PRESSE

und Zuschriften

ab 2013

BERLIN um 1950 

SIGNALBERG GmbH


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Book is breathtaking!! 

I have 'lost' a dreamy hour working my way through its history laden pages. Would love one day to meet the man responsible for this extraordinary masterpiece. 

Roslyn Simms, Berlin, 13-11-2013  via e-mail

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Charlottenburgerin entdeckt sich auf Buchtitel

„Du liebe Güte, das bin doch ich“

07. 11. 2013, von Christoph Stollowsky



Exakt die gleiche Dame. Nur 62 Jahre sind dazwischen. Links der Titel des Buches „Berlin um 1950“ mit Irmtraud Grimm, damals 19 Jahre alt. Rechts läuft sie heute über die Brücke....                                           Foto: Repro / Foto: edition Friedenauer Brücke


Irmtraud Grimm war ein junges Ding, als sie 1951 über die Brücke am Kaiserdamm lief und fotografiert wurde. Das Bild entdeckte sie nun auf dem Titel eines Fotobandes – und Irmtraud Grimm erinnert sich.

Sie hatte es sich gerade hinter den weißen Gardinen im Erker ihrer Wohnstube im Charlottenburger Danckelmann-Kiez gemütlich gemacht und studierte den Tagesspiegel. Doch plötzlich war Irmtraud Grimm „wie elektrisiert“. Auf der Stadtleben-Seite im Lokalen entdeckte sie ein großes Schwarz-Weiß-Foto aus den frühen 50er Jahren. Das Cover eines vorgestellten Bildbandes mit Fotografien aus der Berliner Nachkriegszeit. Eine junge Frau ist darauf zu sehen. Dynamisch läuft sie über die Kaiserdammbrücke, mit wehendem Rock und engem Pulli. „Ach du liebe Güte, das bin doch ich“, dachte Irmtraud Grimm. Aber gleich darauf war sie unsicher, holte eine Lupe.

Kein Zweifel. Sie erblickte sich selbst in jungen Jahren, im Frühsommer 1951. Gerade mal 19 geworden. Damals noch Fräulein Kühl, aber schon verlobt.

Das ist nun schon ein Weilchen her. Bild und Artikel sind Ende März dieses Jahres erschienen. Irmtraud Grimm zögerte erst „herauszuposaunen: Ich lebe noch!“. Aber dann ging alles ganz schnell. Sie hatte ihre Entdeckung ja schon ihrer Cousine und Freunden erzählt. Und alle meinten jedes Mal, wenn sie das Buch in einem Laden ausliegen sahen, da müsse man doch was draus machen. Schließlich rief die Cousine den Buchverlag, die „Edition Friedenauer Brücke“, an. Dessen Inhaber Evelyn Weissberg und Hermann Ebling trafen sich mit Irmtraud Grimm. Und sie lichteten ihr Covergirl, jetzt 62 Jahre älter, genau an derselben Stelle der Brücke ab wie einst der junge aufstrebende Fotograf Ernst Hahn, der mit seiner Rolleiflex das Nachkriegsberlin dokumentierte und sie vor die Linse nahm. Das Ergebnis seiner Streifzüge zeigt heute der Bildband.

Als allererste Zeitung rief Irmtraud Grimm danach gleich den Tagesspiegel an. Denn mit ihrer „Leib- und Magenzeitung“ hat sie eine große Strecke ihres Lebens verbracht. Von 1967 bis 1990 arbeitete sie in der Finanzbuchhaltung des Zeitungsverlages, damals noch am alten Standort an der Potsdamer Straße. Sogar das vordere in den 70er Jahren gebaute Bürogebäude stand anfangs noch nicht, erinnert sie sich. Ihr Büro war im Altbau am Hof. „Am Monatsende brachten uns Männer immer 100 000 DM in bar, die wurden cash in Lohntüten an Mitarbeiter ausgezahlt.“ Und den einstigen Verleger des Tagesspiegels, Franz Karl Maier, sieht sie noch vor sich. „Der sagte uns immer ganz höflich im Flur Guten Tag.“

Wohin wollten Sie, Frau Grimm, als Sie 1951 so eilig über die Brücke schritten? Und welche Farben hatten Ihre Kleider? Man sieht ja nur das Schwarz-Weiß-Bild. Also. Das ist ihr alles noch recht gut in Erinnerung. Sie trug naturlederne Schuhe, der Rock war himmelblau mit weißen Blümchen, und der Pulli hatte weiße Bündchen. Damals sei ihr Haar kastanienbraun gewesen, erzählt die noch immer recht schlanke 81-Jährige und streicht sich ein bisschen aufgeregt über die Haare, die heute etwas strenger gefasst sind. Damals war sie auf dem Weg zu ihrem Friseur, dem Salon Gerlach am Kaiserdamm, als sie sah, dass sie ein junger Kerl knipste. „Ob das wohl in der Zeitung erscheint?“, dachte sie noch.

Den Salon Gerlach gibt es bis heute am selben Platz, es ist weiter ihr „Traditionsfriseur“. Der Blick von der Kaiserdammbrücke nach unten aber hat sich geändert. Damals fuhren nur Züge über die Schienen. Heute rauscht daneben die Stadtautobahn. Irmtraud Grimm ist ihrem Charlottenburger Kiez treu geblieben. Ihr Vater hatte in der Nähe der Schlossstraße ein Installationsgeschäft, dort machte sie eine Lehre als Buchhalterin und arbeitete danach im Büro des Betriebes bis zum Sprung in den Tagesspiegel. Heute wohnt sie im Horstweg in einem Mietshaus von 1909. Lange Zeit hat sie dort mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann zusammengelebt.

Das Buch „Berlin um 1950“ hat sich Irmtraud Grimm längst gekauft. Im „Buch&Kunst“-Laden neben ihrem Friseur am Kaiserdamm. Auch so ein Traditionsgeschäft: „Das gab es bereits 1951.“

http://www.tagesspiegel.de/berlin/charlottenburgerin-entdeckt-sich-auf-buchtitel-du-liebe-guete-das-bin-doch-ich/9038590.html


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07.11.2013 - 15:10 Uhr     Von K. COLMENARES

1951: Fräulein Irmtraud Kühl, damals 20 Jahre alt, läuft den Kaiserdamm entlang                          Fotos: Ernst Hahn / Signalberg GmbH


Charlottenburg – Die unbekannte Brünette –

Titelbild auf einem der schönsten Berlin-Bücher.

„Wir fanden sie auf einem von 350 Bildern eines 62 Jahre vergessenen Fotoschatzes“, sagt Verlegerin Evelyn Weissberg. „Doch wir wussten nichts über die junge Frau.“

Im Mai hatte BILD die Geschichte des Fotografen Ernst Hahn veröffentlicht.

Auch die schöne Unbekannte in Schwarz-Weiß.

Berlin 1950/51: Dieser Foto-Schatz war 62 Jahre verschollen - Berlin - Bild.de

Niemand hat geglaubt, noch etwas über das Mädchen zu erfahren – doch jetzt meldet es sich!

„Ich bin das. Ich war damals 20 Jahre alt“, sagt Irmtraud Kühl (82). Bis heute lebt sie in Charlottenburg. Damals als unverheiratetes Fräulein noch bei ihren Eltern an der Soldauer Allee.

„Auf dem Foto war ich gerade auf dem Weg zum Friseur.“ Ein Tag vor dem Osterwochenende 1951, warm. „Der Rock war bequem, dunkelblau mit weißem Muster.

Das Oberteil war aus hellblauer Wolle gehäkelt.“

Irmtraud war damals als Bürokraft beim Installateurbetrieb ihres Vaters angestellt.

Obwohl noch nicht einmal verlobt, lebte ihre große Liebe Gerhard schon mit der Familie unter einem Dach.

„Mit 17 hatte ich ihn beim Tanzen kennengelernt, in Falkensee, bei unserem Gartenhaus. Nachdem Gerhard aus dem Osten floh, lebte er bei uns. Darüber war ich glücklich.“


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Euer tolles Fotobuch liegt ja seit geraumer Zeit auf meinen Coffee-Table und sämtliche Besucher, die zu mir kommen und es sich anschauen sind begeistert.

