau

Kann man, darf man ein richtig schönes Lesebuch über Berlin in der Nazizeit machen? 
Hermann Ebling und Evelyn Weissberg ist dieses Kunststück mit ihrer erschienenen Anthologie Berlin Friedenau 1933-45 gelungen. 
Genau das richtige Buch, um an solchen trügerisch-sonnigen Herbsttagen auf einem Friedenauer Balkon, auf einer Parkbank oder im Café zu schmökern und sich zu vergegenwärtigen, wie brüchig die Vorstadtidylle einst war. 
Auf die zu einem Epochenpanorama montierten Originaltexte von Friedenauern wie 
Ludwig Meidner, Ingeborg Drewitz oder Friedrich Luft folgt im Buch ein etwa hundertseitiger Anmerkungsteil, der - ebenfalls gut zu lesen - die Texte ergänzt und kommentiert. 
Neben einem Namensverzeichnis gibt es ein Straßenverzeichnis, so dass man das Buch auch als literarischen Reiseführer ins dunkle Friedenau der Nazizeit benutzen kann. 
Eine vorbildliche Edition, inhaltlich genauso wie in puncto Buchgestaltung: 
Dass man dieses handliche, liebevoll gemachte Buch sehr gern anfasst und darin blättert, tut dem Anliegen, die Friedenauer über die Geschichte ihres Stadtteils aufzuklären, jedenfalls keinen Abbruch.
(edition Friedenauer Brücke, 384 Seiten, gebunden, 29 Euro). 

Evelyn Weissberg stellt das Buch am Freitag, dem 30. September in der Buchhandlung 
"Der Zauberberg" vor, die Veranstaltung ist allerdings schon ausverkauft.

von Michael Bienert, www.text-der-stadt.blogspot.com

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Berlin Friedenau 1933-1945  Ein Lesebuch

Vorwort

Mit dem Lesebuch "Berlin Friedenau 1933-1945" setzen die edition Friedenauer Brücke und ihr Autor Hermann Ebling dankenswerterweise jene historische Beschreibung eines ganz eigenen Berliner Vorortes bzw. Stadtteils fort, zu dem unter dem Titel "Friedenau erzählt" bereits zwei eindrucksvolle Publikationen über die Jahre 1871 bis 1914 sowie 1914 bis 1933 erschienen sind. Trotzdem handelt es sich beim "Lesebuch" schon allein gestalterisch um keine reine Fortschreibung der vorausgegangenen, reich bebilderten Darstellungen, sondern um den Auftakt zu einer neuen Reihe.

Erneut besticht der Autor allerdings durch seinen enormen Sammelfleiß, das souverän aufgearbeitete Quellenmaterial und die geschickte Verknüpfung verschiedener Erzählebenen und historischer Perspektiven.
Hermann Ebling entgeht dem (immerhin denkbaren) Versuch einer Verklärung "seines" ihm bestens vertrauten und erforschten Friedenau.
Und in der Tat, dieser Stadtteil Berlins, den auch die rückblickenden Zeitzeugen des vorliegenden Buches als "stramm deutschnational" (Luft) oder "hochnationalistisch" 
(Meidner) bezeichnen, rechnete nicht gerade zu den Stützen der Weimarer Republik oder gar Schwerpunkten antinazistischer Opposition. 
Dennoch vermittelt uns der Autor ein vielschichtiges Bild:
So wie Berlin sich zwischen 1933 und 1945 als Ort großer Widersprüche erweist – neben Zentren nationalsozialistischer Verbrechensplanung, der zufolge allein 55.000 Juden unserer Stadt ihr Leben verloren, existierten stille Winkel der Gegnerschaft und wirkten mutige Einzelne an der Rettung Verfolgter mit – so besaß damals auch Friedenau seine Facetten und Brüche.

Zählte der Großteil der hiesigen, mehrheitlich national-konservativ geprägten und von vielen Beamten, Pensionären und Mittelständlern gestellten Wählerschaft – ähnlich dem milieuverwandten Steglitz – bereits in den frühen 30er Jahren zur Hochburg der Berliner NSDAP, verfiel die Bewohnerschaft nach 1933 trotzdem nicht der totalen NS-"Gleichschaltung".

Auch hier gab es Arbeiter, die schon früh durch Untergrundschriften vor der Gewaltherrschaft und dem drohenden Krieg warnten. Und es gab Menschen, die sich vor dem Sondergericht verantworten mussten oder verschleppt und ermordet wurden, weil sie im Alltag Widerspruch wagten. Innerhalb der Religionsgemeinschaften - man denke besonders an das Gossner Missionshaus und Pfarrer Dr. Jannasch - fanden sich Aufrechte, die das Gebot der Nächstenliebe als persönliche Verpflichtung begriffen, als Gruppen der Bevölkerung zum Freiwild erklärt wurden.
Neben kritischen Stimmen, die Beispiele für Zivilcourage und Humanität belegen, dokumentiert das vorliegende Lesebuch zahlreiche Alltagsmeldungen und Äußerungen von Mitläufern und Indifferenten.
Der Informationsreichtum der zitierten Quellen wird ergänzt durch einen nicht minder interessanten Anmerkungsteil als Vertiefungsebene. Dort erwarten den Leser zusätzliche Hinweise, so etwa über die jeweils berichtende Person oder ausgesuchte historische Stätten und Ereignisse.
Eindrucksvoll ist zum Beispiel der anschauliche Bericht eines ausländischen Journalisten über die spektakuläre NS-Propagandafeier auf dem Tempelhofer Feld am 1. Mai 1934.