Gestern erlebte ich den Höhepunkt: Meine Eltern (waschechte Berliner), die Berlin noch von der Nachkriegszeit kennen, waren bei mir und wollten das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Kathleen Herbst, Berlin, den 23.10.2013

Kamerafrau und Fotografin


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Photo Internatiomal 6|2013,  23.10.2013


von Hans-Michael Koetzle:

Trümmerjahre an der Spree

Bis vor kurzem war der Name des 1926 in Nowawes (heute Potsdam-Babelsberg) geborenen Ernst Hahn vor allem verknüpft mit der Ulmer HfG. Nach Abitur und Fotostudium in Zürich bei Hans Finsler kam Hahn 1955 an die eben fertiggestellte Hochschule für Gestaltung, wo er bis zum Ende der Ära Bill als Werkstattleiter und technischer Leiter für Fotografie tätig war. Mit seinen Aufnahmen der in Sichtbeton ausgeführten HfG-Gebäude, den schlichten Interieurs oder seinen Produktfotos (Stichwort: Braun-Design) hat Hahn unsere Vorstellungen von der jungen HfG maßgeblich geprägt. Berühmt wird man damit nicht. Doch hat sich Hahn stets und vor allem als verlässlicher Dienstleister verstanden, als versierter Techniker, der – ohne nach der Kunst zu schielen – bleistiftkleine Stecker ebenso ins rechte Licht zu rücken weiß wie mannshohe Maschinen. Das galt für seine Zeit bei Kodak (1956-59), sein Wirken für die Werbeagentur Bläse (1959-61) oder seine
Jahre bei Siemens in Berlins, wo er von 1961 bis zu seiner Pensionierung das hauseigene Fotoatelier leitete. Dass es neben der Auftragsfotografie noch ein anderes, ein persönliches Werk gab, zeigte sich erstmals bei der Hamburger Ausstellung "Eyes on Paris" (2011), wo Hahn mit einer an Brassaï erinnernden Schülerarbeit zum Thema nächtliches Paris vertreten war. Nun überrascht der stets bescheiden auftretende Fotograf mit Berlin-Bildern aus den frühen 50er Jahren – eine Entdeckung.
Mehrfach 1950 und 1951 war Hahn von Zürich aus zu den Eltern nach Berlin gereist – im Gepäck die Rolleiflex und wenige abgezählte Filme. Nicht ganz 400 Aufnahmen aus der Zeit des aufkeimenden "Wirtschaftswunders" sind so entstanden, von denen eine einzige im Mai 1950 in der Neuen Zürcher Zeitung publiziert wurde. Alle übrigen wanderten, sorgfältig in Pergamin gehüllt, in eine Blechkassette, wo sie erst unlängst aufgefunden wurden. Auf Anhieb fühlt man sich bei den Berlin-Fotos von Ernst Hahn an Fritz Eschen oder Henry Ries erinnert.
Auch Hahn dokumentiert den Alltag in Ruinen, wobei nicht zuletzt die Themenpalette überrascht und überzeugt. Hahn blickt auf Häuser im Abriss, erkundet Brachen, leere Straßen, schaut auf aufkeimendes Kleingewerbe oder in Gestalt von Plakaten auf Propaganda – West und Ost. Auch Politiker (Ernst Reuter) rückt er ins Bild, ohne in die Gattung der Reportage zu verfallen. Sogar Graffiti hat er aufgenommen. In der Summe folg Hahn einem klaren, unsentimentalen Blick. Seine Bilder sind überlegt gebaut, ohne "Kunst" sein zu wollen. Eher ausnahmsweise gestattet er sich ungewöhnliche Blickwinkel. Hahn sieht sich vor allem als Zeitzeuge und Chronist. Das macht seine Bilder so bedeutend – als Quellen für Historiker und für die Fotowelt als in sich schlüssige, persönliche Sequenz.

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http://blog.inberlin.de/2013/09/buchbesprechung-berlin-um-1950-fotografien-von-ernst-hahn/24.9.2013

Berlin um 1950 – Fotografien von Ernst Hahn

Ob Einheimische oder Touristen, viele fragen sich, warum sieht Berlin so aus, wie es aussieht. Straßen mit einem großen Mix von Alt- und Neubauten. Insbesondere die Mitte Berlins hat sich über die Jahrzehnte stark verändert. Wie sahen die Berliner Straßen und Plätze aber damals aus? Wobei der Begriff “damals” auch wieder relativ ist, jedoch wird meistens die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg betrachtet. Diese menschliche Tragödie hat starke Spuren bei den Menschen und in den Städten von Europa hinterlassen. Ein Zentrum der Zerstörung davon war Berlin.

1950 ein junger Deutscher, geboren in Potsdam-Babelsberg, war zu Besuch in Berlin. Die Jahre zuvor war er in der Schweiz, wo ihm bei der tückischen Krankheit: Tuberkulose geholfen wurde, anschließend studierte er Fotografie. Sein Name war Ernst Hahn. Auf seinen Streifzügen nahm er die damalige Realität auf. Eine Realität die für alle Beteiligten schwer zu greifen war, auch fünf Jahre nach dem Krieg. Die Aufräumarbeiten waren noch lange nicht zu Ende, die Innenstadt hat viele Lücken bekommen. Aber es gab schon Hoffnungsschimmer, gerade im Westen der Stadt, gab es Neubauten und Geschäfte wurden wieder eröffnet. Gleichzeitig war schon ein Gegensatz zwischen den Systemen der Siegermächte zu spüren, Amerikaner auf der Westseite und die Russen auf der Ostseite. Politische Losungen waren überall anzutreffen, sogar das Brandenburger Tor musste dafür herhalten.

Die Bilder hinterlassen teilweise ein zwiespältigen Eindruck im Hinblick auf das Wahrgenommene durch die Augen des Betrachters. Es ist schwer zu begreifen, was damals passiert ist und in welch einer trostlosen Umgebung die Menschen leben mussten. Bewundernswert ist daher der Mut der damaligen Bevölkerung, sich damit zu arrangieren wenn auch in Form der Verdrängung. Ein Lachen ist auf den Bildern kaum auszumachen, wenn überhaupt zu sehen bei einigen Kinderbildern, für die manche Trümmerflächen Abenteuerspielplätze waren. Ernst Hahn fotografiert bekannte Orte und Plätze wie die Friedrichstraße, Unter den Linden, Potsdamer Platz oder der abgeholzte Tiergarten. Aber auch beschädigte Gebäude wie das Wertheim-Kaufhaus am Leipziger Platz oder das Stadtschloss in Mitte werden auch Mittelpunkt seiner Aufnahmen. Der eigentliche Schwerpunkt sind jedoch die Menschen, die mehr oder weniger mit der Umgebung agieren, entweder pragmatisch vor Trümmerlandschaften oder am Kurfürstendamm in langsamer Anbahnung an lang vergessenen Luxus wie Modeläden, Kinos oder Cafe´s.

In den einzelnen Kapiteln wird der Betrachter mit Einleitungen von Hermann Ebling begleitet, dies findet in einem sachlichen und unaufgeregten Ton statt. Das allgemeine Vorwort zum Buch kommt von Fr. Annemarie Jaeggi. Zu empfehlen ist das Buch für alle Berlin Interessierten und Leser welche auf eine, wenn auch nicht einfach zu verstehende, Zeitreise gehen möchten. Erhältlich in jedem guten Buchhandel oder direkt beim Verlag.

Norbert Wollweber, inBerlin, Pestalozzistr. 95, 10625 Berlin

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www.bz-berlin.de/bzblogs/westendblog/2013/06/24/kaiserdamm-1950/

Ohmanns Westend-Blog  Kaiserdamm 1950   24. Juni 2013 20:06 Uhr

Letzten Samstag ging ich zum Friseur. Wie seit vielen Jahren zu Silvia, im Salon Gerlach, an der Kaiserdamm-Brücke.

Gleich neben dem Salon ist der kleine feine Buchladen, den ich dann immer aufsuche. Diesmal fand ich einen Bildband, den ich vorstellen möchte. Er heißt “Berlin um 1950 und versammelt Fotografien von Ernst Hahn. Auf dem Titelbild eine Dame, die den Kaiserdamm entlang spaziert. Aufgenommen vor 63 Jahren, ungefähr an der Stelle, an der ich das Buch kaufte (39,90 Euro) und frisiert wurde.

Im Bildband finden sich über 100 Fotos, die Ernst Hahn, damals Student der Kunstgewerbeschule Zürich, eher beiläufig aufnahm. Geboren 1926 in Babelsberg, wurde er später (für fast drei Jahrzehnte) Leiter des Siemens-Fotoateliers in Berlin.

In dem Bildband, herausgegeben von Hermann Ebling, erfuhr ich viel über die Welt meiner Elterngeneration. Da ist zum Beispiel das Foto auf Seite 73. Es zeigt die Rathenower Straße, Ecke Perleberger, in Moabit.

“Hier rechts, oben dritter Stock”, sind wir aufgewachsen, erklärte mir meine Tante Gerda als ich mit ihr zusammen durch das Buch blätterte. “Da standen 1950 noch die schönen Linden vor dem Haus. Haben sie dann gefällt, eine Schande.” Den kleinen Jungen auf Seite 84, von Hahn auf dem Moabiter Rummel abgelichtet, den kannte Gerda auch. Und den Stettiner Bahnhof (Seite 76), den hasste sie. Da nahm sie immer Abschied. Von meinem Opa, ihrem Vater, wenn sein Urlaub vorbei war, noch im Krieg.

Ich selbst liebe das Foto auf Seite 103. Da stehen drei Männer am Eingang des U-Bahnhofs Kaiserdamm.
Zwei sind alt (tragen Hut und Stock), einer ist jung (mit kurzen weißen Hosen, wie ein Tennisspieler). Das ist nämlich MEIN U-Bahnhof, sogar mein Eingang. Auf die Häuser gegenüber schaute der Balkon meines Kinderzimmers. Meine Ecke, mein Pflaster.

Auf Seite 105 sieht man sogar, ganz in der Ferne, unser altes Wohnzimmer. Kaiserdamm 27, im Vordergrund eine Frau, die Mauersteine stapelt (da baut gerade BMW seine neue Berlin-Zentrale). Die dritte Leitersprosse von oben (bitte Lupe nehmen) und das Haus dahinter – ja, genau da stand unser Weihnachtsbaum.

…und was man auch noch sieht, das ist die Liebe, ein Kuss, mit Selbstauslöser (Seite 202). Daneben Schulkinder und die vielen Ruinen, feine Damen auf dem Kurfürstendamm, Ernst Reuter vor dem Reichstag. Eine Frau, die die Bismarckstraße entlang marschiert (Seite 91). Auf den ersten Blick, könnte das meine Oma sein. Aber nee, die lebte ja Rathenower, Ecke Perleberger. Drei Treppen in Moabit, mit den duftenden Linden vorm Balkon. Tante Gerda war ja dabei.

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PHOTO PRESSE 14, Juli 2013, von Wolfgang Kubak

Berlin um 1950 –

Fotografien von Ernst Hahn

Der Band „Berlin um 1950“ vereint etwa 280 noch nie veröffentlichte Fotografien, die der gebürtige Potsdamer Ernst Hahn (Jahrgang 1926) als junger Student im Nachkriegs-Berlin angefertigt hat. Die Stadt war damals noch stark von der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, aber auch schon vom Kalten Krieg und der Teilung durch die Alliierten in Ost und West gezeichnet. Als Ernst Hahn in den beiden Frühjahren 1950 und 1951 jeweils mehrere Tage lang mit seiner Rolleiflex-Kamera durch verschiedene Bezirke Berlin streifte und bei diesen Spaziergängen unzählige Fotos schoss, war die Stadt zwar schon politisch gespalten, aber noch nicht durch eine Betonmauer geteilt. Hahns Bilder zeigen Trümmer und Ruinen, die die Berliner in allen Teilen der Stadt noch zu beseitigen hatten. Gleichzeitig zeigen die Aufnahmen schon deutliche Unterschiede im Stadtbild, die auf die Teilung in Ost und West hinweisen. Dem Verlauf von zehn Spaziergängen folgend, die Ernst Hahn bei seinen Berlin-Besuchen unternommen hat, ist das Buch in zehn Kapitel aufgeteilt. Jedes wird durch einen Text von Hermann Ebling eingeleitet, der die auf den Fotos abgebildeten Straßen, Plätze und Begebenheiten sowie historische Hintergründe kenntnisreich beschreibt.


Hahns 1950 und 1951 in nur wenigen Tagen entstandene Berlin-Aufnahmen fanden damals keine größere Beachtung. Erst nach mehr als 60 Jahren, als der Fotograf im Jahr 2012 das Verleger-Ehepaar Evelyn Weissberg und Hermann Ebling damit beauftragte, sein umfangreiches Archiv zu ordnen und Teile davon in Form von Publikationen einem größeren Publikum zugänglich zu machen, wurden diese einmaligen Zeitdokumente wiederentdeckt.

Hahns Fotografien zeigen auf der einen Seite das nahezu unfassbare Ausmaß der Zerstörung Berlins. Auf der anderen Seite hält der Fotograf genau beobachtend und mit großer Anteilnahme und Intensität fest, wie die Bewohner Berlins beginnen, die Ruinen wieder mit großstädtischem Leben zu erfüllen. Während Ernst Hahn bei seinen Spaziergängen durch die Stadtviertel im Ostteil Berlins vor allem Straßenszenen und Gebäude festhielt, an denen Banner mit politischen Losungen zu finden waren, dominieren im Westteil Kinoreklamen, Plakate, die für den Besuch eines Frühlingsballs werben und Wirtschaftswunder-gefüllte Schaufensterauslagen die Straßenszenen.

So sind Hahns Berlin-Fotografien beeindruckende zeitgeschichtliche Dokumente.

Und sie sind mehr als das. Der damalige Student der Fotoklasse von Hans Finsler an der Kunstgewerbeschule in Zürich fotografierte bei seinen Spaziergängen durch Berlin mit geschultem Auge für Bildgestaltung und Komposition. Er probierte bei seinen Berlin-Bildern verschiedene Herangehensweise aus, die zum „offenen Angebot“ der Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Zürich zählten, beispielsweise Reportage, Kurzserie oder Dokumentation.

Ein bemerkenswerter Beleg für die Experimentierfreude Ernst Hahns ist vor allem ein Selbstportrait vor dem Schaufenster eines Spiegelfachgeschäfts, bei dem das Abbild des Fotografen kunstvoll gespiegelt und mehrfach gebrochen inmitten des von der Schaufensterscheibe reflektierten, behelfsmäßig aufgebauten Berlin erscheint. Nicht nur der Rezensent als alter Berliner konnte in diesem Band auf Spurensuche gehen. Das Buch spricht jeden an Geschichte und gekonnt gemachter Fotografie Interessierten an.


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Zuschrift per mail am 2.6.2013

von Christine di Gropello, Florenz

Die ersten Aufnahmen von Ernst Hahn – zuerst grosse Stille, Leere, Stillstand, etwas von der Logik nicht ergreifbares ist passiert, Menschen wie Roboter. Mit Obhut blättert man weiter, sachte kommt Leben in die Bilder, Frauen in guter Kleidung, spielende Kinder, Menschengruppen ------  dann der krasse Unterschied im Tempo der Veränderungen in Ost und West.Überwältigend, was Berliner in 5 Jahren geleistet haben!!!!

Ein lebendiger Text, der langwierige Recherchen beweist, mit eingeblendeten Literatur-Auszügen (Roth, Isherwood, Zuckmayer ----) begleitet die Photos von "Berlin um 1950".

Die Qualität der schwarz-weiss-Aufnahmen und die rigorose Folge und Aufmachung der Dokumente auf grosszügigem Papier (matt, kein Glanz!) ergänzen den historischen Wert dieses Buches.

Ich wünsche der edition Friedenauer Brücke einen überwältigenden, verdienten Erfolg und warte auf weitere schöne Bücher.


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Trauer, Hoffnung, Aufbruch 

Amazon-Kundenrezension von Konrad Gutschke


„Berlin um 1950", ein Bildband mit Fotografien von Ernst Hahn, bildet unter den Bildbänden über Berlin, die ihren Focus auf bestimmte Inhalte wie z. B. die Ruinenlandschaft, den Wiederaufbau, das beginnende Wirtschaftswunder, die ramponierte Architektur richten oder die in der Absicht, ein Abbild der 50er-Jahre darzustellen, eine Sammlung heterogener Gegenstände vorlegen, möglicherweise in Form eines schönen dekorativen Bildbandes, eine einzigartige Ausnahme.

Der Beschauer der Bilder kann einem hochbegabten jungen Fotografen, der für zwei kurze Besuche aus der Schweiz nach Berlin gekommen ist, auf seinem Weg durch die Stadt minutiös folgen. Er kann „eintauchen" in die Stadt Berlin, in das Jahr 1950 und in das Frühjahr 1951 und mit dem Fotografen staunen, trauern, klagen, aber auch hoffen und sich am aufkeimenden Neuen, das wenig später als Wunder gilt, erfreuen. Wer der „Bildergeschichte" folgt und sich von ihr gefangen nehmen lässt und nicht sofort seine eigenen Einfälle dagegen setzt, dem wird hier gewissermaßen eine Musik geboten, die Höhen und Tiefen durchschreitet, ohne je aufdringlich und einseitig zu sein.

Dass dieses Buch einzigartig ist, kann an dieser Stelle allerdings nur eine Versicherung sein. Zumal die Gründe, die dieses Urteil nahelegen, hier nur summarisch und in aller Kürze dargestellt werden können.

1. Die Fotografien sind nicht nur professionell, sondern treffen das Innere der fotografierten Gegenstände. Sie verzichten auf alles Sensationelle, Spektakuläre und Eigenwillige. Das Originelle ist hier das Puristische, die unbedingte Konzentration auf den lebendigen Inhalt. Nicht nur der ganze Bildband erzählt eine Geschichte, sondern jedes Bild und beinahe jedes Detail: Die in zwei sich widersprechende Lager zerfallene Stadt, jedes mit seiner Wirklichkeit, die Menschen in der Trümmerwüste, die Demontage, das Aufräumen, der beginnende Wiederaufbau, das Leben auf den Straßen, der erste zögerliche Luxus auf den Straßen und hinter Schaufenstern, das Marktgeschehen, die spielenden Kinder, die Arbeit, die Beschaulichkeit, die Einigkeit im Bewusstsein der Freiheit und die Parolen, die die Freiheit beschwören.

2. Der Text von Hermann Ebling tut ein Übriges. Während die Bilder die Anschauung, die Wahrnehmung und das Gefühl beanspruchen und befriedigen, richten sich die Worte an das Verständnis. Diese wollen aber nichts induzieren; keine Botschaft" verkünden. Vielmehr stellen sie die Zeitumstände und Hintergründe vielschichtig und eindringlich dar. Indem Hermann Ebling vor allem die Quellen" und Menschen jener Zeit gewissermaßen zu den Bildern sprechen lässt, wird die Authentizität der Fotografien vertieft und für das Begreifen jener Zeit werden die notwendigen Voraussetzungen geschaffen.

3. Die Gestaltung des Buches ist wie immer bei den Büchern der edition Friedenauer Brücke" unaufdringlich, aber gediegen. Sie steht ganz im Dienst der Sache.

Wer 1950/51 in Berlin war, wird sich in dem Bildband Berlin um 1950" wie in einem Spiegel selbst anschauen und in dem Text erkennen können. Alle anderen aber finden hier ein unschätzbares Dokument und eine ungetrübte Quelle zur Kenntnis und vielleicht auch Erkenntnis der Zeitgeschichte einer Stadt und seiner Menschen, eines Landes, eines Weltkonfliktes.