Breiten Raum nehmen rückblickende Zeitzeugenberichte ein, die deutlich machen, wie stark Angst, Abschottung und Misstrauen zwischen 1933 und 1945 verbreitet waren und oft jene in die Einsamkeit trieben, die dem Propagandarummel tief misstrauten.

Bei der Lektüre (des Hauptteils) werden dem Leser harte Schnitte in der Textfolge nicht erspart: Zwischen ergreifende Erzählungen von einst Verfolgten, Berichte von NS-Gegnern sowie Klagen über Alltagssorgen und die Schrecken des Bombenkrieges sind zeitgenössische Zeitungsartikel gestreut, in denen uns - mal plump, mal raffiniert - plötzlich die damalige NS-Propagandasprache anspringt.

Doch nicht nur diese Montagetechnik fordert die konzentrierte Aufmerksamkeit heraus, auch die Zeitzeugen spiegeln in ihren Beiträgen sehr unterschiedliche Erfahrungen. Zwangsläufig trifft man daher nicht nur auf Übereinstimmungen und Überschneidungen, sondern auch auf Widersprüche. Beispielsweise, wenn die Schriftstellerin Ingeborg Drewitz - zeitweilig Leiterin einer NS-Mädchenschaft - meint, in vielen Familien in Friedenau hätte man die NS-"Judenpolitik" kritisiert und die Kommunistin Greta Kuckhoff ihre ganz anderen, nämlich bitteren Erfahrungen dagegen setzt.

Hermann Ebling ermöglicht uns, durch den großen Quellenreichtum und die wechselnde Erzählebene seines Lesebuches eine spannende Annäherung an eine Zeit zu gewinnen, die zum Glück vergangen ist, deren Verbrechen uns aber als Mahnung und Warnung stets vor Augen bleiben sollten.

Dr. Hans-Rainer Sandvoß
Friedenau, im Juli 2011

(Stellvertreter des Leiters der Gedenkstätte Deutscher Widerstand 
und dort verantwortlich für die Schriftenreihe zum Widerstand in Berlin von 1933 bis 1945)

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heute muss ich nochmal schreiben, gestern konnte ich mir in der bücherei (erstmal) die beiden friedenau bücher abholen! tief beeindruckt, erfreut, registrierend, wie wenig ich weiss und uns friedenauer kindern in "heimatkunde" vermittelt wurde!
wie wenig geschichtsbewußtsein in den frühen 60igern in der schule vermittelt wurde, wie wenig kunstunterricht auf die künstler vor ort bezug nimmt

hätte uns nicht einer die friedenauer brücke zeigen und malen lassen können oder baluschek oder ....
aber ich will nicht lamentieren, sondern bin dankbar, dass ich jetzt 
mit fast 60 alles dieses lesen kann!  
allein die passagen über rosa luxemburg.... 
wie oft bin ich an dem haus vorbeigegangen!
ich möcht auch mal in der wohnung stehen....
wie gehen wir mit unserem kulturerbe um

danke, dass dieses alles zusammengetragen wurde!  
und ...danke für die bücher

ihre karola jaeger   juli 2011

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28.März 2011

Liebe Frau Weissberg,

vielen Dank für Zusendung von "Friedenau erzählt "(1914-1933).
Ich habe mich sehr darüber gefreut und bin begeistert von der geistigen Leistung, der mühevollen Recherche und - nicht zuletzt - der ganz wunderbaren gestalterischen Aufbereitung, die viel dazu beiträgt, 
dass der Leser nicht ermüdet, sondern interessiert und neugierig bleibt.
Wer selber schon einmal Bücher geschrieben und mitgestaltet hat, weiß, welche große Leistung dahinter steckt. Einfach toll! Ich habe sehr viel gelernt durch Ihren kritischen Rückblick auf das reaktionäre Friedenau 
mit seinen kriegerisch "geschmückten" Kindern (S.16), auch dafür 
danke ich Ihnen .
Treffend - neben den vielen guten Zitaten von Tucho und Ossietzky - ist gleich am Anfang die Aussage von Georg Hermann (S.27), die bereits 1919 auf den Zivilisationsbruch "Weltkrieg" hinweist. Nur die Haffner und Gietinger folgende Sicht auf die Novemberrevolution teile ich nicht. Nicht, weil mein Herz etwa für Ebert und Noske schlägt, sondern - und auch darin folge ich Hugo Haase und der USPD - , weil ich ebenso den Putschismus im Januar 1919 für einen schlimmen Fehler halte. Aber, das ist ein weites Feld !

Was mich an Ihrem eindrucksvollen Werk ganz besonders berührt hat, ist auf den Seiten 242-245 die Geschichte von Henriette Wolfsohn. Dieser - eigentlich grausige – Zufallsfund, Ihre einfühlsame Darstellung unter Einbau des "Stolpersteins " - das geht doch sehr zu Herzen, weil die Schreckenszeit in einem Menschenschicksal gespiegelt wird.

Möge Ihnen und Herrn Ebling Vergleichbares für den Zeitabschnitt 1933-1945 gelingen. Ich bin mir sicher, dass Sie es schaffen.