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ZEIT online, 30.5.2013:


Im zerbombten Berlin fotografieren üben

Kaum Verwüstung, dafür erschreckende Leere: Der Bildband "BERLIN um 1959" zeigt Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Anstatt Nachkriegschaos sieht man aufgeräumte Straßen, sorgfältig aufgetürmte Backsteinhaufen und fein gekleidete Menschen. Die Bilder nahm der damals 23-jährige Fotografiestudent Ernst Hahn Berlin bei seinem ersten Berlinbesuch nach dem Krieg auf – eigentlich nur zur Übung.

Mehr als 60 Jahre lagen sie ungesehen in einer Blechbüchse, bis Verleger Hahn im vergangenen Jahr dazu überredeten, sie zu veröffentlichen.



Eine Leserempfehlung, 30.5.2013

Das ist Zeitgeschichte pur! Die an der kleinen Baustelle spielenden Kinder sind mein Jahrgang. Kann sich die jüngere Generation überhaupt das Ausmaß der Zerstörung und die beeindruckende Aufbauleistung bis in die 70er Jahre vorstellen? Heute bekommt man nicht einmal einen Flughafen gebaut!

Gratulation an ZEIT-online für die Veröffentlichung!


Im zerbombten Berlin fotografieren üben | Wissen | ZEIT ONLINE

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BERLIN STORY

Rundschreiben Nr. 46, Sommer 2013:

Beim Vorwort ist ein Foto der Rolleiflex des jungen Fotografen Ernst Hahn zu sehen mit der Blechschachtel, in der sich die mehr als eintausend Negative befanden, die er 1950 und 1951 aufnahm. Hahn sieht im Osten und im Westen Gebäude, Trümmer, Menschen bei der Arbeit. Oft fotografiert er ganze Serien, wie ein Kabel gezogen wird, wie ein Straßenhändler Ware feil hält, wie sich seltsame Wege durch den abgeholzten Tiergarten ziehen und womit Kinder spielen. Es ist ein Mode-, Architektur-, Technik-Beobachtungsbuch. So fing alles nach dem Krieg wieder an. Hahn hat, vielleicht weil er so jung war, unbekümmert mit der Kamera

draufgehalten. Das macht das Buch so vielfältig, so liebevoll.

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"Zeitreise" 25. April 2013    Hacker & Presting - Buchhandlung


Liebe Kunden und Freunde der Buchhandlung Hacker und Presting,

Lust auf Déja vus, Flashbacks und Retro-Gefühle?

Diese Bücher sind kleine Zeitmaschinen!

Back to the...50ies:

Berlin um 1950

Berliner Frühling - 1950 streifte der junge Fotoschüler Ernst Hahn mit seiner Rolleiflex durch das in Trümmern liegende Nachkriegsberlin und wollte "gar nüscht weiter" als fotografieren, fotografieren, fotografieren. Umso echter, schlichter und realistischer sind diese Bilder: Niedergemähte Parks, seltsam blanke Straßenzüge, von Einschußlöchern gezeichnete Ruinen, Klicker spielende Kinder, bummelnde Ku'damm-Damen, fliegende Händler... brutale Zerstörung und adrette Zukunftshoffnung bilden die berührenden Kontraste dieses einzigartigen Bildbandes, in dem sich Berliner Kriegs- und Nachkriegskinder selbst wiederfinden und alle anderen auf Spurensuche gehen können...

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www.text-der-stadt.blogspot.com       von Michael Bienert, Mittwoch, 17. April 2013


Mit der Kamera durchs Nachkriegsberlin

Überall stehen noch Ruinen herum, als der Fotografiestudent Ernst Hahn 1950 und 1951 die Stadt Berlin mit seiner Rolleiflex durchstreift. Der Tiergarten ist fast baumlos, er fotografiert die Reste des Hotels Adlon und der Akademie der Künste am Pariser Platz, die versehrte Kuppel des Stadtschlosses vor der Sprengung. Dazwischen Verkaufsbuden, Menschen und Propaganda: "Deutsche Jungen und Mädel, die Hauptstadt Deutschlands erwartet euch!" steht in großen weißen Buchstaben auf dem Brandenburger Tor. Berlin aus der Fußgänger-perspektive: Am Kurfürstendamm hält sich der junge Mann unauffällig die Kamera vor den Bauch, um die Passanten zu fotografieren. Die Schwarzweißbilder von Ernst Hahn ziehen den Betrachter unwiderstehlich in dieses fremde, verschollene Berlin hinein. Jahrzehntelang lagerten die Negative vergessen von ihrem Schöpfer in einer Blechdose, jetzt haben Evelyn Weissberg und Hermann Ebling in ihrem Verlag Friedenauer Brücke ein wunderschönes, sorgfältig komponiertes und kommentiertes Berlinbilderbuch aus dem Überraschungsfund gemacht. Die Bilder sprechen für sich, die Texte erlauben eine zweite Lektüre der Fotos mit profundem Hintergrundwissen über die Zeitumstände und Verortung der Bildmotive. Ein tolles Berlinbuch, besser hätte man diesen Schatz gar nicht präsentieren können.

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Sehr geehrte Frau Evelyn Weissberg,

die Postbotin brachte mir heute ein ebenso unerwartetes wie großartiges Geschenk ins Haus:

Das wunderschöne – aber auch erschütternde – Buch „Berlin um 1950“ von Ernst Hahn. Ich danke sehr herzlich dafür.

Herrn Hahn werde ich natürlich auch schreiben, per Papier-Post. Aber heute an Sie, liebe Frau Weissberg, nur ganz schnell meine begeisterte Reaktion auf Ihre Sendung.

Also noch einmal DANKE und sehr freundliche Grüße

von Ihrer Hedwig Wingler

16.4.2013

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STADTTEILZEITUNG BERLIN Schöneberg-Friedenau; 5.05.2013, von Sigrid Wiegand 


Berlin um 1950

Man solle „die Alten“ befragen, solange sie noch da seien, heißt es jetzt allenthalben, man solle sich von ihnen erzählen lassen, wie es gewesen sei, das Leben im Nationalsozialismus, im Krieg, in der Nachkriegszeit.

Zeitzeugenbörsen sind entstanden, alte Menschen erzählen von ihrer Jugend, vom Leben im Krieg, auf der Flucht, als Kinder, als Soldaten an der Front. Manches wird angezweifelt, weil Erinnerungen auch trügerisch sein können, die Gefahr von Vermischung mit späterem Wissen, nachträglichen Erkenntnissen besteht.

Bilder frieren den Augenblick ein

Eine ganz andere Art der Zeitzeugenschaft hat die edition Friedenauer Brücke mit ihrem Fotoband „Berlin um 1950“ dokumentiert. Bilder sprechen eine eigene Sprache. Keine Erinnerungstäuschungen, Fotos frieren den Augenblick ein. Der 1926 geborene Fotograf Ernst Hahn ist in den Jahren 1950 und 1951 mit seiner Rolleiflex durch Berlin gestreift und hat das Bild der zerstörten Stadt festgehalten.

Eine Auswahl von Abzügen seiner sorgfältig sortierten und aufbewahrten Negative hat die Edition in einem 200seitigen Bildband herausgebracht, Bilder, die zeigen: so war es, so hat Berlin ausgesehen fünf, sechs Jahre nach Kriegsende. „Man dachte, das ist so wie nach dem Dreißigjährigen Krieg und es würde ewig dauern, bis sich das wenigstens ein bisschen wieder normalisiert. Und dann war es ja eine relativ geringe Ewigkeit. Hier im Westen war ja schon 1950 eine relative Normalisierung erreicht, wenn auch natürlich noch alles kaputt war“ schrieb die Schriftstellerin Ingeborg Drewitz im Januar 1986.


Das „normale Leben“

Wie kaputt alles war, zeigen die ohne künstlerische Ambitionen aufgenommenen Schwarz-Weiß-Fotos von Ernst Hahn; aber sie führen uns auch die „relative Normalisierung“ vor, von der Drewitz sprach. Der Fotograf hat seine Schnappschüsse in verschiedenen Berliner Bezirken „geschossen“, sie erzählen vom wieder erwachten „normalen“ Leben in der Stadt: einerseits die Zerstörungen (eine Tafel zeigt die Kriegsschäden im Berlin von 1945 mit ihrer Ballung in Mitte und den nordöstlichen Bezirken); dann im nächsten Schritt die von den Trümmerfrauen geputzten Mauersteine, die in Stapeln von je 200 Steinen aufgeschichtet, eine erste Ordnung in den Trümmerwüsten herstellen; Lastkähne fahren den Schutt ab, bringen Baumaterial. Wiederaufbau in West und Ost. Kinder spielen wie eh und je auf der Straße, Menschen spazieren im kahlen Tiergarten, Straßenändler bieten Seltsames feil. Westberlin hat die Luftbrücke hinter sich und ist auch noch nicht wieder richtig auf die Beine gekommen, es sieht alles noch etwas ärmlich aus. Außer auf dem Kurfürstendamm. Man glaubt es kaum: hier hat schon wieder die Eleganz Einzug gehalten! Man machte sich fein, Ernst Hahn hat schicke Autos und luxuriöse Schaufensterauslagen festgehalten – die Gleichzeitigkeit des Ungleichen. So wie die Stadt einmal war mit ihren armen und reichen Bezirken, so ersteht sie auch wieder. Neu ist die Teilung in Ost und West mit ihren unterschiedlichen Bedingungen, auch sie sind dokumentiert: Westberlin feiert den 1. Mai 1951 auf dem Platz der Republik, Ernst Reuter hält seine flammenden Reden; in Ostberlin trifft sich die Jugend der Welt – die frühen Jahre der Teilung der Stadt, als es noch keine Mauer gab.