Mit freundlichen Grüßen 
Ihr Hans-Rainer Sandvoß
Dr. Hans-Rainer Sandvoß
Stellvertreter des Leiters 
Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Stauffenbergstraße 13-14
10785 Berlin

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26.Januar 2011

Liebe Frau Weissberg,

zunächst bedanke ich mich bei Ihnen recht herzlich für das schöne Buch „Friedenau erzählt“. Mittlerweile habe ich längere Passagen aus dem Buch gelesen, meine Frau fast alles. Mit der zunehmenden Lesefreude hat sich dann allerdings auch bei mir ein leichtes Bedauern eingestellt, nicht schon früher auf Ihr Buch gestoßen zu sein.
Insgesamt gesehen scheint es mir ein äußerst gelungenes Werk zu sein, das einen Inhalt, der auf den ersten Blick lokal beschränkt zu sein scheint, doch so auszubreiten weiß, dass nicht nur ein Friedenauer, sondern auch derjenige, dem Friedenau gänzlich unbekannt ist, auffassen kann, wie lokale Geschichte von großem allgemeinen Interesse sein kann und ein Beispiel für die Geschichte eines ganzen Landes …

Es grüßt Sie vielmals aus dem hohen Norden der Republik der um seine Friedenauer Wurzeln wohl Wissende
Konrad Gutschke
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„ … Die Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Straßenzüge lassen noch das mutige Selbstbewusstsein eines aufstrebenden Bürgertums erahnen, in dessen Umgebung Künstler, Schriftsteller und Berufsrevolutionäre sich ebenfalls heimisch fühlten. Niemand hat dieses Lebensgefühl der frühen Jahre besser dokumentiert als die kleine edition Friedenauer Brücke, die von der Rembrandtstraße aus stadtarchivarische Wunderstücke vollbringt. Ihre inmitten des Lärms der Stadtautobahn sowie in leiser Selbstausbeutung fabrizierten Bücher sind eine Art Herzschrittmacher für ein nicht nachlassendes Friedenauer Selbstbewusstsein. Lesend und blätternd kann man in den Bänden von „Friedenau erzählt“ nachempfinden, woher dieses lokale Bewusstsein stammt. …“

aus: „Frau Müller von nebenan“  von Harry Nutt,  in „Friedenau – das Malerviertel“
Broschüre Oktober 2010, www.berlin-malerviertel.com

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Hermann Ebling und Evelyn Weissberg haben ihre Bildersammlung ’Friedenauer Geschäfte 1900-1914′ den Fotografen gewidmet, die in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg in den Straßen von Friedenau auf Motivjagd waren. Der Band zeigt keine Touristenattraktionen oder Berühmtheiten, sondern alltägliche Szenen. (…) Man kann sich dem Charme der Friedenauer Geschäfte jener Jahre, die der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts vorhergingen, nur schwerlich entziehen.

www.gedankenpflug.de, Berlin-Blog von Mathias Pleye, 2. Oktober 2010

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"Ihre Buchhändlerin empfiehlt"

Die Buchhandlung Thaer liegt in der Bundesallee 77 im schönen 
Stadtteil Friedenau in Berlin. Elvira Hannemann ist dort Buchhändlerin, 
und sie ist heute unsere Buchhändlerin der Woche:
"Ein besonders schönes Buch mit sehr viel Lokalpatriotismus ist das Buch "Friedenauer Geschäfte 1900 bis 1914", ein wunderschöner Bildband mit alten schwarz-weiss Photographien, die sehr liebevoll ausgewählt wurden und eine Welt zeigen, die es so nicht mehr gibt. Ohne viel Text ist es ein ganz tolles Bilderbuch für Erwachsene, ein wunderbarer Geschenkband für Friedenauer, Schöneberger, aber auch für Freunde von guter alter Photographie. Was ich ganz besonders toll finde, ist, daß unser Laden auf Seite 55 zu sehen ist, denn das war damals ein Delikatessengeschäft und noch keine Buchhandlung."

Elvira Hanemann von der Buchhandlung Thaer im 
Radiofeuilleton von Deutschlandradio Kultur am 10.9.2010

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Absolute Weltklasse, Dankeschön!!!!  
Jens Geisler, Grünhainichen, August 2010

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Guten Abend Familie Weissberg-Ebling!

Wir haben die "Friedenauer Geschäfte" wohlbehalten bekommen und das Buch schon einmal langsam durchgeblättert. Dabei habe ich mich daran erinnert, dass meine Mutter (Jahrgang 1893) immer von den schönen Jahren vor dem ersten Weltkrieg geschwärmt hat. Diese Kaiserzeit, die sie als junges Mädchen in Charlottenburg und Wilmersdorf verlebte, war für sie die schönste Zeit ihres Lebens. Und wenn ich mir die Bilder in dem Buch anschaue, kann ich das so richtig nachempfinden. Ich habe beim ersten Durchsehen nur zwei haltende Autos entdeckt, die ganz gewiss noch keine Parkprobleme hatten. Ansonsten nur Straßenbahnen, bei denen die Fahrer noch draußen auf dem ungeschützten Fahrer-Peron stehen mussten. 
Der Hut gehörte bei den Männern, fast alle mit Kaiser-Wilhelm-Bart, zum Muss. Offenbar wurden auch mehr Zigarren geraucht als Zigaretten. Nur die Fahrräder sahen in ihrer Grundkonstruktion noch genau so aus wie heute. Vor 100 Jahren gab es auch noch keine IT-Branche, weshalb an manchen Schaufenstern das Wort "Fernsprecher" zu lesen war. Eigentlich ist es erstaunlich festzustellen, was sich in der 100 Jahre währenden Lebenszeit eines Menschen verändert hat, obwohl in diese Zeit noch zwei lange andauernde Weltkriege mit ihren gewaltigen Zerstörungen fielen. 
Wie wird es wohl 100 Jahre später in Friedenau aussehen? Ich bin sehr neugierig und würde gern einmal von Oben hinunterschauen.

Freundliche Grüße senden Ihnen Ihre
Günter und Nina Sieling, Frankfurt/Main, August 2010

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Nicht nur den Ortskundigen wird diese Bildersammlung Friedenauer Gewerbetreibender, 
die stolz vor ihren Läden posieren, begeistern. 
Auch der Hobbyfotograf und der historisch Interessierte hat seine Freude an den Aufnahmen, die eine fast vergessene Geschäftswelt zeigen, welche sich aufgrund ihres großen Warenangebots zu einem der modernsten Vororte Berlins wandelte.