Ein Stück Stadtgeschichte

Man kann in dem Bildband blättern und die Atmosphäre der Bilder auf sich wirken lassen; man kann aber auch in den verbindenden Texten von Hermann Ebling die Wege Ernst Hahns durch das Berlin der Nachkriegszeit nachvollziehen und die politische Entwicklung der ehemaligen Hauptstadt verfolgen, ergänzt und vervollständigt durch einen historischen Abriss über die Entstehung von Stadtmitte, Cölln und Berlin, sowie literarische und journalistische Berichte aus den letzten hundert Jahren. So ist ein Stück Stadtgeschichte im weitesten Sinne entstanden, ein schönes und interessantes Buch, das uns, die wir die Nachkriegszeit erlebt haben, noch einmal alles in Erinnerung ruft und den nachgeborenen Generationen ein Bild vom alten und vom bombenzerstörten Berlin und seiner Wiederentstehung vermittelt.


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STILBRUCH Das Kulturmagazin vom RBB Do 18.04.13 22:15


Ernst Hahn: "Berlin um 1950"

Mehr als 60 Jahre lang lagen seine Bilder in einer Blechschachtel - die Aufnahmen des Fotografen Ernst Hahn aus den 50er Jahren. Bilder von Streifzügen durch das kriegszerstörte Berlin.

Jetzt erscheinen die Zeugnisse des mittlerweile 86-Jährigen in einem Fotoband.

Eine alte Blechschachtel mit mehr als 1000 Foto-Negativen. Der 86-jährige Fotograf Ernst Hahn hatte die Kiste längst vergessen, als er sie nach 60 Jahren beim Aufräumen in seiner Wohnung in Wilmersdorf wieder findet. Ein vergessener Schatz. Jetzt sind die Fotos erstmals in einem Bildband erschienen: Berlin in den 50er Jahren.

Wie in einem Tagebuch hat Ernst Hahn die Atmosphäre im Nachkriegsberlin fotografisch festgehalten.


Ernst Hahn, Fotograf:

"Also, es ging ein Gefühl der Erleichterung nach dem schlimmen Kriegsende, ging bestimmt durch die Bevölkerung, in dem die sich also wirklich appetitlich auf den Straßen und nicht zerlumpt gegeben hat. Da war also unbedingt Zuversicht."


Im April 1950 kommt Ernst Hahn zum ersten Mal nach dem Krieg wieder nach Berlin. Der 23-Jährige studiert damals Fotografie in der Schweiz. Seine in wenigen Tagen entstandenen Aufnahmen finden aber keine besondere Aufmerksamkeit. Er dokumentiert das Straßenleben:

Spielende Kinder in Moabit oder Marktverkäufer in Tempelhof. Ohne Auftrag fotografiert er die Stadt, wie einer, der sie neu entdeckt.


Ernst Hahn, Fotograf:

"Ich bin losgelaufen aus irgendeinem Wandertrieb, und da bin ich also von Tempelhof aus, vom T-Damm aus einfach planlos losgelaufen Richtung Zentrum, durch die abgebildeten Straßen gelaufen ohne Stadtplan. Bei diesen Gelegenheiten sind mir die Motive begegnet."


Im Frühjahr 1951 kommt Ernst Hahn wieder nach Berlin. Er besucht seine Eltern in der Sowjetischen Besatzungszone in Potsdam und erkundet nebenher mit seinem Bruder die Berliner Künstlerkneipen, wie zum Beispiel die "Volle Pulle" in Charlottenburg.


Ernst Hahn, Fotograf:

"Ich habe ihm gesagt: Stell Dich doch mal bitte in die Tür, um zu zeigen, wozu das Loch in dem großen Weinfass oder Bierfass eigentlich da ist. Also, das war so das einzige arrangierte Foto, gestellte Foto."


Ernst Hahn wird im Krieg wegen einer schweren Tuberkulose ausgemustert. Statt nach Stalingrad, wird er in die Schweiz zur Kur geschickt. Dort studiert er nach dem Krieg Fotografie und Gebrauchsgrafik an der Kunsthochschule Zürich bei dem berühmten Maler Johannes Itten. Der ermöglicht dem talentierten Deutschen sogar ein Stipendium.

Von Itten bekommt er den Tipp, in den Semesterferien Fotos in Berlin zu machen. Erst später wird Ernst Hahn klar, dass er in der Bildsprache der Neuen Sachlichkeit fotografiert hat. Es ging ihm nicht um Kunst, sondern um die genaue Wiedergabe der Lebensbedingungen.


Ernst Hahn, Fotograf:

"Vielleicht war ich der Einzige, der just in diesem Moment, wo die Schlossfreiheit und der Schlossplatz - nebenbei hingen sogar noch die kyrillischen Buchstaben - abgesägt wurde, da war wirklich Preußen und das deutsche Reich am Ende, indem Schlossfreiheit und Schlossplatz liquidiert wurden."


Ernst Hahns wiedergefundenen Fotos erinnern daran, wie viel Geschichte sich hinter jeder Berliner Straße und jedem Gebäude verbirgt. Es sind wertvolle Zeitdokumente und vor allem großartige Bilder.


Autorin: Margarete Kreuzer

http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_18_04/ernst_hahn_berlin_um_1950_fotografien.html


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Ein herzliches Dankeschön!! 

… Nun sehe ich Ihre Aufnahmen mit Menschen, mit Bewegung, Schnappschüsse fast – der Gegensatz zu Eschens statuarischen Aufnahmen ist faszinierend!

Hedwig Wingler, April 2013, aus einem Brief an Ernst Hahn


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88,8, Radio Berlin RBB, Bücher-Tipps, Monika Burghard, 7.4.2013


Berlin um 1950 - Fotografien von Ernst Hahn

Bilder aus dem Berlin "zwischen den Zeiten". Die Stadt in Trümmern mit den ersten Zeichen des Neubeginns. Menschen, die scheinbar ungerührt ihren Alltag leben. Ein rührend hoffnungsfrohes Zeitdokument.

Berlin zwischen Trümmern und Aufbau
Ganz großartiger Band, eben weil Bilder aus dieser Umbruchszeit damals zwischen Trümmer und Neubau nicht so häufig sind, und weil das doch so eine besondere Zeit war, besonders hier in Berlin.
Und dann so ein Bild wie das vom Berliner Dom, sieht irgendwie abrasiert aus, Kuppel weg, Türme fehlen - und davor - eine Wüste. Nichts.
Eine kahle Fläche, wo wir doch von heute nur tobendes Leben kennen, man hat sogar Probleme, den genauen Standort des Fotografen zu bestimmen. 

Alles sieht so fremd aus, komplett anders.

Spuren vom Wiederaufbau
Das Berolina-Haus am Alex ist schon da, das Alexanderhaus in der Dircksenstraße. Da sieht man schon etwas vom neuen Berlin, ein bißchen, aber immer noch dabei: weite Brachflächen, Leere.
Ganz besonders leer ist der Tiergarten, ein Blick von der Siegessäule - da unten in weiter Ferne der Funkturm, bis dahin: viel Platz für Zukunft.

Hoffnung auf den Neubeginn
Sehr spannend die Spurensuche von vorher und die Zeichen auf's Heute gewissermaßen.
Dann sind da ja auch noch die Leute, die Berliner, die spielenden Kinder im Wedding, der Mann in Hut und Trenchcoat, der an der Ruine vom Stettiner Bahnhof vorbeischlendert, als wär gar nix, Kinder auf dem Rummel in Moabit.
Massen von Menschen am 1. Mai 1951 vor dem Reichstag, auf dem Wittenbergplatz - links KaDeWe, kaputt, vorne Gedächtnskirche, kaputt, aber auf dem Wittenbergplatz sprießt der erste Rasen.
Irgendwie rührend hoffnungsfroh - ganz tolle Bilder, zwischen den Zeiten.


http://www.radioberlin.de  buchtipps

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Liebe Evelyn,

das ist ja ganz großartig. Herr Hahn ist bestimmt schon aufgeregt - so viel Echo hat er vermutlich nicht erwartet. Und ich kann nur immer wieder sagen: nicht allein seiner Fotos wegen ist dieses Echo verdientermaßen groß, sondern weil Ihr ein so tolles Buch daraus gemacht habt. Die Fotos erschließen sich durch das Lesen der wunderbaren Texte erst richtig. Die Texte bilden beim Lesen eine Basis, auf der die Fotos erst ihre doppelte Wirkung entfalten: als Fotografien und als zeithistorisches Dokument. Großartig, großartig!

Es ist einfach ein großes Glück, dass Ernst Hahn Euch begegnet ist.