Berlin Story, NEWSLETTER 44 - AUGUST 2010

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Hallo Frau Weissberg,

herzlichen Glückwunsch!!!!! Ist das ein schönes Buch!!! 
Wunderschöne Ansichtskarten auch mit den Detailaufnahmen!!! Klasse! 
Glücklich bin ich, wenn ich die „Verknüpfungen“ zu uns nach Mitte, 
Prenzlauer Berg sehe. Rheinstr. 28 schenkt Pfefferberg und Groterjan Bier aus der Schönhauser Allee aus. Hankes Bäckerei hatte sowohl eine Filiale in der Rheinstaße als auch Kastanienallee 2. Die Cyliax Schokolade, die in der Rheinstraße 55 verkauft wurde, ist in der Kastanienallee/Schwedter Straße hergestellt!! Herrlich, man sieht, „Regionalmarketing“ gab es schon immer.
Noch einmal herzlichen Glückwunsch zu diesem wirklich lesens- und anschauenswerten Buch!!
 
Mit freundlichen Grüßen aus der Kastanienallee
Uwe Hauptmann, 20. Juli 2010

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Liebe Frau Weissberg! 

Nochmals vielen Dank für Ihre Einladung und das so interessante Friedenau-Buch mit den hervorragenden Wiedergaben der alten Fotos. Ich kann nur sagen: „Weiter so“ und wünsche Ihnen dazu vollen Erfolg. Ihnen und Ihrem Mann alles Gute und weiterhin ungebrochene Schaffenskraft bei bester Gesundheit!

Herzliche Grüße,  Irene Neufert, Friedenau den 5. Juli 2010

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Die Frauen von Friedenau 

Seit der Kaiserzeit schätzen Schriftsteller den Stadtteil im Berliner Südwesten als Wohnquartier. Dass die Tradition lebendig bleibt, dafür sorgen heutzutage vor allem literaturbegeisterte Frauen. 

I. DER MARKT

Die Händler vom Friedenauer Wochenmarkt staunten nicht schlecht, als sie ihre Stammkundin auf den Titelseiten am Kiosk wiedererkannten. Bis zur Verleihung des Literaturnobelpreises im vergangenen Jahr konnte Herta Müller in ihrer Wohngegend nahezu inkognito einkaufen gehen. Damit ist es jetzt vorbei. Aber die Aufregung im Viertel hat sich rasch gelegt, denn in Friedenau ist es überhaupt nichts Ungewöhnliches, im Supermarkt mit berühmten Schriftstellern in der Schlange zu stehen. 

Ein paar Schritte vom Wochenmarkt, in der Niedstraße 13, kaufte Günter Grass 1963 eine verwinkelte Villa mit Dachatelier und großem Garten. Heute ist er dort noch manchmal zu Besuch, wenn er seine Enkel sehen will. Den Tipp bekam Grass von Uwe Johnson, der sich unterm Dach des Nachbarhauses eine Schreibstube eingerichtet hatte, im ehemaligen Atelier des „Brücke“-Künstlers Karl Schmitt-Rottluff. An beide erinnert heute eine Gedenktafel. Nebenan plante Grass seine Wahlkampfreisen für die SPD, schrieb etliche Bücher und verwöhnte seine Freunde mit Selbstgekochtem: „Wenn wir am Sonnabend auf unseren Friedenauer Wochenmarkt gehen, dann kaufen wir Dill und Gurken, Havelaal und Heilbutt, Birnen und Pfifferlinge, Hasenläufe und Vierländer Mastenten wo wir wollen und lustig sind.“

Hans Magnus Enzensberger und Rudi Dutschke wohnten in den Sechzigern um die Ecke, „fremd und verletzt kam, immer wie auf der Flucht, Ingeborg Bachmann kurz auf Besuch vorbei“, erinnert sich Grass. Max Frisch, Nicolas Born, Ernst Jandl und viele andere lebten in der Gegend. Die literarisch-künstlerische Tradition Friedenaus reicht noch weiter zurück, bis in die Kaiserzeit, als die neue Vorstadt im Südwesten Berlins Äcker und Wiesen verdrängte. „In Friedenau gibt´s doch das meiste Federvieh“, stellte schon um 1900 ein Lokalpoet fest. Rosa Luxemburg fühlte sich genauso wohl wie der Romancier Georg Hermann. Zwischen den Weltkriegen wohnten Kurt Tucholsky und Theodor Heuss in Friedenau. Seine Frau Elly schrieb 1919 aus der Fregestraße 80, damals mit Blick auf Rathaus und Markt: „Ich lebe so still und häuslich, genieße das grüngoldene Sonnenlicht, das die hohen Bäume vor unseren Fenstern schenken, und merke nichts von Berlin.“ Das macht das Viertel für Schreibende unverändert anziehend: Man ist mitten in Berlin und fühlt sich doch meist wie in einer Kleinstadt oder auf dem Dorf. „Allein die Magnolien in den Vorgärten, bald gefolgt von den Tulpen, dem Flieder, den Pfingstenrosen, den weißen und roten Kastanien, Blütenteppiche auf dem Pflaster... Man könnte hier Tage spazierend genießen, gewiss, wollte man nicht ständig südwärts an den Schreibtisch oder nordwärts die Kinder abholen“, schwärmt Julia Franck auf literaturport.de, dem Berlin-Brandenburgischen Literaturportal im Internet. 
Sie zog vor vier Jahren aus Rom nach Friedenau. Die buntscheckige literarische Szene erneuert sich ständig, ist daher allemal für Überraschungen gut wie den Nobelpreis für die in Rumänien geborene Herta Müller, die in der Menzelstraße lebt.