Herzliche Grüße, auch an Deinen Mann, dessen Texte mich sehr beeindrucken

Sabine Hartmann, 8.4.13


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BERLINER WOCHE, 27.3.2013, von Ralf Liptau


Bilder vom Nullpunkt

Buch mit fast vergessenen Fotos von Berlin um 1950

Friedenau: Über 60 Jahre lang schlummerten die Negative und Kontaktbögen des heute 86-jährigen Ernst Hahn in einer Blechbüchse - nun sind sie erstmals zu sehen. Der Verlag "edition Friedenauer Brücke" stellte kürzlich einen Fotoband mit 280 der so lange vergessenen Bilder vor.

Die Aufnahmen, die der damals 23-jährige Fotostudent Ernst Hahn in den Jahren 1950 und 1951 in den Straßen Berlins machte, zeigen eine Zeit, die geprägt ist sowohl vom Davor als vom Danach. Die inzwischen sauber von den Trümmern des Krieges leergeräumten Flächen zeugen eindrucksvoll und verstörend vom verheerenden Ausmaß der alliierten Bombenangriffe auf die deutsche Hauptstadt.

Sie machen aber auch deutlich, dass das Leben fünf beziehungsweise sechs Jahre nach Kriegsende langsam wieder zurückkehrte. Mitten in den zerstörten Straßenzügen von Moabit freuen sich die Kinder über einen Rummel. Auf dem Kurfürstendamm schlendern die fein herausgeputzten Bürgern optimistisch einer
besseren Zukunft entgegen. Straßenhändler in ansonsten zerstörten Geschäftsstraßen scheinen zu verkünden, dass schon bald alles besser wird. Die Jahre 1950 und 1951 erscheinen in den Fotografien von Ernst Hahn als Dokument eines Nullpunkts. Die größten Schrecken liegen hinter uns, ab jetzt kann es nur noch bergauf gehen.

Der damalige Fotostudent war in den Osterferien der beiden Jahre jeweils als Besucher aus Zürich nach Berlin gekommen, das er 1944 wegen einer Tuberkulose-Erkrankung in Richtung Kur in der Schweiz verlassen hatte. Nur so entging er dem Los seiner Altersgenossen, vom "Führer" in den letzten Kriegsmonaten noch verheizt zu werden. Nach seiner Genesung konnte er schließlich das Fotostudium an der Kunstgewerbeschule Zürich beginnen. Die Aufnahmen von Berlin entstanden quasi als Hausaufgabe in den Osterferien.

Als die Friedenauer Verleger Evelyn Weissberg und Hermann Ebling die Bilder schließlich im vergangenen Sommer zufällig in die Hände kamen, musste sie ihn deshalb auch erst zur Veröffentlichung überreden. "Das sind doch nur Jugendsünden", habe Hahn, der heute in Wilmersdorf lebt, zu Weissberg gesagt.

Die Bilder jetzt im Buch veröffentlicht zu haben, sei, so die Verlegerin bei der Präsentation in Richtung des heute 86-Jährigen, "der Beweis dafür, dass es sich doch um etwas ganz besonderes handelt". Eine erste Reaktion auf das Buch habe Weissberg von einem älteren Herrn bekommen, der die Zeit in Berlin erlebt hat. In einem Brief habe er geschrieben, dass er die "geschundene Architektur und die geschlagenen Berliner" in den Aufnahmen "wieder lebend" gesehen habe. Eben in einer Zeit des Davor und Danach.

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Die Bilder von Herrn Hahn haben mich stark beeindruckt. Ich selbst habe die damalige Zeit als Siebenjährige hautnah erlebt. Die Fotos sind größtenteils meisterhaft gestaltet. Sie wecken die Erinnerung an die Trostlosigkeit der damaligen Zeit, überwinden sie aber durch ihre tiefe innere Schönheit.

Ingrid Jeltsch  23.3.13

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HAMBURGER ABENDBLATT, 30.3.2013, von Brita Klar


Berlin 1950, zwischen Verfall und Wiederaufbau

Mit seiner Rolleiflex streifte Fotograf Ernst Hahn in den Jahren 1950/51

durch Berlin. Er dokumentierte die Stadt in Trümmern, ihre Menschen

und das Gefühl des Wiederaufbaus. Es sind bewegende Bilder.

Von Britta Klar

Unterschwellig sind sie immer bei ihm gewesen, diese Bilder. Gut verwahrt in seinem Kopf und in einer alten Blechschachtel in seinem privaten Fotoarchiv. "Beim Nachdenken über die Vergangenheit habe ich immer auch an diese Bilder gedacht", sagt Ernst Hahn. Der heute 86-jährige Fotograf lebt in Wilmersdorf.


Er ist bescheiden und wortgewandt. Sagt "gnädige Frau" und spricht viel von "Schicksal" und "Fügung". Und wahrscheinlich war es auch das, was ihn, den gebürtigen Babelsberger, der damals eine Ausbildung in der Fachklasse Fotografie der Kunstgewerbeschule Zürich machte, genau an jenen Tagen ins Nachkriegsberlin zog, als dort alles in Trümmern lag. Die Aufnahmen, die während zweier kurzer Besuche bei seinen Eltern entstanden, blieben über 60 Jahre nahezu unbeachtet. Nun gibt es sein "fotografisches Tagebuch", wie Hahn es nennt, als Bildband: "Berlin um 1950 – Fotografien von Ernst Hahn" (Edition Friedenauer Brücke).


Ernst Hahn hat ein bewegtes Leben. 1926 im damaligen Arbeiterviertel Nowawes, heute Potsdam-Babelsberg, als Sohn einer Blumenhändlerin und eines Landschaftsgärtners geboren, erkrankte Hahn 1941 an "nasser Rippenfellentzündung". In den Jahren darauf verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends, dann wurde Tuberkulose diagnostiziert, später kam noch eine Erkrankung des rechten Kniegelenks dazu.


Fügung und Schicksal

Hahn wurde ausgemustert – und schämte sich: "Hahn, du Schuft, die anderen dürfen für Volk und Vaterland kämpfen, und du…" Es waren damals andere Zeiten. Viele von Hahns Freunden und Klassenkameraden kamen nicht zurück. Für Ernst Hahn reihten sich Aufenthalte in Lungenheilstätten, Sanatorien und Kurorten aneinander. Auch das wahrscheinlich alles Fügung und Schicksal, auch wenn es sich damals für den jungen Mann sicher noch nicht so anfühlte.

In der Schweiz schließlich wurde sein krankes Knie operiert. Das war im Mai 1945. Seitdem ist sein rechtes Bein steif – das Kniegelenk war entfernt worden. In all den Jahren der Bettlägerigkeit hatte Hahn sich mit Schönschriften und Schrifttypen beschäftigt. 1947 wurde ein Grafiker auf ihn und seine Begabung aufmerksam und empfahl ihm, sich an der Kunstgewerbeschule in Zürich vorzustellen. Hahn wurde aufgenommen und lernte fortan alles über Fotografie und Grafik.


Rückkehr nach Berlin

Im Jahr 1950 kam Hahn als Student erstmals seit Jahren zurück nach Berlin. Die Fotos, die er hier machte, nennt er "Ferienarbeit", "Tagebuch" oder "Arbeitsbelege". Die Begrifflichkeiten an sich klingen emotionslos, Hahn ist es nicht. Er sieht seine Fotos eben nur nicht als künstlerisches Werk an, eher als sachliche Dokumentation. Vielleicht war die Rolleiflex, die der junge Student sich damals bei seinen Streifzügen durch Berlin vors Auge hielt, auch in erster Linie ein Filter. Ein Emotionenfilter. Denn das, was Hahn damals sah, ließ ihn schaudern: "Bis auf die Knochen berührt hat mich das."

Die Bilder der zerstörten Stadt, die hungernden Menschen, die in den Trümmern lebten. Aber er erlebte auch das Gefühl des Wiederaufbaus. Sah, wie Trümmerfrauen Steine klopften. Ihm war bewusst, dass er bei einem ganz besonderen Umbruch dabei war. "Vor allem die Arbeiter, die überall nach und nach die letzten Spuren der Geschichte beseitigten, machten mir deutlich, dass da eine Zäsur stattfand", sagt Ernst Hahn heute.


Wenn jemand jemanden kennt

Nach seiner Abschlussprüfung 1952 arbeitete Hahn als Fotograf an verschiedenen Orten, lehrte unter anderem an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, wurde Industrie- und Werbefotograf in Stuttgart-Wangen. Eine Annonce der Siemens&Halske AG in der Berliner Morgenpost führte 1961 schließlich dazu, dass Hahn mit seiner Frau Eveline Litty, die er 1955 geheiratet hatte, nach Berlin zurückkehrte. Bis zu seiner Pensionierung 1991 war Hahn Leiter des Fotoateliers der Hauptwerbeabteilung.

Dass seine Berlin-Bilder nun "in sachverständige Hände gefallen sind", ist auch wieder Schicksal, das ein wenig nach dem Schema "Jemand kannte jemanden, der jemanden kannte, der Ernst Hahn kannte" ablief. Ernst Hahn fotografiert auch heute noch – mit seiner altbewährten Ausrüstung aus den 1950er-Jahren.

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Das Buch ist ein wunderbares Dokument Berliner Nachkriegsgeschichte und reiht sich ein in die Gesamtveranstaltung "Verfolgt, vergessen, verfemt", und wäre in diesem Kontext als Ausstellung ein Highlight, weil es die Zerstörung und Brüche der entleerten Stadt zeigt.

Ernst Volland   25.3.13


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BERLINER MORGENPOST, 30.3.2013, von Britta Klar


Bis auf die Knochen berührt

Der Fotograf Ernst Hahn streifte in den Jahren 1950/51 mit seiner Kamera durch Berlin. Erst mehr als 60 Jahre später tauchten seine Arbeiten wieder auf. Sie erscheinen nun als Bildband.

Unterschwellig sind sie immer bei ihm gewesen, diese Bilder. Gut verwahrt in seinem Kopf und in einer alten Blechschachtel in seinem privaten Fotoarchiv. "Beim Nachdenken über die Vergangenheit habe ich immer auch an diese Bilder gedacht", sagt Ernst Hahn. Der heute 86-jährige Fotograf lebt in Wilmersdorf.

Er ist bescheiden und wortgewandt. Sagt "gnädige Frau" und spricht viel von "Schicksal" und "Fügung". Und wahrscheinlich war es auch das, was ihn, den gebürtigen Babelsberger, der damals eine Ausbildung in der Fachklasse Fotografie der Kunstgewerbeschule Zürich machte, genau an jenen Tagen ins Nachkriegsberlin zog, als dort alles in Trümmern lag. Die Aufnahmen, die während zweier kurzer Besuche bei seinen Eltern entstanden, blieben über 60 Jahre nahezu unbeachtet. Nun gibt es sein "fotografisches Tagebuch", wie Hahn es nennt, als Bildband: "Berlin um 1950 – Fotografien von Ernst Hahn" (Edition Friedenauer Brücke).


Über Umwege kam er zur Kunst

Ernst Hahn hat ein bewegtes Leben. 1926 im damaligen Arbeiterviertel Nowawes, heute Potsdam-Babelsberg, als Sohn einer Blumenhändlerin und eines Landschaftsgärtners geboren, erkrankte Hahn 1941 an "nasser Rippenfellentzündung". In den Jahren darauf verschlechterte sich sein Gesundheitszustand zusehends, dann wurde Tuberkulose diagnostiziert, später kam noch eine Erkrankung des rechten Kniegelenks dazu. Hahn wurde ausgemustert – und schämte sich: "Hahn, du Schuft, die anderen dürfen für Volk und Vaterland kämpfen, und du…" Es waren damals andere Zeiten. Viele von Hahns Freunden und Klassenkameraden kamen nicht zurück. Für Ernst Hahn reihten sich Aufenthalte in Lungenheilstätten, Sanatorien und Kurorten aneinander. Auch das wahrscheinlich alles Fügung und Schicksal, auch wenn es sich damals für den jungen Mann sicher noch nicht so anfühlte.

In der Schweiz schließlich wurde sein krankes Knie operiert. Das war im Mai 1945. Seitdem ist sein rechtes Bein steif – das Kniegelenk war entfernt worden. In all den Jahren der Bettlägerigkeit hatte Hahn sich mit Schönschriften und Schrifttypen beschäftigt. 1947 wurde ein Grafiker auf ihn und seine Begabung aufmerksam und empfahl ihm, sich an der Kunstgewerbeschule in Zürich vorzustellen. Hahn wurde aufgenommen und lernte fortan alles über Fotografie und Grafik.


Rückkehr nach Berlin

Im Jahr 1950 kam Hahn als Student erstmals seit Jahren zurück nach Berlin. Die Fotos, die er hier machte, nennt er "Ferienarbeit", "Tagebuch" oder "Arbeitsbelege". Die Begrifflichkeiten an sich klingen emotionslos, Hahn ist es nicht. Er sieht seine Fotos eben nur nicht als künstlerisches Werk an, eher als sachliche Dokumentation. Vielleicht war die Rolleiflex, die der junge Student sich damals bei seinen Streifzügen durch Berlin vors Auge hielt, auch in erster Linie ein Filter. Ein Emotionenfilter. Denn das, was Hahn damals sah, ließ ihn schaudern: "Bis auf die Knochen berührt hat mich das." Die Bilder der zerstörten Stadt, die hungernden Menschen, die in den Trümmern lebten. Aber er erlebte auch das Gefühl des Wiederaufbaus. Sah, wie Trümmerfrauen Steine klopften. Ihm war bewusst, dass er bei einem ganz besonderen Umbruch dabei war. "Vor allem die Arbeiter, die überall nach und nach die letzten Spuren der Geschichte beseitigten, machten mir deutlich, dass da eine Zäsur stattfand", sagt Ernst Hahn heute.

Nach seiner Abschlussprüfung 1952 arbeitete Hahn als Fotograf an verschiedenen Orten, lehrte unter anderem an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, wurde Industrie- und Werbefotograf in Stuttgart-Wangen. Eine Annonce der Siemens&Halske AG in der Berliner Morgenpost führte 1961 schließlich dazu, dass Hahn mit seiner Frau Eveline Litty, die er 1955 geheiratet hatte, nach Berlin zurückkehrte. Bis zu seiner Pensionierung 1991 war Hahn Leiter des Fotoateliers der Hauptwerbeabteilung.

Dass seine Berlin-Bilder nun "in sachverständige Hände gefallen sind", ist auch wieder Schicksal, das ein wenig nach dem Schema "Jemand kannte jemanden, der jemanden kannte, der Ernst Hahn kannte" ablief. Ernst Hahn fotografiert auch heute noch – mit seiner altbewährten Ausrüstung aus den 1950er-Jahren.

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Liebe Frau Weissberg, lieber Herr Ebling,

Ihr Buch ist eine Offenbarung!

Hans-Werner Marquardt, Ressortleitung BZ-Kultur, 20.3.13


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ANSA, 25.marzo 2013


Berlino in scatti dimenticati da 60 anni

Sepolta in una scatola di latta per sessant'anni, una Berlino apocalittica e spesso irriconoscibile viene oggi restituita alla storia, negli scatti preziosi di Ernst Hahn. Nel 1950, il fotografo berlinese - allora solo un giovane studente, oggi 87enne - tornò per la prima volta a casa, dalla sua famiglia, dopo cinque anni e mezzo di assenza. Era Pasqua. Il ragazzo aveva lasciato la Germania per curare la tisi, in Svizzera, dove era poi rimasto per studiare. Nella Berlino ancora ridotta in macerie, prese la sua Rolleiflex e se ne andò in giro per le strade della capitale tedesca, a fare foto fra le rovine della guerra.

Scatti dimenticati in una vecchia scatola, fino a poco tempo fa. Quando oltre mille negativi, formato 6 per 6 cm, sono riemersi dal passato e dalla memoria. Ne sono venute fuori 350 immagini inedite della città devastata dal secondo conflitto mondiale e divisa nei famosi "settori", pubblicate in un libro della casa editrice Friedenauer Brücke uscito in questi giorni: "Berlino attorno al 1950". In bianco e nero, il vuoto lasciato dagli edifici bombardati e le pietre raccolte dalle Trümmerfrauen, le "donne delle rovine", che avevano appunto il compito di raccogliere per la città il materiale riutilizzabile per la ricostruzione. Il giovane Hahn ne immortalò diverse lungo il Kaiserdamm. Nel cuore della capitale, si distinguono i binari concepiti solo per portar via i resti della guerra, mentre sul fiume Sprea lo studente di fotografia incrociò diversi container, carichi dei resti della città distrutta.

''Riconoscere le strade è stato difficile per l'editore'', si legge nella prefazione a questo nuovo volume sulla storia berlinese. Dall'est all'ovest, si stagliano in una solitudine infinita i monumenti oggi notissimi in tutto il mondo: la Porta di Brandeburgo, nella desolazione di Pariser Platz. Schiffbauerdamm e lo spettro di una stazione vuota, dove oggi sorge la magnifica Hauptbahnhof, la stazione centrale. La cattedrale cattolica di Sant' Edvige, senza la cupola. Il Tiergarten, immenso cuore verde della capitale, ridotto senza alberi. Dove la memoria popolare racconta che, dopo la guerra, i berlinesi, affamati, coltivassero patate.

Il libro racconta anche la storia politica della città divisa: con l'enorme vuoto lasciato dal castello, demolito al posto del Duomo nella ex DDR. Lo stesso che oggi ci si accinge a ricostruire con un controverso progetto, molto discusso nella capitale. E poi, soprattutto, la gente: i bambini che giocano nella polvere di una città fantasma, le donne che portano la spesa. ''Cerco lavoro, accetto qualsiasi lavoro'', si legge accanto a un uomo in attesa di aiuto. Hahn lo immortalò di spalle, seduto per strada, nel suo impermeabile.

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Ich bin geradezu begeistert von eurem neuen Kind! Neben den eindrucksvollen Fotos, die in dieser Vergrößerung erst so richtig zur Geltung kommen, finde ich auch den Text sehr gelungen und in sich geschlossen, besser, als es mit Einzelgeschichten hätte werden können. Dieser "Rundumschlag" um die einzelnen Themenkreise liest sich ausgesprochen spannend und ist darüber hinaus sehr informativ. Da ist eine gelungene Berliner Geschichte über diese Zeit entstanden, die bestimmt viele interessieren wird, aber sicher auch eine Menge Arbeit gemacht hat. Alle Achtung!

Ich  freue mich über diesen neuen, repräsentativen Band in meiner kleinen Bibliothek aus der edition Friedenauer Brücke!