II. DAS HOTEL

Christa Moog muss gleich wieder zurück in die Küche. Die Chefin sollte gar nicht im Hause sein, erscheint dann aber doch in bunter Schürze und mit aufgebundenen blonden Haaren auf der kleinen Holztreppe neben der Rezeption, um dem Besucher wenigstens guten Tag zu sagen. Dabei schauen ihr Tucholsky, Grass, Frisch und andere Literaturkoryphäen aus großen Schwarzweißfotos über die Schulter. „Du kannst ihm die Dreizehn zeigen oder die Siebzehn“, ruft Christa Moog dem Mann an der Rezeption zu und eilt wieder in die Küche. Es ist später Vormittag, um die Zeit kann schon was anbrennen.

Mit ihrem Mann hat Christa Moog 2003 das völlig heruntergekommene kleine Hotel Hospiz in der Fregestraße 68 übernommen und es zum ersten Berliner Literaturhotel aufpoliert. 
Sie ist in der DDR aufgewachsen, geriet als Lehrerin und Autorin in Konflikt mit der sozialistischen Obrigkeit und durfte 1984 in den Westen ausreisen. Dort wurde sie von Marcel Reich-Ranicki als großes Talent gefeiert, für ihr zweites Buch „Aus tausend grünen Spiegeln“ überreichte er ihr den „aspekte“-Literaturpreis. Dann wurde es still um die Autorin. Das Familienleben war ihr wichtiger als die literarische Karriere, nun hat sie als literarische Gastgeberin eine neue Berufung gefunden. Gefrühstückt wird unter Kronleuchtern im plüschig mit Teppichen, alten Sofas und vergoldeten Bilderrahmen möblierten Uwe-Johnson-Salon. Johnson hat gelegentlich im Hotel übernachtet. Im Salon fanden schon Lesungen mit Judith Hermann, Edgar Hilsenrath, Peter Schneider oder Hans Christoph Buch statt. In dem engen Haus herrscht eine gedämpfte, ja romanhafte Atmosphäre, ein lebenslanger Hotelbewohner wie Joseph Roth fühlte sich gut aufgehoben. Das elegante alte Doppelbett in der Christoph-Meckel-Suite wird gerade für ein Brautpaar bezogen, an den Wänden hängen filigrane Grafiken des Friedenauer Malerpoeten hinter Glas. „Jedes Möbel muss eine Prüfung ablegen, ehe es hereingelassen wird und jedes bringt eine Geschichte mit“, sagt Christa Moog. Wird sie ihre Hotelgeschichten irgendwann aufschreiben und veröffentlichen? „Im Moment habe ich dafür überhaupt keine Zeit.“

III. DIE BRÜCKE

Von ihrem Balkon in der Rembrandtstraße schaut Evelyn Weissberg auf die Stadtautobahn, die S-Bahn-Gleise und eine Straßenbrücke, die den öden Schnellverkehrsgraben
überspannt. 
Ernst Ludwig Kirchner malte die Straßenbrücke 1914 aus ähnlicher Perspektive, schräg von oben in kräftigen Farben. Er wohnte ein paar Häuser weiter. Seine expressionistische Stadtansicht schmückt als Kopie das Wohnzimmer, auch einen Buchumschlag und überhaupt alle Verlagspublikationen der von Evelyn Weisberg gegründeten „Edition Friedenauer Brücke“. Ihr winziger „One-Women-Verlag“ hat seit 2006 vier Bücher über die Kultur- und Literaturgeschichte Friedenaus herausgebracht, die schon durch ihren Materialreichtum alles in den Schatten stellen, was es bisher zum Thema zu lesen gab. Zugleich sind die Bücher ungewöhnlich sorgfältig gestaltet und gedruckt, denn Evelyn Weisberg ist von Beruf Grafikerin. 
Ihr Mann Hermann Ebling besitzt eine riesige Fotosammlung und firmiert als Herausgeber der opulenten Ortschroniken. Seit 34 Jahren lebt das Paar in Friedenau. 
Wie viele junge Westdeutsche flohen die beiden seinerzeit vor dem drohenden Wehrdienst nach West-Berlin. Das Bürgerliche und Gemütliche an Friedenau hat ihnen sofort zugesagt. „Die Aura der Gründerväter der Siedlung aus der Kaiserzeit ist immer noch zu spüren gewesen. Die Kommilitonen zogen lieber nach Kreuzberg, aber uns hat das Aufgekratzte nicht so begeistert“, erzählt die Verlegerin. 
„Ich bin halt ein Friedenauer Landei.“ 

Der Mann verdient sein Geld als Tonmeister beim Film. Eines Tages stellte er seiner Frau seinen neuen Assistenten vor: Raoul Grass, der in der Niedstraße 13 als Sohn des berühmten Schriftstellers aufwuchs. Das Paar suchte Mitte der achtziger Jahre bereits einen Geldgeber für ein allererstes Buch über Friedenau. Raoul interessierte seinen Vater für das Projekt, so kam es zur Gründung eines Verlags, der nur ein einziges Buch herausbrachte. Nach den beiden Finanziers wurde er auf den Namen Zinsmeister & Grass getauft. 
Der Band „Friedenau. Aus dem Leben einer Landgemeinde“ erschien 1986, trotz des stolzen Preises von 78 Mark wurden alle 4000 Exemplare verkauft. Evelyn Weisberg hätte den Verlag gerne weitergeführt, drei Kinder ließen ihr nicht die Zeit dazu. Zwanzig Jahre später fing sie als Verlegerin noch einmal ganz von vorne an. Eben erschienen ist ein prächtiger Fotoband über Friedenauer Geschäfte in der Kaiserzeit, in Vorbereitung sind eine Lese- und Bilderbuch über die Nazijahre und ein Band über den „Roten Block“, eine in der Weimarer Republik gebaute Künstlerkolonie am Laubenheimer Platz, in der etwa Ernst Bloch, Wilhelm Reich, Johannes R. Becher und Manès Sperber lebten. Wer sich als Friedenauer Landei immer tiefer in die Lokalhistorie hineingräbt, findet sich ganz schnell in der nationalen Literatur- und Kulturgeschichte wieder.

IV. DER ZAUBERBERG

Keine bunten Plakate, keine schreiende Bestsellerreklame. In den großzügigen, dunkelblau gerahmten Schaufenstern und Schaukästen herrscht bunte Vielfalt. Bücher aus mittleren und kleinen Verlagen konkurrieren fröhlich um Aufmerksamkeit. In der Schaufensterecke mit den russischen Autoren ist die Friedenauer Presse am stärksten vertreten. Die Wurzeln des Verlags und der berühmtesten Friedenauer Buchhandlung liegen in Russland: Beide hat der Buchhändler Andreas Wolff gegründet. Dessen Großvater besaß schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Buchhandlung in St. Petersburg, wo Dostojewski verkehrte. 
Die Tochter Katharina Wagenbach-Wolff führt die russische Tradition in der Friedenauer Presse fort. Ab und zu schaut sie in der 1931 eröffneten Buchhandlung vorbei, auch wenn dort seit vergangenem Jahr nicht mehr „Wolffs Bücherei“ über dem Schaufenster steht, sondern „Der Zauberberg“.

Sie hätte den alten Namen gerne beibehalten, sagt die neue Inhaberin Natalia Liublina, doch das sei nicht gegangen. Offenbar drückten Schulden das Traditionsunternehmen, 
in dem die Friedenauer Buchhändlerin Helga Steinhilber 32 Jahre lang ein strenges Regiment führte. Kunden, die nach Bestsellern oder Kriminalromanen fragten, wurden sehr ungnädig behandelt, bisweilen hinauskomplimentiert. Der verwinkelte Laden roch streng nach kaltem Zigarettenrauch, vor allem jüngeren Kunden war die Traditionsbuchhandlung unheimlich, sie gingen lieber in die neuen Medienkaufhäuser oder bestellten gleich bei Amazon. 

Natalia Liublina fühlte sich in der Buchhandlung früher auch nicht wohl. Aber als sie gefragt wurde, ob sie den Laden übernehmen würde, hat sie es gewagt. Sie ist eine Quereinsteigerin, das heißt: Sie brachte ein Gespür für das Wesen einer literarischen Buchhandlung mit, das dem heutigen Buchhändlernachwuchs in Marketingseminaren zielstrebig abtrainiert wird. Natalia Liublina sprach nicht mal Deutsch, als sie 1994 aus der Ukraine nach Berlin auswanderte. Die Tochter eines sowjetischen Offiziers hatte Literaturwissenschaft studiert, in Berlin machte sie eine Lehre als Verlagskauffrau, schrieb Gutachten über russische Bücher für Verlage, übersetzte einige ins Deutsche, unter anderem Schriften der 2006 ermordeten russischen Journalistin und Menschenrechtlerin Anna Politkowskaja.

Die Besitzerin reagiert reserviert, wenn sie auf die Tradition ihrer Buchhandlung als Treffpunkt der deutschen Nachkriegsliteratur angesprochen wird. Sie will keine Museumwärterin sein: „Ich habe Kinder, ich lebe in der Gegenwart, nicht in der Vergangenheit“, sagt Natalia Liublina. Sie hat die Räume kräftig durchlüftet, das Rauchen abgeschafft, ein „Kinderzimmer“ sorgfältig mit Büchern für den Nachwuchs bestückt, 
das Sortiment aktualisiert. Aber sie hat sich von den Vertretern nichts aufschwatzen lassen, keine bunten Aufsteller, keine Stapelware, keinen Schnickschnack. Auf den Tischen, in den alten Holzregalen ist der staunenswerte Reichtum an Büchern zu besichtigen, die nicht nur Ware sein wollen, sondern mit literarischem, intellektuellen oder gestalterischem Anspruch um Leser werben. Ein Zauberberg, wahrhaftig. Und die Geschichte von der russischen Bücherfee, die den Friedenauern ihre schönste Buchhandlung rettet, klingt sie nicht wie ein Märchen?

Literatur:
Christel und Heinz Blumensath: Das andere Friedenau. Herausgegeben vom Bezirksamt Schöneberg, 2. Auflage, 120 Seiten, Berlin 1996 (antiquarisch, immer noch der beste Führer für Spaziergänger im praktischen Westentaschenformat).

Friedenau. Aus dem Leben einer Landgemeinde. Eine Dokumentation von Hermann Ebling, 
160 Seiten, Zinsmeister & Grass, Berlin 1986 (antiquarisch).

Der Friedenauer Künstlerfriedhof, Edition Friedenauer Brücke, Berlin 2006, 136 Seiten (vergriffen).

Hermann Ebling (Hg.): Friedenau erzählt. Geschichten aus einem Berliner Vorort 1871-1914, Edition Friedenauer Brücke, Berlin 2007, 352 Seiten, 39 Euro.  

Hermann Ebling (Hg.): Friedenau erzählt. Geschichten aus einem Berliner Vorort 1914-1933, Edition Friedenauer Brücke, Berlin 2008, 352 Seiten, 39 Euro. 