Liebe Grüße! Sigrid Wiegand    28.03.2013

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DER TAGESSPIEGEL Berlin, 23.03.2013,  von Gunda Bartels


Ein Student streift durch das Nachkriegsberlin

Tagebuch eines Fotoschülers

Unsere Mütter, unsere Väter, unsere Trümmer:

Ein neuer Bildband zeigt das Berliner Leben um 1950,

wie es Ernst Hahn mit der Kamera festgehalten hat.


Gar nüscht weiter, sagt Ernst Hahn, wenn man ihn fragt, mit welcher Absicht, welcher Haltung er die Straßen, Häuser und Menschen Berlins im Frühjahr 1950 und 51 geknipst hat. Die Bilder seien fotografische Tagebuchnotizen eines Fotoschülers, Punkt, aus. „Ich war nie auf Künstlertum aus. Ein Fotograf muss sich mit dem Konkreten abgeben, der Begriff Kunstfotografie existiert für mich gar nicht.“

Mit seinen 86 Jahren hat der heute in Wilmersdorf lebende Fotograf so einiges gesehen und viel davon festgehalten. Im Gespräch ist er ein gelassener und lakonischer, keineswegs ein gefühliger Mann. Mehr als 60 Jahre sind seine Streifzüge mit der Rolleiflex durch das verheerte Nachkriegsberlin jetzt her.

Im vergangenen Jahr erst hat Hahn die bis dahin von ihm nach einer damaligen Veröffentlichung in der „Neuen Zürcher Zeitung“ nicht weiter beachteten Negative aus einer alten Blechschachtel in seinem Archiv gekramt. Und trotz all den seitdem verstrichenen Jahrzehnten weiß Ernst Hahn noch genau, welches Gefühl ihn erfüllt hat, als er die verheerte Stadt nach dem Krieg wiedersieht. „Schaudern“, kommt die prompte Antwort.

Schaudernd sei er die Straßen entlanggelaufen, angesichts der unbegreiflichen Bilder, die er so nicht erwartet habe. Natürlich hatte er Trümmerfotos von Kriegsreportern gesehen, das schon, aber die waren nichts gegen die Gänsehaut machende Wirklichkeit, die ihm in Berlin im eigenen Augenschein entgegentrat.

Jetzt sind Ernst Hahns Fotos erstmals als Buch in der Edition Friedenauer Brücke erschienen. „Berlin um 1950 – Fotografien von Ernst Hahn“ heißt der alles andere als effekthascherische Band, der bei aller Verwüstung eine erstaunlich aufgeräumte, teils menschenleere, teils neu erwachende, lebendige Stadt zeigt. Am gestrigen Freitagabend wurde er vorgestellt, im Bauhaus-Archiv in Tiergarten, mit dem der Fotograf seit vielen Jahren verbunden ist.

Ernst Hahns damals so deutlich empfundener Stoßseufzer „Dem Himmel sei Dank, dass wir dieses Inferno durch Gottes Gnade überlebt haben“ schwebt als erstaunter Unterton über den sachlichen, einem schlichten Dokumentaristenstil verpflichteten Bildern von Straßenzügen und Gebäuden, die – immer wenn Menschen ganz nah ins Spiel kommen – auch viele als Fotoreportage aufgezogene Straßenszenen beinhalten: Kinder auf einem Rummel in Moabit, fein gemachte Passanten auf dem Kurfürstendamm, Straßenhändler auf einem Trümmergrundstück in der Potsdamer Straße, Arbeiter, die historische Laternen auf dem demolierten Schlossplatz abreißen. Es wundere ihn immer noch, wie sauber die Straßen waren und wie ordentlich gekleidet die Leute, sagt Ernst Hahn. „Die haben mit aller Macht versucht, die zivilisatorische Ordnung wiederherzustellen.“

Die kannte der Fotograf, der als Gärtnerssohn in Nowawes – heute Potsdam-Babelsberg – aufgewachsen ist, ebenso wie Nazi-Zeit und Bombenkrieg aus eigener Anschauung. Von Ausflügen – mit der Schule zur Granitschale im Lustgarten, mit den Eltern ins Naturkundemuseum, zu Wertheim am Potsdamer Platz oder zu den Olympischen Spielen. Aber eben nur bis 1944. Dann wurde der wegen Tuberkulose nicht zum letzten Aufgebot der Wehrmacht eingezogene Jugendliche in die Schweiz nach Davos verschickt. Dort schafft er es schließlich nach mühsamer Genesung und Einweisung ins Internierungslager an die vom Bauhaus beeinflusste Kunstgewerbeschule Zürich. Die Berlin-Fotos entstehen auf Heimatbesuchen, die der damals 23 Jahre alteStudent, der später etwa die Fotowerkstatt der legendären Ulmer Hochschule für Gestaltung und 30 Jahre lang das Fotoatelier von Siemens und Halske in Berlin leitet, bei den Eltern macht.

Ganz zufällig gerät er dabei auf die 1.-Mai-Kundgebung vor der Reichstags- Ruine, wo sich eine halbe Million Menschen aus beiden Teilen der noch nicht von der Mauer durchtrennten Stadt versammelt, um – wie schon 1948 während der Blockade – Bürgermeister Ernst Reuter reden zu hören. „Ich wusste gar nicht, was Reuter für die Berliner war und war völlig überwältigt von der Menschenmenge.“ Mit dem Glück des Ahnungslosen und etwas Ellbogeneinsatz schafft er es sogar auf die Tribüne und schießt atemberaubende Bilder. Historisch und atmosphärisch ergänzt werden sie durch den flankierenden Text, den der Autor Hermann Ebling diesem und den anderen neun Kapiteln des geografisch unterteilten Bildbandes voranstellt.

Was Ernst Hahn sich bei den Nachgeborenen, die seine Fotos sehen, für Erkenntnisse erhofft? „Das frage ich Sie“, sagt er.

Recht hat er. Was soll man lange reden, es ist ja alles zu sehen.


www.tagesspiegel.de-tagebuch-eines-fotoschuelers

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www.SLOWTRAVELBERLIN.com,  22-3-13, by Natalie Holmes


Book Launch: BERLIN um 1950

Fotografien von Ernst Hahn, Bauhaus Archive, 7pm

The year is 1950, the city Berlin. World War II ended five years ago and the metropolis remains in ruins. But there's  much more  to the story than crumbling buildings and sapped spirits.

Tonight's launch at the Bauhaus Archive, an iconic post-war structure designed by Bauhaus founder Walter Gropius himself, celebrates the publication of a new book entitled "BERLIN um 1950", featuring visions of the city at a crucial juncture in both its social and architectural history.

Born in 1926, Ernst Hahn went on to study photography under Hans Finsler in Zurich before returning to Berlin, where he recorded the city's ongoing metamorphosis. 63 years on, he will present at the Bauhaus Archive to launch this extraordinary collection of images.

Evelyn Weissberg and Ernst Hahn at the Bauhaus-Archive

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Es ist mir nach 60 Jahren überraschend gegönnt worden, einzutauchen in die Stadt Berlin – ziemlich "punktgenau" zum Ende meiner Kindheit…

Ein Aha-Erlebnis ersten Ranges: genau so war es! Ein wesentlicher Moment unseres Lebens, d.h. der Berliner, facettenreich festgehalten und aufbewahrt tritt wieder vor unser Auge und wir begegnen uns selbst in einer vergangenen Zeit.

Schaue ich die Bilder Ernst Hahns an, sehe ich in einen Spiegel. Mein inneres Bild von Berlin 1950/51, dessen Inhalt, wenngleich gewesen, so doch nicht vergangen, reflektiert sich da mit dem Charakter der Realität. Ich sehe die geschundene Architektur und die geschlagenen Berliner – wieder lebendig. Und mit dem Sehen rieche, schmecke und höre ich die Stadt wieder.

Conny Gutschke, 1.3.13

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BILD Berlin, 22.03.2013, von Katja Colmenares


Dieser Foto-Schatz war 62 Jahre verschollen

Fotograf entdeckte Bilder aus seiner Studienzeit wieder

Berlin – Zweimal Ostern in der Trümmerstadt.


1950 und 1951 kommt der junge Fotostudent Ernst Hahn, damals Anfang 20, erstmals wieder nach Berlin. „Macht was in den Osterferien“, hatte sein Lehrer die angehenden Fotografen am letzten Schultag noch ermahnt.

Und Hahn machte. „Am Ende waren es rund 350 Bilder, alle aufgenommen mit meiner Rolleiflex.“

Doch weil es für ihn nur Übung, Hausaufgabe war, verschwanden die Berlin-Fotos in einer Blechschachtel. Bis jetzt!

Mehr als 60 Jahre später entdeckte Hahn die ordentlich verpackten Negative wieder. Und der Verlag „edition Friedenauer Brücke“ erkannte, was für ein Schatz die Fotos heute sind.

Es sind authentische Zeitdokumente, die Berlins verletzte Seele widerspiegeln.

Hahn: „Noch heute schaudert es mich, wenn ich an die Trümmer und Ruinen zurückdenke.“

Der Fotograf verdankt einer schweren TBC Leben und Profession. „Wegen der Krankheit wurde ich ausgemustert. Statt nach Stalingrad kam ich zur Kur in die Schweiz. Und dort studierte ich später auch Fotografie“.

Sonst hätte es diese Bilder nie gegeben...


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