Friedenauer Geschäfte 1900-1914, Edition Friedenauer Brücke, Berlin 2010, 
132 Seiten, 36 Euro.

© Text: Michael Bienert 
Erstdruck im literaturblatt baden-württemberg, Nr. 100, Juli / August 2010

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Liebe Evelyn,
was für ein schönes Buch!
Möchte alle Plätze jetzt aufsuchen, anschauen, immer wieder diese Bilder...
Glückwunsch und bis bald!
Christa Moog, Hotel Friedenau - das Literaturhotel, den 10. Juli 2010

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Sehr geehrte Frau Weissberg,
 
Ihre Postsendung mit Ihrer Publikation „Friedenauer Geschäfte 1900 – 1914“ zum Beleg für die Verwendung unserer Bildvorlage (Max Missmann: Rheinstraße in Friedenau) ist wohlbehalten im Stadtmuseum Berlin eingetroffen. 
Wir bedanken uns sehr herzlich für das stadtgeschichtlich und kulturhistorisch interessante Buch und hoffen, Ihnen bei nächster Gelegenheit wieder behilflich sein zu dürfen.
 
Mit freundlichen Grüßen
Fotothek
Stiftung Stadtmuseum Berlin
Landesmuseum für Kultur und Geschichte Berlins

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Friedenauer Geschäfte 1900-1914 
Ein Bilderbuch

„Kauft am Platze!“

Gab es 1873 in Friedenau erst 50 Gebäude mit über 500 Menschen, die noch alle Gebrauchsgüter mühselig aus den Nachbargemeinden herbeischaffen mussten – mit einem Fuhrwerk, dessen Haltestelle sich vor der heutigen Nicolaischen Buchhandlung befand – so war die Zahl der Wohngebäude bis 1881 bereits auf das Doppelte angewachsen und 1500 Personen mussten versorgt werden. 
Als dann 1899 Friedenau sein 25jähriges Jubiläum feierte und die Einwohnerzahl mehr als 10 000 Menschen betrug, hatten sich längst zahlreiche Geschäfte, Gewerbetreibende, Handwerksbetriebe und Gastwirte hier niedergelassen, und niemand musste sich mehr zum Einkaufen nach Wilmersdorf oder ins „ferne“ Berlin begeben. „Kauft am Platze, dann kauft ihr vorteilhaft!“ wie der Friedenauer Lokal-Anzeiger eindringlich warb. Der in Friedenau  ansässige Schriftsteller Georg Hermann hat zu diesem Thema in seinem Roman „Der kleine Gast“ eine ergötzliche Episode geschrieben, die wir in dem Buch nachlesen können.


Feinkostgeschäft Wielandstraße 31, 
Ecke Hedwigstraße, um 1910
Foto: edition Friedenauer Brücke


Das Alltägliche wird zum Besonderen

Was für ein Glück, dass es soviele Fotografen gab, die durch die Stadt zogen und die Strassenbilder festhielten, die sich ihnen boten! Ihnen ist der neue Bildband der edition Friedenauer Brücke gewidmet, in dem wir die Friedenauer Geschäftswelt und ihre Umgebung betrachten können, die im frühen 20. Jahrhundert mit ihren Waren die Bevölkerung versorgten. Feinkostläden boten „Gespickte Hasen, (tägl. frisch)“, Delicatessen aller Art, Weine und Liköre, Wild und Geflügel, feines Tafelobst und Confitüren für die Gut-Betuchten an, Bäckereien und Conditoreien warben mit „Backwaren frei Haus“, Uhren- und Goldwarenhändler hatten alles für „gehobene Ansprüche“ auf Lager. Es gab auffallend viele Cigarren- und Cigarettengeschäfte,  und überall sprudelte reichlich das Bier, von der Stehbier-Halle über die Eck-Kneipe bis zum feinen Kaiser-Wilhelm-Garten in der Rheinstrasse. 




Der Lauterplatz 1908
Foto: edition Friedenauer Brücke

Überhaupt die Rheinstrasse! 

Als „Lebensader“ Friedenaus, durch die seit dem Ende des 
19. Jahrhunderts die Strassenbahn fuhr (anfangs dampfbetrieben, seit 1898 elektrisiert), wies sie die größte Geschäftsdichte auf und führt den Reigen der Friedenauer Strassen im Bildband an. 
Aber auch hier finden sich neben grossen Restaurants und Cafés (wer erinnert sich noch an das Café Wanke?) kleine Läden und Handwerksbetriebe, ein kleiner Blumenladen, die Süßwarenhandlung Cyliax, die noch nach dem 2. Weltkrieg existierte, und auch die Apotheke an der Kaisereiche gab es schon damals.

Doch auch die kleineren und größeren Friedenauer Nebenstrassen boten eine Fülle von Geschäften und Gewerbetreibenden, Milch-Trinkhallen (Sahne-Verkauf 3x tägl.frisch), sogar schon eine Auto-Reparatur-Werkstatt, eine Plätt-Anstalt, ein Geschäft für Putz und Posamenten (was war das doch gleich?) und vieles mehr, und die Drogerie Losch warb für Salon-Oel und Petroleum, ein kleiner Obst- und Gemüseladen gar mit dem Slogan „English spoken“! Und Arm wie Reich (diese vertreten durch ihre Dienstmädchen) traf sich zum Markttag auf dem Lauterplatz, der heute Breslauer Platz heißt (noch ohne das Rathaus, das erst 1916/17 erbaut wurde). Mehrere schöne Fotos zeugen vom lebhaften Treiben dort, dem Menschengewimmel, den Pferdefuhrwerken der Bauern aus der Umgebung, dem Zeitungspapiertüten drehenden Mädchen.




Tütendreherin in der Rheinstraße am Lauterplatz 1907
Foto: Archiv Stadtmuseum München

Mit dem Buch in der Hand

Und alle, alle ließen sich gern fotografieren vor ihren Geschäften, meist gleich mit Kind und Kegel. Herausgeputzt und Besitzerstolz blicken sie in die Kamera und geben uns Heutigen einen Einblick in das Friedenauer Leben vor hundert Jahren, vor den beiden Weltkriegen und der Umgestaltung unserer Lebenswelt. Man möchte mit dem Buch in der Hand durch unsere Strassen gehen und schauen, und man sollte es auch tun – es lohnt sich! Jeder kann vergleichen: wie sah es früher aus, was ist daraus geworden; wie hat sich mein Haus verändert, oder ist es gleich geblieben? 
Da Friedenau vergleichsweise wenig vom letzten Krieg betroffen war, können wir die nicht immer schönen, aber meist interessanten Fassaden der Häuser von damals heute noch betrachten und vergleichen, ob sie nicht fast noch so aussehen wie früher. Nur die Geschäfte sind nicht mehr da, haben gewechselt, sind ausgebaut, „modernisiert“ worden; manche sind ganz verschwunden. Wieder hat die edition Friedenauer Brücke ein schönes Friedenaubuch herausgegeben - eine ideale Ergänzung zu ihrem Buch  „Friedenau erzählt (1871 bis 1914)“.

Sigrid Wiegand  Stadtteilzeitung Juli/August 2010
www.stadtteilzeitung-schoeneberg.de
Friedenauer Geschäfte 1900 bis 1914
Ein Bilderbuch von Hermann Ebling und Evelyn Weissberg
edition Friedenauer Brücke 2010, 36.- Euro

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Blickkontakt mit der Vergangenheit
Bildband zeigt das Straßenbild Friedenaus vor 100 Jahren




FRIEDENAU. Schon seit fast 25 Jahren begeben sich Hermann Ebling und Evelyn Weissberg auf die Suche nach Bildnissen längst vergangener Zeiten. Wie geschäftig es vor über 100 Jahren in Friedenau zuging, das zeigen sie im Bildband „Friedenauer Geschäfte 1900 bis 1914“.
Die Schubladenkästen in der Wohnung von Hermann Ebling und seiner Partnerin Evelyn Weissberg verwahren den Schatz Friedenauer Stadtgeschichte. Hermann Ebling greift blind in den Schubladenkasten und zieht eine Karte heraus. Es ist erstaunlich: Die Tausende Lichtbilder memoriert Hermann Ebling mit Leichtigkeit. Kein Wunder, denn allein das Auffinden eines Fotos auf einem seiner Flohmarkt-besuche brennt sich dem Finder unauslöschlich ins Gedächtnis. Von Beruf ist er Tonmeister beim Film. In seinem anderen Leben ist er Amateurhistoriker. Hermann Ebling kann anhand einer Fotografie nicht nur die Entwicklung Friedenaus von der Kolonie des Kommunalverbands Deutsch-Wilmersdorf zur Landgemeinde erzählen. Seine Geschichte ist angereichert mit all den Bewohnern und ihren alltäglichen Verrichtungen, nicht nur mit den bekannteren wie etwa Rosa Luxemburg oder Karl Kaultsky, Kurt Tucholsky oder Ernst Ludwig Kirchner. „Tucholsky verbrachte nicht die schönste Lebenszeit in Friedenau“, fließt es aus Hermann Ebling in einem fort. Und das Bild Kirchners von der Friedenauer Brücke, das formte die Grafikerin Evelyn Weissberg zum Emblem 
für den Verlag „Edition Friedenauer Brücke“ um. Der Verlag dient als ublikationsmöglichkeit für die Sammelwut und die detektivische Arbeit der beiden Friedenauer, die seit 30 Jahren Zugezogene sind.

Am 2. Juli erscheint nun der Bildband, für den Hermann Ebling und Evelyn Weissberg allein sechs Monate brauchten, um die Fotos auszuwählen und sie kompositorisch in eine stimmige Reihe zu fügen. Übrigens ganz ohne Kommentar: „Wir wollten einen Blickkontakt in die Vergangenheit herstellen“, sagt Evelyn Weissberg.
Einzig ein einleitender Text erklärt die Einzelhandelsentwicklung in Friedenau, wo 1899 noch 43 Herren- und Damenschneider ansässig waren – und 1914 schon 185. „Die Geschäftszeilen wuchsen mit der Bevölkerung“, weiß Hermann Ebling, denn allein zwischen 1900 und 1914 verfünffachte sich die Anwohnerzahl.
Auf den 132 Seiten ist eine Vielfalt zu entdecken, die in Zeiten der globalisierten Shopping-Malls verschwunden ist – doch nicht immer, wie das Uhrenfachgeschäft von Hans Lorenz in der Rheinstraße beweist. Es sei das einzige in Friedenau, das noch heute im Familienbetrieb ist, wissen die findigen Rechercheure.

Hermann Ebling und Evelyn Weissberg stellen am 2. Juli, 20 Uhr, in der Nicolaischen Buchhandlung, Rheinstraße 65 ihren Bildband zur Vergangenheit Friedenaus vor.
Von Karolina Wrobel, Berliner Woche, 30. 6. 2010



Schubladen voller historischer Postkarten durchstöberten Hermann Ebling und 
Evelyn Weissberg für den neuen Bildband.   

Foto: Wrobel

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>Presse und Zuschriften ab 2013                         


>Presse und Zuschriften ab 2014                                


>Presse und Zuschriften ab 2015                                












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